In diesem Kurzprojekt wurde mit dem Medium Zeichnung und speziell hergestellter Algentinte experimentiert, die von der Arbeitsgruppe für Biochemie und Algentechnologie bereitgestellt wurde. Die Tinte wurde getestet, mit verschiedenen Substanzen versetzt und hinsichtlich ihrer Eigenschaften wie Fließverhalten, Farbwirkung und Fluoreszenz untersucht und dokumentiert. Der inhaltliche Fokus lag auf künstlerischer Materialforschung. Neben Algentinte wurden auch andere biobasierte Farbquellen wie beispielsweise Rote-Bete-Saft eingesetzt. Es wurde mit unterschiedlichen Papieren gearbeitet, wobei sowohl gegenständliche als auch abstrakte Ansätze verfolgt und experimentelle sowie collagierende Techniken erprobt wurden. Ziel des Projekts war es, sich intensiv mit den Materialien und ihren Mischmöglichkeiten auseinanderzusetzen, verschiedene zeichnerische Techniken auszuprobieren und ein materialforschendes Arbeiten zu entwickeln. Der Arbeitsprozess begann frei und intuitiv und führte zur Entwicklung eines persönlichen Themas, das weiter vertieft wurde. Die entstandenen Arbeiten wurden abschließend in einer Ausstellung präsentiert.
1. Prozess
Zu Beginn der Übung haben wir frei mit verschiedenen Zeichenmaterialien wie Finelinern und Markern gearbeitet, um zunächst einen lockeren Zugang zum Zeichnen zu finden. Es wurde ein A2-Blatt gefaltet, sodass mehrere A4-Flächen entstanden. Diese sollten zunächst jeweils einzeln gestaltet und im weiteren Verlauf gestalterisch miteinander verbunden werden.
Diese Vorgehensweise diente insbesondere dazu, ein besseres Gefühl für die Einteilung der Bildfläche zu entwickeln, den bewussten Einsatz von Weißraum zu erproben sowie ein Verständnis für Komposition und Kontraste zwischen hellen und dunklen Bereichen zu gewinnen.
Als inhaltliche Inspiration für mein Bild dienten vor allem Motive aus der Architektur, Eindrücke vom Campus sowie Darstellungen von Tieren und Menschen.
Im Anschluss erhielten wir Algentinte, wobei uns lediglich eine begrenzte Menge von 500 ml zur Verfügung stand. Zudem wies die Tinte eine vergleichsweise geringe Deckkraft auf. Um dieses Problem zu lösen, experimentierten wir mit verschiedenen Lebensmittelsäften und -zusätzen, um die Farbintensität zu erhöhen.
Hierfür fertigte ich ein Experimentierblatt an, auf dem ich unterschiedliche Mischungen mit der Algentinte dokumentierte. Dabei kombinierte ich die Tinte unter anderem mit Rote-Bete-Saft, Kurkuma-Pulver, Kohlestaub, Kaffee sowie Spinat-Saft. Zusätzlich testete ich eine Mischung aus Rote-Bete-Saft und Kurkuma, um weitere Farbvariationen zu untersuchen. Für die praktische Umsetzung arbeitete ich mit verschiedenen Werkzeugen wie Feder, Pinsel und Fineliner auf Aquarellpapier.
Die Ergebnisse, einschließlich auftretender Probleme und gewonnener Erkenntnisse, sind in der zugehörigen PDF-Datei näher beschrieben. Die jeweiligen Mischverhältnisse sind auf der Zeichnung zu sehen.
2. Umsetzung
Nach der Experimentierphase entschied ich mich für mein drittes Blatt für zwei spezifische Mischungen: die Kombination aus Algentinte und Rote-Bete-Saft sowie die Mischung aus Algentinte und Kohlestaub (Mischungsverhältnisse wie auf Experimentierblatt). Ausschlaggebend für diese Wahl war, dass beide Varianten für mich die ästhetisch ansprechendsten und zugleich deckkräftigsten Farbergebnisse lieferten.
