die Idee
Ich wollte gern ein lokales Restaurant bewerben. Dabei ist mein Augenmerk diret auf das „Tobi or not to be“ gefallen, denn ein bekannter von mir ist dort Koch und von ihm wusste ich, dass der Inhaber (Tobias Felger) verrückt genug ist, meinem Vorhaben zuzustimmen.
das Konzept
Ich wollte ein kurzes Video im Hochformat drehen, welches dann auf Instagram veröffentlicht werden sollte. Dabei sollte es wie ein ADHS-Video (viel los, schnelle Szenenwechsel, kurzweilig) wirken und generell eine absurde Atmosphäre schaffen. Dabei sollte das hervorragende Essen (Falstaff-rating 87% oder so) nicht in den Hintergrund rutschen, sondern eher die Erfahrung, die ein Besuch in Tobis Restaurant mit sich bringt.
das Storyboard
Damit ich anderen Menschen in meinem Kurs - und auch dem betreuenden Professor Hartmann - diese Idee verdeutlichen konnte, habe ich ein Storyboard erstellt, in dem ich einige zentrale Einstellungen, die ich in meinem Video haben wollte, aufgezeichnet habe. Das waren leider nicht alle, die nachher auch im Video gelandet sind, denn an den Drehtagen selbst habe ich noch einige Ideen bekommen, die ich dann auch umgesetzt habe. Gerade bei Videos, denen eine konkrete Story fehlt, ist es gut, am Set noch ein paar zusätzliche Einstellungen zu filmen, wenn man den Flow des eigenen Teams verinnerlicht hat und in diesem Falle auch den Flow des Restaurant-Teams.
die Planung der Drehtage
Für die Planung und Vorbereitung der Drehtage müssen dann meist einige Dinge gleichzeitig laufen. Im besten Fall hat man dafür mehrere Menschen im Projekt, unter denen man diese Aufgaben verteilen kann, aber in meinem Fall war das nur ich und dessalb etwas stressig.
Absprache und Testfotos
Ich bin zunächst in das „Tobi or not to be“ gegangen und habe mit Tobi gesprochen, ob er einverstanden ist, sein Restaurant für dieses Projekt zur Verfügung zu stellen. Er war direkt dabei und wir haben über ein leckeres Essen die Details besprochen. Dabei hat mir das Storyboard wieder ein bisschen geholfen, Tobi die Szenen zu erklären, aber auch ein paar Inspo-Videos, damit er den absurden ADHS-Vibe verinnerlichen kann.
Bei diesem Treffen habe ich auch direkt ein paar Testfotos gemacht, um meinem Kurs die Location nahezubringen.
Zeitplan festlegen
Auch mit Tobi musste ich meine Drehtage besprechen. ich habe verlangt, dass das Restaurant für zwei Tage geschlossen bleibt, damit ich an diesen Tagen ungestört dort filmen kann. Gäste hätten meinen Workflow nur aufgehalten und ich war froh, dass Tobi auch im Vorweihnachtsgeschäft meiner Forderung entsprechen konnte, auch wenn das für Ihn zwei Tage Minusgeschäft bedeutet hat.
Ich habe dann den 22.12.2025 und den 28.12.2025 als Drehtage festgelegt. Das war ungünstig, wegen der Lage so knapp um Weihnachten, aber ich wollte nicht nur einen Puffer von einer Woche haben, sondern auch genug Zeit für die Postproduktion einplanen, da ich in diesem Projekt größtenteils allein arbeitete.
Menschen akquirieren
Ich hatte Hilfe. Damit ich am Set nicht allein mit der Restaurant-Crew und meiner Kamera stehe, habe ich mir Hilfe gesucht. am 22.12.2025 hatte ich Hilfe von Nadja Rehm an der Kamera und Sebastian Dietrich am Licht und als Runner. Am 28.12.2025 hat dann Sebastian Dietrich die Kamera und das Licht übernommen. So konnte ich mich ein bisschen mehr auf das Dirigieren der Menschen vor der Kamera konzentrieren. Ohne diese Hilfe wäre das Projekt nicht so glatt verlaufen.
Ein leeres Restaurant sieht nicht sehr verlockend aus. Deshalb habe ich mir für den 22.12. 10 Statist*innen eingeladen, die ich aus meinem Freundeskreis und mithilfe eines Instagram-Aufrufes zusammentrommeln konnte. Drei davon hatte Tobi eingeladen und eine kam dann noch zufällig im Restaurant vorbei, wurde von Tobi kurz über das Geschehen informiert und war dann dabei. Alle Menschen, die als Statist*innen in dem Video zu sehen waren, haben von mir vorab ein Infoblatt bekommen, was sie über alle wichtigen Dinge Informierte.
