Erste Skizzen

Zu Beginn verfolgte ich zwei konkrete Ideen: einen ausklappbaren Stehtisch sowie einen Rucksack mit integriertem Zeichenbrett und Fächern für Kreativmaterialien. Für beide Konzepte fertigte ich erste Skizzen und kleine Mock-ups an, um ihre Umsetzbarkeit zu untersuchen und verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten zu erproben.

Erste Mini-Mockups

Nach weiterem Ausprobieren und hilfreichen Diskussionen entschied ich mich schließlich dafür, die Idee eines kleinen Rucksacks weiterzuentwickeln. Um das Konzept zu konkretisieren, baute ich zunächst ein Modell im Maßstab 1:1 aus herkömmlicher Pappe. Zusätzlich recherchierte ich Kinder-Rucksäcke und analysierte meine eigenen Rucksäcke, um herauszufinden, welche Komponenten nötig sind.

Rucksack-Recherche und erstes 1:1 Modell

Durch das erste Modell im Maßstab 1:1 entstand die Idee, statt eines Kreativ-Rucksacks mit Zeichenbrett ein aufklappbares, tragbares Kuriositätenkabinett für Kinder zu schaffen. Inspiriert wurde ich dabei von einem Spaziergang mit einer Freundin und ihrer kleinen Tochter. Das Kind brachte immer wieder Stöcke, Steine und andere Fundstücke mit, die unbedingt aufgehoben und transportiert werden mussten. Wäre es nicht praktisch und witzig, einen Rucksack zu entwickeln, der genau für solche gesammelten Schätze gedacht ist?

Anschließend baute ich zu Hause ein weiteres Modell im Maßstab 1:1 aus der 16 mm starken Pappe. Mithilfe einer kleinen Handkreissäge schnitt ich die einzelnen Teile zu und konnte so die Proportionen und Maße des Entwurfs weiter ausarbeiten.

Arbeiten in Holzwerkstatt und Buchbindewerkstatt

Mit diesen weitgehend festgelegten Maßen ging ich anschließend in die Holzwerkstatt. Dort fertigte ich die einzelnen Bauteile mithilfe der großen Kreissäge, einer Schleifmaschine, einer Bohrmaschine und eines Multitools nacheinander an. Erfreulicherweise passten die meisten Teile bereits beim ersten Versuch ziemlich gut zusammen.

Die weitere Verarbeitung erfolgte in der Buchbindewerkstatt. Die Seitenteile verband ich mit Buchbindetextil, sodass sie aufklappbar sind. Auch der Deckel besteht aus mehreren, durch Textil verbundenen Elementen. Dadurch lässt er sich öffnen und kann im geschlossenen Zustand die Form des Korpus annehmen.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, die richtige Reihenfolge für das Verbinden der einzelnen Bauteile festzulegen. Zusätzlich fertigte ich Tragriemen und Polster an, die ebenfalls in die Konstruktion integriert werden mussten.

Die Planung der Plane erwies sich auch als anspruchsvoll. Dafür bastelte ich zunächst ein Mock-up aus Papier und anschließend ein weiteres aus einem Stoffrest. Erst, als es aussah, dass die Maße und die Form so funktionieren würden, wie ich es mir vorgestellt hatte, nähte ich die finale Plane. Letztlich zeigt sich erst am fertigen Objekt, ob die geplanten Lösungen tatsächlich so funktionieren, wie man sie sich vorgestellt hat.

CuriosityPack

Nach knapp einer Woche Arbeit konnte ich den aufklappbaren Rucksack präsentieren. Er besteht aus einem Boden und einer Rückwand, die starr im rechten Winkel miteinander verbunden sind. Der Deckel lässt sich aufklappen und vollständig nach hinten öffnen. Die beiden Seitenteile lassen sich aufklappen, wenn der Kordelstopper gelöst wird und die Plane, die den Boden mit den Seitenteilen verbindet, ausgebreitet wird.

Einmal aufgeklappt und ausgebreitet, kommen die wahren Schätze zum Vorschein: In die Rückwand ist ein mit Textil und Pappe ausgekleidetes Fach für ein kleines Heft integriert. Daran befestigt befindet sich ein Stück Pappe mit Löchern, in denen Stifte oder gesammelte Stöcke aufbewahrt werden können. Die beiden ausgeklappten Seitenteile zeigen unterschiedlich große Fächer, die Platz für verschiedene Fundstücke bieten.

Das Herzstück des Rucksacks befindet sich im Boden: Drei übereinanderliegende Pappschichten lassen sich auffächern und geben dabei weitere kleine Stauräume frei. So entsteht ein vielseitiges System zum Sammeln, Ordnen und Präsentieren kleiner Schätze.

Die ausgeschnittenen Flächen der Stauräume im Inneren des Korpus habe ich mit dünn zugeschnittener Pappe und Buchbindetextil ausgekleidet. Dadurch wirken die Schnittkanten sauberer und sind gleichzeitig besser vor Abnutzung geschützt. Die bunten Textilien tragen eine gewisse Verspieltheit zur Gestaltung des Kinderrucksacks bei.

Die Außenkanten der Seitenteile habe ich jedoch bewusst unverkleidet gelassen, um die charakteristische Wabenstruktur der Pappe sichtbar zu machen. Durch die Bearbeitung der Gehrungen mit der Schleifmaschine entstand zusätzlich eine besondere Oberflächenstruktur.

Auf der Außenseite verfügt der Rucksack über Polster sowie verstellbare Tragriemen. Diese habe ich zu Hause an der Nähmaschine gefertigt und mit Buchbinderleim am Korpus befestigt.

Besonders an diesem Projekt ist, dass die allermeisten Komponenten aus Resten oder wiederverwendeten Materialien bestehen. Die schwarzen Gurte, Blitzverschlüsse und der Kordelstopper stammen von meinem ersten Wanderrucksack. Die bunten elastischen Bänder habe ich aufgehoben, nachdem sie Teil der Verpackung eines Paars Wandersocken waren. Die Stoffplane besteht aus einem Reststück eines früheren Projekts, und die Textilien für die Innenauskleidung stammen aus der Restekiste der Buchbindewerkstatt. Selbst die Kordel ist ein altes Schuhband. Und natürlich besteht der Rucksack selbst hauptsächlich aus der 16 mm dicken Pappe, die ursprünglich für die Leipziger Buchmesse verwendet wurde. So ist aus vielen vorhandenen Materialien etwas völlig Neues entstanden.

Genau deshalb hat mich dieses Kurzprojekt besonders angesprochen. Ich mag die Herausforderung, aus bestehenden Dingen etwas Neues zu entwickeln. Gleichzeitig halte ich es für wichtig, den kreativen Umgang mit vorhandenen Materialien zu üben und weiterzuentwickeln. Dadurch lernt man, um viele Ecken zu denken, unerwartete Lösungen zu finden und ressourcenschonend zu gestalten.

An dieser Stelle möchte ich ganz besonderen Dank an Anke Hanusch aus der Buchbindewerkstatt aussprechen. Ohne ihre Unterstützung hätte ich es nicht geschafft, diesen Rucksack so sauber, schön und funktional herzustellen – two heads are better than one! Herzlichen Dank auch an Esther Hoyer aus der Fotografischen Werkstatt und Michael Beckmann aus der Holzwerkstatt. Und natürlich an Prof. Uwe Gellert, der mein Unterfangen mit kritischen Fragen und viel Erfahrung unterstützt hat.