Recherche
Ich begann meine Recherchephase mit einer Brainstormingrunde, in der ich so viele naturwissenschaftliche Bezüge zur Zahl Drei sammelte wie möglich. Ursprünglich verfolgte ich das Ziel, eine naturwissenschaftliche Idee in das Projekt einzubinden. Über die Konzepte der „Three Sisters“ aus der Kultur einiger indigener Völker Nordamerikas sowie den „Life Cycle“ gelangte ich zum Thema Generationen und schließlich zu der Frage, was über Generationen hinweg weitergegeben wird. Daraus entwickelte sich letztlich das Konzept, das ich weiterverfolgte: dass meine Großmutter Pullover gestrickt hat, die heute in meinem Besitz sind, und dass diese zugleich für abstraktere Werte wie Geduld, Schutz und Wärme stehen.
Inspirationen und erste Skizzen
Obwohl ich die Oberfläche in Strickoptik sehr schnell vor Augen hatte, war zunächst nicht klar, dass ich eine Teekanne gestalten würde. Zuerst fertigte ich zahlreiche Skizzen verschiedener Gefäße sowie einen schnellen Entwurf für ein Leuchtobjekt an. Schließlich erwies sich die Teekanne als passende Form, da sie, ähnlich wie ein Pullover, für Wärme und Geborgenheit steht.
Formfindung
Zahlreiche Skizzen und kleine Modelle aus Ton haben mir geholfen, eine geeignete Form für die Teekanne zu finden.
Ich habe mich für einen schlichten Zylinder mit abgerundeten Kanten entschieden. Die Form wurde bewusst einfach gewählt, um die Machbarkeit zu gewährleisten und die Oberflächenstruktur zur Geltung zu bringen. Auch Henkel, Schnaupe und Deckel wurden minimalistisch gehalten.
Tests
Um sicherzustellen, dass meine Idee einer gestrickten Oberfläche funktioniert, habe ich Tests durchgeführt. Zunächst strickte ich kleine Proben aus unterschiedlichen Garnen, zum Beispiel aus Bindfaden sowie Polyacryl-, Baumwoll- und Wollgarn. Diese tauchte ich in Schlicker, ließ sie sich vollständig vollsaugen und legte sie anschließend zum Trocknen auf eine Schicht Schlicker, bevor sie gebrannt wurden. Die Struktur aller Garne blieb nach dem Brennen erstaunlich gut erhalten. Ich entschied mich für Baumwollgarn, da die Details des Strickmusters dabei am besten sichtbar blieben.
Arbeitsprozess
Drehen in Gips
Das Drehen gelang sehr gut und bereitete mir viel Freude. Um die Maße der Kanne präziser auf das Modell übertragen zu können, fertigte ich eine Schablone aus Pappe an.
Abformen des Hauptkörpers
Nach mehreren misslungenen Versuchen gelang es mir schließlich, den Korpus der Kanne in Gips zu gießen. Dabei entstand jedoch eine Sprengform mit vielen eingeschlossenen Luftbläschen, die in der Oberfläche der Form sichtbar waren. Zudem hatten wir Schwierigkeiten, das im Gips eingeschlossene Modell vom Dorn der Drehscheibe zu lösen, wodurch an einigen Stellen Teile des Modells absprangen.
Herstellen der Modelle für Schnaupe, Henkel und Deckel
Das Modell für den Deckel habe ich ebenfalls aus Gips gedreht. Den Henkel und die Schnaupe formte ich aus Zeitgründen aus Knete. Grundsätzlich funktionierte dies gut, allerdings stellte ich fest, dass sich Gipsmodelle besser abformen lassen als Modelle aus Knete.
Gießen und Glasieren
Das Gießen der Hauptform und der weiteren Bestandteile funktionierte gut. Es war viel Ausbesserungsarbeit notwendig, da wie vorher schon gesagt die Gussformen nicht optimal waren.
Für die Oberfläche dieser ersten Kanne entschied ich mich für ein gestricktes Lochmuster, dass ein Wellenmuster formt. Das fertige Strickstück tauchte ich in Schlicker, nachdem die Kanne ausgebessert und Henkel und Schnaupe angarniert wurden. Dieses legte ich dann um den Korpus und hoffte darauf, dass das Brennen gut laufen würde!
Die fertige Teekanne
Die erste Teekanne hatte inzwischen bereits mehrere Einsätze und funktioniert erstaunlich gut. Sie fasst ein Volumen von einem Liter. Die Schnaupe erzeugt einen schönen laminaren Fluss und tropft nach dem Ausgießen kaum. Der Henkel liegt gut in der Hand. Zwar wirkt er etwas filigran, lässt sich jedoch durch seine nach oben gebogene Form stabil halten.
In der Pipeline: Teekanne Nummer 2 mit Zopfmuster
Ich hatte bereits die Gelegenheit, eine zweite Teekanne aus den bestehenden Formen zu gießen. Dabei habe ich mir mehr Zeit genommen, die Oberfläche sowie den Deckelrand auszubessern, da dieser Guss tagsüber entstand und nicht – wie bei der ersten Teekanne – nachts um 22:00 Uhr.
Fazit
Dieses Projekt war für mich ein hervorragender Ausgleich zu den anderen Arbeiten des Semesters, die viel Zeit vor dem Bildschirm erforderten. Zudem habe ich gelernt, Porzellan als Werkstoff sehr zu schätzen. Das analoge Arbeiten hat mir große Freude bereitet, und ich konnte im Verlauf des Projekts viel lernen, allen voran über den Prozess der Porzellanherstellung sowie über die Formfindung im dreidimensionalen Raum. Am liebsten würde ich noch einmal ganz von vorne beginnen, um den Prozess weiter zu verfestigen und das Gelernte erneut zu vertiefen.
An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Maria Volokhova für die Betreuung des Projekts bedanken, für die Ermutigung, meine Idee auszuprobieren, sowie für ihre tatkräftige Unterstützung.
Ebenso danke ich Philippe Wassenberg und Hannes Woitas für ihre Hilfe und ihr Feedback zu meiner Projektidee sowie für die Betreuung in der Werkstatt.