Relevanz

Typ-1-Diabetes ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die eine lebenslange Therapie und ein kontinuierliches Selbstmanagement erfordert. Moderne Diabetes-Technologien wie Insulinpumpen und Continuous-Glucose-Monitoring-Systeme erleichtern den Alltag, können aber zugleich körperliche, emotionale und soziale Belastungen mit sich bringen. Genau hier setzt die Arbeit an, indem sie die Rolle von Gestaltung für eine bessere Nutzendenerfahrung und somit höhere Lebensqualität für Betroffene untersucht.

Forschungsfrage und Hypothesen

Zur Bearbeitung dieser Problematik ergibt sich folgende Forschungsfrage:

Welche gestalterischen Ansätze tragen dazu bei, die Wearability von Insulinpumpen und Continuous Glucose Monitor Systemen in physischen, emotionalen und sozialen Dimensionen zu verbessern?

Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden zwei Hypothesen aufgestellt:

1. Design-Anpassungen der Diabetes-Technologie reduzieren Hemmschwellen der täglichen Nutzung für Betroffene.

2. Durch verbesserte Aufklärung der Gesellschaft werden soziale, emotional-psychische und demographisch-strukturelle Hindernisse zur Nutzung von Diabetestechnologie abgebaut.

Wearability

Wearability wird in der Arbeit als mehrdimensionale Gestaltungskategorie verstanden. Sie umfasst nicht nur die körperliche Tragbarkeit, sondern auch emotionale, soziale und strukturell-demografische Aspekte. Dadurch wird deutlich, dass medizinische Wearables nicht nur funktionieren, sondern sich auch in das Leben der Nutzenden einfügen müssen.

Theoretische Erkenntnisse

Die theoretische Auseinandersetzung zeigt, dass Diabetes-Technologie zwar Therapie und Selbstmanagement verbessert, aber zugleich neue Belastungen erzeugen kann. Besonders relevant sind dabei Stigmatisierung, körperliche Unannehmlichkeiten, psychische Belastung und Zugangsbarrieren. Daraus ergibt sich die Erkenntnis, dass Gestaltung einen wichtigen Beitrag zur Reduktion dieser Hindernisse leisten kann.

Methodik

Als iterative Entwicklungsmethode wurde der Double Diamond verwendet. Hierbei werden vier Phasen durchlaufen: Discover, Define, Develop, Deliver.

Experteninterviews

Die Experteninterviews halfen dabei, die Perspektive von Fachpersonen und Personen mit beruflichem Bezug zu Diabetes-Technologie einzubeziehen. Dabei wurden vor allem Anforderungen an Alltagstauglichkeit, technische Nutzung und Wahrnehmung der Geräte deutlich. Die Interviews lieferten wichtige Impulse für die weitere Gestaltung.

Artefaktanalyse

In der Artefaktanalyse wurden bestehende Produkte und Kommunikationsformen untersucht. Dadurch konnten Stärken, Schwächen und gestalterische Lücken bestehender Diabetes-Technologien sichtbar gemacht werden. Die Analyse bildete die Grundlage für die Entwicklung neuer Produkt- und Kampagnenansätze.

Prototyping

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse wurden mehrere Prototypen entwickelt. Dabei entstanden sowohl Formkonzepte für die Diabetes-Technologie als auch Entwürfe für eine Aufklärungskampagne. Die Prototypen wurden schrittweise weiterentwickelt und an die identifizierten Anforderungen angepasst.

Die Bilder zeigen die Prototypen, die nachfolgend im User Testing überprüft wurden.

User Testing

Die Prototypen wurden anschließend mit Nutzenden getestet. Für die Diabetes-Technologie wurde ein Trage-Test am Körper mit Befragung durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass sowohl Form als auch optische Wirkung und körperliche Anpassung eine wichtige Rolle spielen. 

Das User Testing für die Kampagnenmotive bestand aus einer online durchgeführten Umfrage, bei der die Wahrnehmung unterschiedlich getestet wurde. Dies lieferte wertvolle Rückmeldungen zur Wahrnehmung verschiedener Kommunikationsstrategien und half dabei, die finalen Konzepte zu schärfen.

Produkt

Die Diabetes-Technologie verbindet die beiden vorangegangenen Entwürfe. Ausschlaggebend war hier zum einen die ergonomische Form, die ein Hängenbleiben z.B. an Kleidung verhindert und sich durch eine Wölbung im Boden an die Körperform anpasst und zum anderen die optische Komponente, mit einer Oberflächenstruktur und Farbvariationen, die eine Individualisierung und Integration in den Alltag als Accessoire ermöglicht.

Für die Aufklärungskampagne hat sich ein provokativer Kommunikationsansatz als wirkungsvoll erwiesen. Die Kampagnenmotive bilden verschiedene Zielgruppen ab und könne auf jegliche Anwendungsgebiete im öffentlichen Raum übertragen werden.

Fazit

Die Arbeit zeigt, dass Wearability im medizinischen Kontext weit über reine Funktionalität hinausgeht. Gestaltung kann dazu beitragen, körperliche, emotionale und soziale Hürden zu reduzieren und Diabetes-Technologie alltagstauglicher zu machen. Damit leistet die Arbeit einen Beitrag zur nutzerzentrierten Weiterentwicklung von medizinischen Wearables und zur Sensibilisierung für Typ-1-Diabetes. Diese Arbeit stellt die Perspektive von Betroffenen sowie ihre Lebensqualität in den Mittelpunkt.