Konzept
Zu Beginn der Konzeptphase habe ich mich intensiv mit dem Thema „Poesie ist Kompression“ auseinandergesetzt. Dafür recherchierte ich zunächst verschiedene Ansätze, wie Kompression in Film, Literatur und Sound eingesetzt wird und wie sich Zeit, Emotionen oder ganze Geschichten auf wenige Momente verdichten lassen. Besonders interessant war für mich die Frage, wie man mit möglichst wenig Information möglichst viel Bedeutung erzeugen kann.
Im Rahmen meiner Recherche analysierte ich verschiedene Filme und sammelte Inspirationen für die visuelle und erzählerische Umsetzung. Besonders beeindruckt hat mich der Kurzfilm „La Jetée“ (1962) von Chris Marker, der seine gesamte Geschichte nahezu ausschließlich mit Standbildern erzählt. Trotz der reduzierten Bildsprache gelingt es dem Film, komplexe Themen wie Erinnerung, Zeit und Verlust emotional zu vermitteln. Dieses Prinzip der Reduktion und Verdichtung beeinflusste meine eigene Herangehensweise an das Projekt.
Anschließend begann ich damit, verschiedene Ideen und mögliche Handlungsverläufe zu entwickeln. Dabei war mir wichtig, dass die Geschichte das Thema Kompression nicht nur inhaltlich behandelt, sondern auch emotional erfahrbar macht. Schließlich entschied ich mich für die Geschichte eines Vaters, der seine gesamte Zeit der Arbeit widmet und dadurch das Aufwachsen seines Kindes verpasst. Nachdem er am Schreibtisch einschläft, erlebt er in einem Traum, wie viele Jahre vergangen sind. Als alter Mann entdeckt er Videoaufnahmen seiner Frau, die zeigen, wie ihr gemeinsames Kind ohne ihn aufgewachsen ist. Erst als er schweißgebadet in der Gegenwart aufwacht, erkennt er, dass diese Zukunft noch nicht eingetreten ist. Er entscheidet sich bewusst gegen weitere Überstunden und dafür, den Feierabend mit seiner Familie zu verbringen.
Mit dieser Geschichte möchte ich verdeutlichen, wie schnell wertvolle Lebenszeit vergehen kann und dass oft nur ein einziger Moment genügt, um die eigenen Prioritäten zu hinterfragen. Die Kompression von mehreren Jahrzehnten auf einen kurzen Traum bildet dabei das zentrale gestalterische Mittel des Films. Wichtig war mir auch ein Hoffnungsvolles Ende für den Film um zu zeigen das Veränderung immer möglich ist.
Prozess Vorbereitung
Die Planungsphase war für mich ein wichtiger Schritt, um den Dreh möglichst strukturiert und reibungslos umsetzen zu können. Zu Beginn habe ich Moodboards erstellt, um die gewünschte Stimmung des Films festzulegen. Dabei habe ich mich mit der Bildsprache, dem Color Grading, den Kameraausschnitten und der allgemeinen Atmosphäre auseinandergesetzt. Anschließend habe ich ein detailliertes Storyboard ausgearbeitet, das mir während des Drehs als Orientierung diente und dabei half, die geplanten Einstellungen bereits im Vorfeld zu visualisieren.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Organisation der Dreharbeiten. Da in mehreren Szenen ein Kind mitspielt und Drehs mit Kindern nur begrenzt planbar sind, habe ich für die Familienszenen insgesamt drei Drehtage eingeplant. So konnte ich ausreichend Zeit für Pausen, Wiederholungen und spontane Änderungen einplanen. Für die Büroszenen war lediglich ein Drehtag an einer einzigen Location vorgesehen, wodurch sich dieser Teil des Drehs gut strukturieren ließ.
Auch die Besetzung habe ich bereits in der Planungsphase organisiert. Die Rollen wurden von Familienmitgliedern und Freunden übernommen, was die Terminfindung und Kommunikation deutlich erleichtert hat. Gleichzeitig entstand dadurch eine vertraute Atmosphäre am Set.