Der Arbeitsprozess begann mit einer Vorzeichnung mittels Fineliner. Anschließend überarbeitete ich die Zeichnung mit der Algentinte sowie den ausgewählten Mischungen. Nachdem die Farbschichten vollständig getrocknet waren, griff ich erneut zum Fineliner, um Linien zu präzisieren, zu verstärken und gezielt Schatten zu setzen.
Ein Problem ergab sich daraus, dass ich dieses Mal kein Aquarellpapier verwendete: Das Blatt wellte sich durch die Feuchtigkeit der Tinte deutlich. Gleichzeitig empfand ich jedoch das Zeichnen mit Finelinern auf diesem Papier als angenehmer.
Inhaltlich ist die Zeichnung stark von wasserbezogenen Motiven geprägt, (darunter Meer (Schiff, Urlaub, Cocktails), Schwimmbadelemente (Rutschen, Sprungbretter), etc.). Entsprechend verfolgte ich die Absicht, primär mit Blautönen zu arbeiten und die reine Algentinte als Grundlage beizubehalten. Die zuvor entwickelten Mischungen kamen gezielt zum Einsatz, um Kontraste zu erzeugen und Schattenwirkungen zu verstärken.
Details:
3. Fazit
Rückblickend erwies es sich als hilfreich, zunächst „Trockenübungen“ mit dem Fineliner durchzuführen, um einen Einstieg in den Zeichenprozess zu finden. Besonders positiv war zudem die Möglichkeit, über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich zu zeichnen und sich intensiv mit einem künstlerischen Projekt auseinanderzusetzen.
Aus den praktischen Versuchen und Experimenten ließ sich ableiten, dass sich Algentinte nur eingeschränkt als klassische Tusche oder Zeicheninte eignet, da sie vergleichsweise wässrig ist, eine geringe Deckkraft aufweist und insgesamt eher blass wirkt. Als Lasur beziehungsweise im Sinne einer aquarellartigen Anwendung erscheint sie hingegen geeigneter, da sie auf größeren Flächen eine intensivere Farbwirkung entfalten kann.
Unter den getesteten Mischungen erwiesen sich insbesondere die Kombinationen mit Kohlenstaub und Rote-Bete-Saft als überzeugend. Beide ermöglichen dunklere Farbtöne, ohne den charakteristischen Blauton der Algentinte vollständig zu überdecken – im Gegensatz zu anderen Zusätzen wie Kurkuma, Spinat oder Kaffee. Dennoch traten auch hier praktische Schwierigkeiten auf: Kohlenstaub neigt zum Verschmieren und kann Flecken verursachen, während Rote-Bete-Mischungen bei großflächigem Auftrag eine klebrige Oberfläche hinterlassen, was das anschließende Arbeiten mit Finelinern oder anderen Zeichenwerkzeugen erschwert.
Trotz einiger Schwierigkeiten hat mir der Kurs sehr gefallen, vor allem die lockere und flexible Arbeitsweise, sowie die künstlerische Herangehensweise/Sichtweise/Austausch unter den Studis.
Vielen Dank an Katrin :)
4. Ideen für WiSe26
Im weiteren Verlauf des Projekts könnte man verschiedene Techniken wie Sprüh- und Druckverfahren mit der Algentinte ausprobieren, um neue gestalterische Möglichkeiten zu entdecken. Dabei wäre es auch spannend, nicht nur auf Papier zu arbeiten, sondern Materialien wie Textilien, Pappe oder Holz mit einzubeziehen.
Darauf aufbauend könnte eine Installation entstehen, die mit der Algentinte gestaltet ist. Durch den Einsatz von Schwarzlicht würde sich die Wirkung noch einmal verändern, da die Tinte unter UV-Licht eine neue, intensivere Farbigkeit (pink) zeigt.