Shotlist erstellen
Um am Set dann nicht komplett den Überblick zu verlieren, habe ich mir eine Shotlist geschrieben. Da stand drauf:
- welche Szenen an welchem Taggedreht werden müssen
- welche Darsteller*innen ich brauche
- welche Gerichte ich wann für welche Szenen brauche
- welche Anforderungen ich an die Gerichte hatte
- was die Kamera machen muss
und nicht zuletzt
- welches Equipment ich brauche
das Equipment
Ich habe wieder mit dem 12er Laowa Objektiv gearbeitet, um mit dem weiten Bildausschnitt den chaotischen Vibe des Videos zu unterstützen. Auch wollte ich mit der Verzerrung des Blidrandes spielen, welche das Laowa aufweist.
Ich war auf ein reduziertes Set-up angewiesen, da ich alles ohne Auto transportieren musste.
hier meine Komplette Equipmentliste:
AUSLEIHEN:
12er Laowa + adapter auf Sony E-mount
amaran licht panel x 2
SD-Karte schnell schreibend
1-2 extra akkus für Kamera+ ladegerät
mikro mit blitzschuh- aufsatz
ext. monitor + akkus
smallrig cage + magic arm für monitor + Top handle
MITBRINGEN:
Aperture MT-Pro Lichtröhre
Kamera (Sony A7 IV) + akku + ladekabel
reflektor
Stativ x 2
Klappe + kreidestift
shotlist
SD-Karte
die Drehtage
Ich hatte einen Drehtag mit den Statist*innen und einen Drehtag nur in der Küche. An den Tagen habe ich je ab 15:00 Uhr und bis ca 21:30 UHR gefilmT: Also durchschnittlich 6,5h. Vor Ort wurden alle gut versorgt, denn die Küche hat permanent gekocht und die Statist*innen und mein Team gut verköstigt. Trotzdem war es eine Herausforderung so viele Menschen vor und hinter der Kamera zu koordinieren. Dazu gehörten je Einstellung:
- Briefing für nächsten shot (licht/ Kamera/ Kamerabewegung/...)
- Statist*innen (wohin/ was tun/ wer...)
- Küche (wan nächster shot/ wann dafür Gericht fertig/ welches Gericht als nächstes/...)
- pausen am set einhalten
Am Ende der Drehtage habe wir dann immer zusammen fett gegessen und nach dem zweitem Drehtag auch noch bisschen Schabernack getrieben und noch ein kleines Fotoshooting drangehängt.
die Postproduktion
Ich habe mit meinem Standard-Schnittprogramm Davinchi Resolve gearbeitet. Dabei fiel mir allerdings auf den Fuß, dass der XAVC-S Codec (bei Sony wenn man mit 4k und 10 bit filmt) von der kostenfreien Version von Davinci Resolve nicht unterstützt wird. Deshalb habe ich im Timelab mit der Studioversion geschnitten und nicht wie geplant zu Hause.
Dafür muss natürlich erstmal alles gesichtet werden und eine ordentliche Ordnerstruktur her. Dann schnitt oich alle zu, die brauchbaren Momente werden extrahiert und alle Klappen und „Cut“s werden weggeschnitten.
Ich habe dann sehr viele Versionen des Videos zusammengeschnitten. Hier war die Herausforderung, dass ich ein Kurzformat-Video erstellen wollte, ich mich also so kurz wie irgend möglich halten.
Ich habe auf den Song „Drunk Wario“ von Julius Beil geschnitten, der ihn mir zur Verfügung stellte, ohne dass ich dann dafür eine Lizenz brauchte. DANKE.
Das Colorgrade habe ich an Sebastian Dietrich abgegeben. Dem habe ich grobe Anweisungen gegeben, und habe ihm gesagt er solle alles grob an die erste Szene im Video anpassen. Sebastian hat dann mit vielen Masken und Nodes die Shots angeglichen und insgesamt etwas heller gemacht, bis ich damit zufrieden war.
das Fazit
Ich bin sehr zufrieden mit dem Outcome. Durch meine tollen Helfenden Hände (Sebastian, Nadja und alle meine Statist*innen) habe ich den Workload nicht allein stemmen müssen, denn ein Videoprojekt allein zu verwirklichen ist nie eine gute Idee. Gerade im Schnitt ist mir das aufgefallen, da ich dort viele Entscheidungen sehr schnell treffen musste, was mir generell eher schwer fällt. Ich war aber positiv von meiner Planungs- und Koordinationskompetenz überrascht, die bei diesem Projekt essenziell war, um alle ins Boot zu Holen und von Ihren Aufgaben zu unterrichten ;).
das Making-Of
Weil ich am Tag der Großprojektpräsentation schon im nächsten Videoprojekt festhing, habe ich ein Video gedreht, in welchem ich meinen Schaffensprozess noch einmal aufbreche und erkläre. Für alle, die diese Doku gründlich gelesen haben, ist dieses Making-Of Video jetzt redundant, aber hier ist es trotzdem verlinkt
das Video
hier gibt es jetzt das ganze Video zu sehen