Einleitung

Im Wahlmodul bei Nicolai Neubert und Matthias Lipeck hatten wir die Aufgabe einen Spielplatz für den Hochschulweinberg „Waladala“ für Besucher verschiedenen Alters zu entwerfen. Ziel ist es, einen Ort zu schaffen, an dem Spieltrieb, Entdeckerfreude, Spaß und Natur miteinander verschmelzen. Die Spielobjekte sollen nicht nur ansprechend aussehen, sondern auch zum Benutzen einladen. Dabei legen wir großen Wert auf Sicherheit und die Eignung für alle Altersgruppen.

Lage und topogfrafische Landschaftsplanung

In unserem ersten Briefing vor Ort wurde uns der Weinberg und seine Umgebung vorgestellt. Das Landschaftsplanungsbüro „Grünplan“ hat uns darüber hinaus über die weitere topografische Landschaftsplanung des Spielplatz-Areals informiert. 

Wir konnten hier ein erstes Raumgefühl erlangen und das Potenzial des Standortes einordnen. Dieses Treffen im Weinberggelände war sehr wichtig für eine praktische, sinnvolle und ortsbezogene Planung unseres Spielplatzes.

Recherche

Zu Beginn nahmen wir uns eine Woche Zeit um so viel allgemeines Wissen über Spielplätze und Spielgeräte Hersteller herauszufinden wie möglich. Einige besuchten hierzu selber Spielplätze in ihrer Umgebung, während andere extensive Recherche online ausführten. Die Ergebnisse wurden dann in der Gruppe präsentiert um sich gegenseitig zu informieren und zu inspirieren.

Persönliches Moodboard und erste Konzeptansätze

Im Anschluss auf die erste allgemeine Recherchephase sollte jede Person ein individuelles Konzept und dazugehöriges Moodboard für einen Spielplatz entwickeln. Wir hatten dabei relativ viel Freiheit, was zu einer Vielzahl von Ideen und Ansätzen in unserem Kurs führte.

Gabriels Konzept "Parcours Spielplatz"

In meinem ersten Konzept wollte ich den Fokus auf einen Parcours-Spielplatz legen, der durch konventionelle Herstellungsverfahren produziert wird und traditionelle Spielmechaniken wie Kletterwände und Holzbalken zum Balancieren verwendet.

Bens Konzept "Floß"

In meinem ersten Konzeptansatz beschäftigte ich mich mit dem abenteuerlichen Gefühl einer Erkundungsreise mit einem Floß auf hoher See, sowie mit einer Gruppe von unerschrockenen, erfahrenen Höhlenforschern in den Tiefen der Erde.

Hierzu recherchierte ich zu den Themen Floßbau, Floß Spielplatz, Liegenetze auf Spielplatz, gehäkelte Netzte auf Spielplatz, Abenteuerspielplatz, Höhlenbau und Ferrocement (Eisenzement).

Mein erstes Modell war eine Kombination aus einem Floß, welches auf den vorgegebenen topografischen Wellen schwebte, mit einer Höhlenartigen Struktur, die Kinder als Kajüte oder Ähnlichem interpretieren könnten.

Das Missionstatement für diesen Ansatz war: „Ein Floß (kein Boot) kann jegliche Formen annehmen und aus verschiedensten Materialien zusammengesetzt sein, wobei meistens versucht wird, ein möglichst stabiles Grundgerüst mit einem Rückzugsort zu erschaffen.

Was wäre, wenn der Rückzugsort wie eine stabile, unumstößliche Höhle im und unter dem Ozean ist, an der das Floß als großes Gebilde aus Holz, Seilen und anderen Materialien wie schwerelos über den topografischen Wellen der umliegenden Hügel gleitet.“ 

Eine gekürzte Version hörte sich so an: „Fantasieabenteuer Floß und/oder Augenweide, die durch Faszination, Neugier, Komfort oder Bewegungsdrang zusammenführt.“ 

oder so: „Auf hoher See erlebt man spannende Abendteuer. Wenn das Wetter jedoch mitspielt und kein Land in Sicht ist, hat man reichlich Zeit, in der man sich auf Deck sonnen und unterhalten oder in der Kajüte zurückziehen kann.“

Für das zweite Modell entschied ich mich die Unterkonstruktion der Höhlenformation aus Eisenstangen nochmal ausführlicher zu präsentieren. Hierzu verwendete ich relativ flexiblen Metalldraht.