Ein wichtiger Teil der Vorbereitung war außerdem die Planung der Requisiten. Vor allem für die Büroszenen musste ich verschiedene Gegenstände wie Computer, Monitore, Tastaturen, Büromaterial und weitere typische Büroausstattung organisieren, um die Arbeitsumgebung möglichst glaubwürdig wirken zu lassen. Ebenso habe ich die Kostüme geplant. Für die Büroszenen war formelle Arbeitskleidung vorgesehen, während ich bei den Familienszenen darauf geachtet habe, dass insbesondere die Kleidung des Kindes zeitlich zur dargestellten Epoche passt, beispielsweise durch typische Kinderkleidung aus den frühen 2010er-Jahren. Während der gesamten Planung habe ich außerdem auf die Continuity geachtet, damit Kleidung, Requisiten und andere Details zwischen den einzelnen Einstellungen konsistent bleiben.
Abschließend habe ich das benötigte Filmequipment im TimeLab organisiert. Die genaue Planung der Szenen war dabei besonders wichtig, da sie direkten Einfluss auf die Auswahl der Technik hatte. Für einige bewegte Einstellungen plante ich den Einsatz eines Gimbals ein. Außerdem entschied ich mich aufgrund des begrenzten Platzes an einigen Drehorten für ein 35-mm-Objektiv, da ich damit auch in kleinen Räumen ausreichend weite Einstellungen aufnehmen konnte. Durch die ausführliche Vorbereitung hatte ich bereits vor Drehbeginn einen klaren Überblick über den Ablauf und konnte mögliche organisatorische Probleme frühzeitig erkennen und lösen.
Prozess Dreh
Die ersten drei Drehtage fanden in meiner Heimat gemeinsam mit meiner Familie statt. Dort wurden alle Familienszenen gedreht, einschließlich der Szenen mit dem Kind. Da ich möglichst flexibel arbeiten wollte und die Dreharbeiten in einer vertrauten Umgebung stattfanden, entschied ich mich bewusst für ein minimales Equipment. Zum Einsatz kamen lediglich die Sony Alpha 7 III sowie ein externer Monitor. Dadurch konnte ich schnell auf Situationen reagieren und die Drehs unkompliziert gestalten.
Wie erwartet verliefen die Dreharbeiten nicht immer nach Plan. Besonders die Arbeit mit Kindern stellte eine Herausforderung dar, da sie sich nur schwer an einen festen Ablauf halten und ihre Aufmerksamkeitsspanne begrenzt ist. Oft mussten Szenen mehrfach wiederholt oder spontan angepasst werden, weil sich Situationen anders entwickelten als geplant. Trotzdem konnte ich gut mit diesen spontanen Veränderungen umgehen und die wichtigsten Aufnahmen erfolgreich umsetzen.
Insgesamt verliefen die ersten Drehtage zwar teilweise chaotisch, größere Probleme gab es jedoch nicht. Durch die familiäre Atmosphäre herrschte eine entspannte Stimmung am Set, was die Zusammenarbeit angenehm machte und viele Situationen erleichterte. Trotz der Herausforderungen hat mir der Dreh viel Spaß gemacht und gezeigt, wie wichtig Flexibilität und Improvisation bei Filmproduktionen sein können. Gleichzeitig konnten bereits in dieser Phase viele der emotional wichtigsten Szenen des Films erfolgreich eingefangen werden.
Der ursprünglich geplante zweite Drehtag musste kurzfristig verschoben werden, da die Location an dem vorgesehenen Termin nicht verfügbar war. Zum Glück konnte ich schnell einen Ersatztermin organisieren, sodass der weitere Ablauf des Projekts nicht gefährdet wurde.
Für diesen Drehtag war das Set Design besonders wichtig, da die Büroszenen eine glaubwürdige und atmosphärische Arbeitsumgebung vermitteln sollten. Deshalb habe ich zunächst das komplette Set vorbereitet und eingerichtet, bevor das Filmequipment aufgebaut wurde. Gerade dieser Teil der Arbeit hat mir besonders viel Spaß gemacht, weil ich durch die Gestaltung des Raums die Stimmung des Films aktiv beeinflussen konnte.
Der Dreh selbst verlief auf den ersten Blick ohne größere Probleme. Erst später während des Schnitts wurden einige kleinere Schwierigkeiten sichtbar, die mir am Set zunächst nicht aufgefallen waren. Insgesamt konnten wir die Szenen jedoch gut strukturiert nach der Shotliste drehen und blieben dabei im geplanten Zeitrahmen.
