Pro Portion I - Mahlen, Schütten, Streuen

Im ersten Teil der Aufgabe habe ich mich mit der Nutzung verschiedener Gewürzsteruer, Dosierung und Geschmacksprofilen auseinandergesetzt. Zu Beginn des Projekts habe ich verschiedene Geschmäcker und Gewürze ausgewählt, darunter unter anderem Zimt, Sternanis, Salz und Pfeffer. Parallel dazu habe ich mich mit deren Wirkung, Assoziationen und Eigenschaften beschäftigt und geschaut, wie sich diese in eine visuelle und gestalterische Sprache übersetzen lassen. Relativ früh entschied ich mich für Salz als zentrales Element, da es sowohl alltäglich als auch symbolisch stark aufgeladen ist und für mich ein wichtiger Bestandteil der Küche ist.

Ausgehend von der Idee eines Sets wollte ich ursprünglich ein Salz- und Pfefferstreuer erstellen. Ich habe mich jedoch später bewusst gegen diese klassische Kombination entschieden. Stattdessen ersetzte ich Pfeffer durch Zucker, da ich es inhaltlich spannend fand, zwei sich optisch sehr ähnliche, aber in ihrer Wirkung sehr unterschiedliche Stoffe gegenüberzustellen. Salz und Zucker teilen sich viele visuelle Eigenschaften, stehen jedoch geschmacklich im Gegensatz, was für mich eine interessante Herausforderung darstellte.

"Kristalline" - Salz und Zucker

Die Grundidee der ersten Objekte basiert auf der Kristallstruktur der jeweiligen chemischen Stoffe. Dabei sollte Salz etwas spitzer sein und Zucker etwas abgerundeter, um den Geschmack zu spiegeln. Beim Salz dienten unterschiedliche kristalline Grundformen als Inspiration, die ich zunächst in Skizzen herausgearbeitet habe. Am Ende habe ich mich dann für einen Epsomsalzkristall entscheiden. Nach dem Druck habe ich die kleinen Makel, die im Druck entstanden sind abgeschleift.

Beim Zucker begann der gestalterische Ansatz zunächst auf der Ebene der Molekülstrukturen, wurde jedoch später von mir, aus Gründen der besseren Erkennbarkeit, auf die allseits bekannte Form des Zuckerwürfels reduziert. Die übliche Würfelform habe ich dann vertikal verlängert, um besser zur Grundform des Salzstreuers zu passen. Beide Streuer sollten nicht nur als Einzelobjekte funktionieren, sondern als zusammengehöriges Set und modulares System erkennbar sein. Dafür habe ich an zwei Seiten des Zuckerstreuers die Kanten des Salzstreuers ausgeschnitten, sodass sich beide Objekte von zwei Seiten ineinanderschieben lassen. Das Ziel war es, ein spielerisches Element am Essenstisch zu erzeugen.

Während der Umsetzung zeigte sich jedoch ein Problem im Prozess. Der Salzstreuer konnte in der ursprünglich geplanten Form nicht gedruckt werden, da die Kanten zu dünn waren und nicht stabil genug gedruckt werden konnten. Ich habe daraufhin die problematische Kante verstärk, wodurch sich die Geometrie veränderte. Jedoch war der Zuckerstreuer zu der Zeit schon fertig und konnte durch Zeitprobleme nicht erneut gedruckt werden. Dadurch funktionierte das modulare Set-Prinzip nicht mehr vollständig. Eine Seite lässt sich weiterhin korrekt zusammenschieben, während die zweite Seite nicht mehr perfekt passgenau ist.

Als potentiell nächster Schritt ist geplant, die Anschnitte und Verbindungen neu zu setzen und an die dickere Kante des Salzstreuers anzupassen. Darüber hinaus besteht die Idee, das modulare System in Zukunft zu erweitern, beispielsweise durch einen Pfefferstreuer, der formal runder gestaltet ist und sich dennoch an die Form des Salzstreuers anschieben lassen kann.

Pro Portion II - drücken, quetschen, biegen

Im zweiten Teil der Aufgabe ging es um die Handlungen Drücken, Quetschen, Biegen und untersucht, wie sich diese Bewegungsabläufe in ein funktionales Gefäß übersetzen lassen. Mein Fokus lag dabei auf der Interaktion zwischen Hand und Objekt. Mich interessierte insbesondere, wie stark Form und Oberfläche das Nutzungsverhalten beeinflussen können und wie sich ein Objekt so gestalten lässt, dass es intuitiv zum Drücken, beziehungsweise Quetschen einlädt.

Zu Beginn habe ich unterschiedliche Formen und Materialien untersucht, die mit Druck reagieren oder sich durch Verformung verändern. Jedoch hat sich relativ schnell die Idee einer Quetschform mit vielen Spitzen, wie bei einem Anti-Stressball oder einem Akupressurball, entwickelt. Diese Spitzen wecken zumindest bei mir ein Bedürfnis, das Objekt zu drücken.

Ideen.jpg

"Minesweeper" - Quetschgefäß für Flüssigkeiten

Die Gestaltung orientiert sich an der Idee eines Stress- oder Akkupressurballs, bei dem wiederholtes Drücken eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem haben kann. Das Objekt soll das Quetschen aktiv nahelegen und dadurch entspannende Elemente in die Nutzung integrieren. Das Drücken und Quetschen wird zudem zu einer bewussten Handlung, die sowohl funktional als auch spielerisch ist und die Beziehung zwischen NutzerIn, Objekt und Inhalt in den Vordergrund rückt. Die radiale Anordnung der Spitzen erinnert formal an eine Sonne, die sich am Äquator des Objektes entlangzieht, während der restliche Körper glatt und ruhig gestaltet ist. Diese ruhigen Flächen stehen visuell für Entspannung und Ausgleich. Die Grundform ist rund und leicht oval, um eine angenehme Handhabung zu erzeugen.

Die erste Version der Form wurde organisch gesculptet, wobei die Spitzen geneigt, unterschiedlich lang und nicht systematisch angeordnet waren. Dabei zeigte sich aber ein funktionales Problem im Ablauf der Flüssigkeit, da die geneigten Spitzen den Fluss negativ beeinflussten (hihi). Im nächsten Schritt habe ich die Form stärker strukturiert und systematisiert, sodass alle Spitzen die gleiche Länge, Breite und Geometrie haben. Anschließend habe ich mit Länge, Position und Anordnung der Spitzen herumgespielt und eine optisch ausgeglichene Version herausgearbeitet, welche dennoch funktioniert.

Ob das schon ausgereicht hat, konnte ich bisher nicht erfahrbar machen, da mir aktuell kein physisches Objekt zur weiteren Bearbeitung vorliegt.

Fertiges Objekt:

Fazit

Ich habe gelernt, dass mehr Testdrucke notwendig sind, auch wenn dies im zeitlichen Rahmen eines Kurses organisatorisch herausfordernd ist. Zudem wurde mir deutlich, wie wichtig es ist, Modelle nicht ausschließlich in Blender zu überprüfen, sondern sie zusätzlich in anderen Programmen zu kontrollieren. In Blender wirkte die Kante des Salzstreuers stabil und ausreichend dimensioniert, während sie sich in der realen Umsetzung als zu dünn erwies. 

Jedoch hat mir der gesamte Prozess sehr viel Spaß gemacht. Mir fällt es im Nachhinein auch um einiges leichter schnell auf verschiedene Design-Ideen zu kommen.