Inspiriert wurde ich von einem Projekt Namens „Growshelter“, welches der Gewinner der Sustainable Design/Build Competition des Schuylkill Environmental Education Centers in Philadelphia, Pennsylvania war. 

Mehr Wissen über die Umsetzung eines solchen Projekts fand ich auf Youtube durch einen Kanal Namens „Wizard Workshops“, auf dem ein erfahrener Profi in Eisenzement Konstruktionen sein Wissen teilt. Seine Formen sind immer sehr organisch und passten daher sehr gut zu meinem Vorhaben. Ich habe alle seine Videos gründlich durchgeschaut und alle Links auf Miro dokumentiert.

Gemeinsames Konzept "Inselabenteuer"

Nachdem alle Kursteilnehmer ein eigenes Konzept entwickelt hatten, verbanden wir mehrere miteinander kompatible Konzepte zu einem, sodass wir für den Rest der Kurszeit sechs Zweier- oder Dreiergruppen hatten.

Mission Statment

Wir möchten einen Ort schaffen, an dem die Besucher dazu eingeladen werden, gemeinsam Abenteuergeschichten zu ersinnen. Hierzu bieten wir eine Landschaft, in der Landschaftsgestaltung, Flora und gebaute Objekte dezente Assoziationen auf eine schlüssige Storyline zum Thema „Inselabenteuer mit Schiffbruch“ geben. Der Raum wird außerdem durch die strategische Platzierung von Pflanzen um die gebauten Objekte definiert aber nicht abgegrenzt und lädt dazu nicht nur zum Zusammenkommen, sondern auch zum Herunterkommen ein. Wir nutzen bewährte Materialien effizient in der Harmonie zwischen Erkennbarkeit und Sparsamkeit.

Storytelling

Dieser Abschnitt ist zwar chronologisch nicht der erste, jedoch essenziell für das Endergebnis. 

Hier haben wir nämlich versucht unser Gesamtkonzept, welches aus beiden einzelnen Konzepten zusammengewachsen ist, aus einer distanzierten Perspektive zu betrachten und diskutiert, welche Elemente dem übergeordneten Storytelling zuträglich sind und welche nicht. Dabei wurde uns klar, dass wir noch kein stimmiges, übergeordnetes Storytelling haben und damit einhergehend auch keinen roten Faden, an dem wir unseren Spielplatz aufbauen können. 

Zuerst schrieben wir daher beide eine Geschichte, in der wir mit all unserer kindlichen Vorstellungskraft versuchten, den Kontext zu unserem Spielplatz zu beschreiben.

Beim Vergleichen der beiden Geschichten ist uns aufgefallen, wie ähnlich unsere Vorstellung eigentlich war, ohne dass wir je richtig darüber gesprochen haben.

Anschließend haben wir also die wichtigsten Stichpunkte aus beiden Geschichte herausgeschrieben und mit ihnen als Grundlage entschieden, welche Elemente wir aus unserem ersten gemeinsamen Modell kürzen müssen. Das war nötig, da unser erstes Modell viel zu viele Elemente enthielt und daher vollgestellt und erstickend erschien. Außerdem mussten wir für das erste Modell den Maßstab anhand der Höhenmaße auf der uns vorliegenden schematischen Abbildung schätzen (da diese keine Längenmaße enthielt). Dies führte dazu, dass wir mit zu viel Platz rechneten, den wir eigentlich garnicht hatten. Als wir im Anschluss also einen vermaßten Plan von Herrn Lippeck bekamen, mussten wir bestürzt feststellen, dass wir den ohnehin schon vollgestellten Spielplatz noch mehr verkleinert mussten als erwartet.

Erstes gemeinsames Modell

Design Elemente

-Zusammenspiel von Topografie, Flora und gebauten Objekten

-Orte der dynamischen Zusammenkunft und genug Rückzugsmöglichkeiten um in der Ruhe der geordneten, wilden Natur Frieden zu finden

-Assoziationspunkte um Besuchern dezente Anreize zu bieten, aus denen Geschichten ersinnt werden können.

-effektive und effiziente Materialnutzung, die in der Harmonie zwischen Erkennbarkeit und Sparsamkeit liegt

-Raumaufteilung durch Flora und Anordnung der gebauten Objekte, die definiert aber nicht abgrenzt (siehe Höhen der Büsche usw.)

-kohärente Storyline: in sich schlüssig aber in der Umsetzung abstrakt gehalten und offen für Interpretation

-konventionelle und bewährte Baumaterialien, die durch ihre lange erprobte Anwendung keine Lücken für unerwartete Schwierigkeiten bieten.

