Im Rahmen des Kurzprojekts stand die experimentelle Auseinandersetzung mit selbst hergestellter Algentinte im Mittelpunkt. Ziel war es, das Material nicht nur als Zeichenmedium zu nutzen, sondern dessen Eigenschaften, Reaktionen und gestalterisches Potenzial durch gezielte Eingriffe und Mischungen zu erforschen. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe für Biochemie und Algentechnologie wurden verschiedene Algentintenproben bereitgestellt, die im künstlerischen Prozess weiter untersucht und verändert wurden. Parallel dazu wurde der zeichnerische Prozess bewusst offen und experimentell gehalten. Ausgehend von intuitiven Versuchen entwickelte sich eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Material, die sowohl gegenständliche als auch abstrakte Ergebnisse hervorbrachte.

Prozess

Zu Beginn des Projekts lag der Fokus zunächst darauf, wieder in den zeichnerischen Prozess hineinzufinden. In diesem Zusammenhang wurde eine neue Technik eingeführt, bei der wir  ein A2-Blatt in vier A4-Flächen gefaltet haben. Diese einzelnen Flächen werden zunächst unabhängig voneinander bearbeitet und im weiteren Verlauf zu einer zusammenhängenden Gesamtkomposition verbunden. Diese Arbeitsweise habe ich nicht nur für den Einstieg genutzt, sondern konsequent in allen drei entstandenen Arbeiten angewendet.

Erstmal lag der Schwerpunkt auf Perspektive und architektonischen Elementen, Bereiche, die nicht meine Stärke sind. Gerade deshalb erwies sich die Herangehensweise als hilfreich, um mich mit diesen zeichnerischen Herausforderungen auseinanderzusetzen. Die Arbeit begann ich mit Bleistift und arbeitete anschließend mit blauem Buntstift weiter aus.

Im Verlauf des Prozesses entwickelte sich die Zeichnung zunehmend freier. Ausgehend von den anfänglichen Strukturen begann ich, zusätzliche Gegenstände und Wesen zu integrieren. Die Arbeit entfernte sich damit von einer rein konstruktiven Herangehensweise hin zu einem offeneren, intuitiven Bildfindungsprozess. Rückblickend betrachte ich diese erste Arbeit als eine Art Übungsstück, da sie ohne festgelegte inhaltliche Richtung entstanden ist und vor allem dem Ausprobieren diente.

Im weiteren Verlauf kam erstmals die Algentinte zum Einsatz. Diese wurde in reiner Form verwendet, vor allem als lasierende Schicht sowie für ornamentale Strukturen im Hintergrund. Dadurch entstand eine zusätzliche Bildebene, die sich von der zeichnerischen Linie abhebt und erste Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Material ermöglichte.

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Beim zweiten Bild lag mein Fokus deutlich stärker auf der Algentinte und ihrem Materialverhalten. Ich wollte herausfinden, wie sie sich in Kombination mit anderen natürlichen Farbstoffen verhält. Besonders die Rote Beete hat mich dabei interessiert, da ich ihren intensiven, sehr kräftigen Rottton als besonders spannend empfand.

Ich habe intuitiv und abstrakt gearbeitet und habe Rote Beete und Algentinte auf dem Papier gemischt. Die Rote Beete-Farbe war dabei deutlich kräftiger als die Algentinte und hat das Bild teilweise stark dominiert. Gleichzeitig habe ich mit dem Fließverhalten beider Substanzen experimentiert und diese in die Bildgestaltung integriert.

Mir ist aufgefallen, dass sich die Rote Beete im Verlauf verändert: Wenn sie etwas steht, wird sie dickflüssiger und trocknet auf dem Papier mit einer leicht glänzenden, fast reliefartigen Oberfläche auf.

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Dieses Bild hat insgesamt am längsten gedauert und sich für mich auch nie vollständig abgeschlossen angefühlt. Gleichzeitig passte genau dieser offene Zustand gut zu meinem Arbeitsprozess.

Als dritte Arbeit habe ich mich erneut an die Perspektive rangetraut. Dafür habe ich das A2-Blatt diesmal in acht Teile unterteilt und verschiedene Stationen aus meiner Wohnung gezeichnet, die mir im Alltag immer wieder begegnen. Dadurch entstand eine Art fragmentierte Raumdarstellung, die sich aus mehreren Blickwinkeln zusammensetzt.

Auch hier habe ich wieder mit Roter Beete und Algentinte gearbeitet und auf dem Papier miteinander gemischt.

Ergebnisse

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Algentinte nur eine geringe Deckkraft besitzt und daher eher für Laisierungen geeignet ist. Für mich hat sich im Prozess gezeigt, dass ich die Algentinte nicht isoliert verwenden würde, sondern nur in Kombination mit anderen Farbstoffen, da dadurch deutlich mehr gestalterische Möglichkeiten entstehen und auch einfach mehr Deckkraft möglich ist. Zum Verhalten der Farbe über einen längeren Zeitraum kann ich noch keine Aussage treffen.