Fragestellung
Hat sich die Design Week von einer Plattform für experimentelles Design zu einem kommerzialisierten Spektakel entwickelt – und wenn ja, wie positionieren sich subkulturelle Akteure innerhalb oder gegen diese Entwicklung?
Mission Statement
Diese Arbeit untersucht, wo und wie die Design Week in Mailand auf Kritik, Widerstand und politische Praxis trifft. Im Zentrum steht die Frage, ob das Event für die lokale Bevölkerung als kulturelles Highlight oder viel mehr als Belastung wahrgenommen wird.
Inspiration
In Mailand finden jedes Jahr zahlreiche global anerkannte und stark besuchte Messen statt, teilweise mit bis zu 800.000 Besucher:innen. In diesem Jahr wurden zudem die Olympischen Spiele ausgetragen. Diese Großereignisse bescheren dem Land und der Stadt erhebliche Einnahmen, bringen aber auch Gentrifizierung und steigende Lebenshaltungskosten mit sich. Gegen die Olympischen Spiele gab es aus genau diesen Gründen große Demonstrationen. Daher frage ich mich, wie sich die Situation wohl im Kontext der Design Week darstellt.
Beobachtungen
Mir sind an verschiedenen Ecken der Stadt groteske Gegensätze aufgefallen, von Armuts-Ästhetik in Luxus-Showrooms, bis hin zu exzessiver Produktinszenierung zwischen Nahbarkeit und Exklusivität. Das alles im Rahmen der Kommerzialisierung der Design Week durch globale Großkonzerne, wie McDonalds und Chiquita.
Tatsächlichem Gegenprotest bin ich an der staatlichen Universität Mailand begegnet. Auch dort stellten Großkonzerne, eingeladen von der Stadt, aus. Thematisch gab es keinen Bezug zu den Forschungsschwerpunkten der gesellschaftswissenschaftlichen Universität. Der Fokus des Protestes lag auf der zentralen Installation: Beton und Stahlträger, geformt zu einem geöffneten Ring - oder wie es die Studierenden sagen würden „they put a lot of trash in the center of our campus“. Gesponsert wurde diese Installation von Holcim, einem der weltweit führenden Betonhersteller, welcher laut Protestgruppe „an mehreren städtischen Transformationen beteiligt war, die die Stadt ausgeplündert haben.“ Als Weckruf wurde neben der Beton-Installation eine Fotoserie ausgestellt. Sie zeigt Zwangsräumungen mittels Polizeigewalt, ebenso wie kaputte Häuser und verlassene Räume, wie auch die Verdrängung des städtischen Lebens aus dem Zentrum Mailands - genau dort wo die Design Week stattfindet.
Fazit
Bevor ich in Mailand ankam, hatte ich die Vorstellung einer Design Week, in der die Freude am Design und der Austausch darüber im Vordergrund stehen. Stattdessen prägte vor allem die starke Kommerzialisierung das Bild: Häufig stand die Selbstdarstellung großer Konzerne stärker im Fokus als das Design selbst. Zwar gab es durch künstlerische Interventionen auch Gegenprotest, dieser blieb jedoch marginal, da er sich hauptsächlich auf dem Universitätsgelände abspielte und kaum die breite Öffentlichkeit erreichte. Hier wurde das Spannungsverhältnis zwischen Stadt, Protest und Design sichtbar.
Es stellt sich die Frage, wem der öffentliche Raum während der Design Week gehört. Können wir Design wieder zum Impulsgeber dieses kulturellen und gesellschaftlichen Diskurses transformieren?