-Landschaftsplanung bezieht natürliche und wilde Flora mit ein und schafft an strategisch wichtigen Punkten eine natürliche visuelle Abgrenzung zwischen Spielplatz und Pergola, Zaun und Weinhallen.

-Planung richtet sich nach der Sonne aus und erlaubt Blickfreiheit vom „Dach der Welt“ auf die Stadt Bernburg

Gebaute Elemente

Nachdem wir eine gemeinsame, schlüssige und überzeugende Storyline entwickelt haben, kürzen wir unser Konzept also auf fünf gebaute Elemente. Wir machten von jedem so viele Iterationen, bis sie stimmig und effizient waren und uns gefielen. Dazu entwickelten wir ein Begleitkonzept von eingesetzten Pflanzen, die die richtige Dynamik und Atmosphäre schenken sollten. Im Hinterkopf hatten wir natürlich auch die wilde Flora, die das Areal besiedelt und umgibt (Pflanzen auf der Rechten Seite des Spielplatzes vor dem Zaun und Pflanzen hinter dem Zaun).

1. Der Steg (mit Liegenetz)

Der Steg bildet den Empfang des Spielplatzes. Er soll die Besucher dazu einladen, den Spielplatz zu betreten und den Mut wecken, sich in ein spannendes Abenteuer zu stürzen. Kleine Kinder werden dort starten und sich auf das vielfältige Areal begeben. Erwachsene hingegen können von dort aus gut die spielenden Kinder beobachten oder sich zum Unterhalten an die Kante setzen, ähnlich wie man es oft bei einem echten Steg am Wasser tut.

Unbenanntes_Projekt 37.png

2. Das Krähennest

Das Krähennest ist eine Kombination aus Ausguck am untergegangenen Hauptmast des Schiffes, sowie eines eingebauten Karussells. Zum Abschluss fertigten wir eine technische Zeichnung an.

Unbenanntes_Projekt 36.png

3. Das Seeungeheuer

Das Seeungeheuer ist die kleinere Version des Seeungeheuers aus unseren Geschichten. Es wirkt freundlich und nahbar. Auf ihm finden zwei Kinder Platz und mit ihm kommen sie vielleicht wieder zurück aufs Festland.

4. Das Schiffsheck

Das Schiffsheck ist am Strand aufgelaufen und steht fast vollständig unter Wasser. Es dient als eines der markantesten Erkennungsmerkmale des Schiffswracks.

Unbenanntes_Projekt 36 Kopie 2.png
14 Kopie2.png

5. Die Insel

Die Insel bildet einen Kontrast zum aufregenden und actionreichen Schiff-Spielplatz. Sie ist der Ort, an dem man ankommen und neue Kraft schöpfen soll. Es ist ein ruhiger Ort, der Möglichkeiten zum Entspannen, Zurückziehen und Verstecken bietet. Auch für Erwachsene ist dies ein guter Ort zum Verweilen, um sich zu unterhalten und die Kinder zu beobachten.

Unbenanntes_Projekt 37 Kopie.png

Finales Modell

3 Kopie1.png

Letzte Präsentation

Als Abschluss des Kurses mussten wir nun unser Konzept mit den einzelnen Mockups präsentieren. Alle Informationen zu unserem Konzept sind auch hier in dieser Präsentation enthalten.

Fazit

Der Kurs bei Nicolai Neubert und Matthias Lipeck war sehr gut strukturiert und organisiert. Jede Woche war klar, was zu tun ist. Obwohl wir bisher nicht viele Berührungspunkte mit Landschaftsarchitektur und Produktdesign in diesem Umfang hatten, war es sehr schön, sich in diesen Bereich zu begeben. Auch die Zusammenarbeit mit dem Standort Bernburg hat wunderbar funktioniert. Bei Fragen erhielten wir stets Antworten und Feedback, insbesondere zum Thema Sicherheit.

Obwohl wir nie ein 1:1-Modell hatten, war es eine gute Übung, in unterschiedlichen Maßstäben zu arbeiten und unsere Ideen mit verschiedenen Materialien darzustellen.

Das regelmäßige Pitchen unserer Ideen half uns, fokussiert an unseren Konzepten weiterzuarbeiten. Es war auch hilfreich, die Projekte der anderen zu sehen und ihre Vorgehensweisen kennenzulernen