Ein wichtiger Bestandteil des Drehtages war außerdem das Make-up. Da der Hauptdarsteller in den Traumszenen deutlich gealtert wirken sollte, musste ein entsprechender Alterungslook umgesetzt werden. Das Ergebnis ist sehr überzeugend geworden und hat die Wirkung der Szenen deutlich verstärkt.
Im Vergleich zu den Familiendrehs arbeitete ich an diesem Tag mit deutlich mehr Equipment. Für einige Einstellungen kam ein Gimbal zum Einsatz, außerdem wurde der Ton separat aufgenommen, um eine höhere Klangqualität zu erreichen. Dadurch war der Dreh insgesamt anspruchsvoller und stressiger, da ich auf wesentlich mehr technische und gestalterische Details achten musste. Gleichzeitig waren die qualitativen Anforderungen an diese Szenen besonders hoch, weshalb eine präzisere Arbeitsweise notwendig war.
Trotz des höheren organisatorischen und technischen Aufwands hat mir auch dieser Drehtag viel Spaß gemacht. Vor allem die Kombination aus Set Design, Kameraarbeit und Make-up hat dazu beigetragen, dass die entscheidenden Büroszenen genau die Wirkung erzielen, die ich mir für den Film vorgestellt hatte.
Prozess Post production
Die Post Production war für dieses Projekt einer der wichtigsten Bestandteile, da die Wirkung des Films stark durch die Gestaltung von Bild und Ton entsteht. Besonders die Unterscheidung zwischen den Familien- und Büroszenen spielte dabei eine zentrale Rolle. Durch die Nachbearbeitung wollte ich den zeitlichen Unterschied und die emotionale Entwicklung der Geschichte sichtbar machen.
Für die Familienszenen war mein Ziel, den Eindruck alter Familienaufnahmen zu erzeugen, die beispielsweise mit einer VHS-Kamera aufgenommen wurden. Dafür habe ich viel ausprobiert und verschiedene Looks getestet, bis die gewünschte Wirkung erreicht wurde. Unter anderem habe ich das Bildformat auf ein 3:4-Verhältnis angepasst und bewusst versucht, die Bildqualität zu reduzieren. Dabei habe ich typische Merkmale alter VHS-Aufnahmen nachgebildet, wie Bildrauschen, leichte Verzerrungen, Farbverschiebungen und den charakteristischen grünlichen Schimmer an Konturen und Umrissen. Auch der Ton wurde entsprechend bearbeitet, sodass er flacher und weniger klar klingt, ähnlich wie bei alten Heimvideoaufnahmen.
Im Gegensatz dazu sollten die Büroszenen einen modernen und kühlen Look erhalten. Hier habe ich mit einem klareren Color Grading gearbeitet, um die sterile und distanzierte Atmosphäre der Arbeitswelt zu verstärken. Während die Familienszenen durch ihre analoge Ästhetik Wärme und Erinnerung vermitteln, wirken die Büroszenen bewusst kühler und kontrollierter.
Ein besonders wichtiger Bestandteil der Post Production war außerdem das Sound Design. Für die Büroszenen habe ich mehrere Soundebenen miteinander kombiniert, um eine realistische und dichte Arbeitsatmosphäre zu erzeugen. Dazu gehörten unter anderem Tastaturgeräusche, Hintergrundgeräusche der Klimaanlage, leises Bürosummen und weitere Umgebungsgeräusche. Durch die Kombination dieser verschiedenen Ebenen entstand eine Klangwelt, die die monotone und belastende Arbeitsroutine des Protagonisten unterstützt.
Zusätzlich habe ich die Titelschrift in After Effects animiert, um auch auf grafischer Ebene den VHS- und Glitch-Look der Familienaufnahmen aufzugreifen. Durch Verzerrungen und digitale Störungen sollte der Titel wie eine alte Videoaufnahme wirken und sich gestalterisch in die Bildsprache des Films einfügen.
Insgesamt war die Post Production ein sehr experimenteller Prozess, bei dem ich viel ausprobiert und angepasst habe. Besonders die Arbeit mit Bildästhetik und Sound hat mir gezeigt, wie stark die Wahrnehmung einer Szene durch die Nachbearbeitung verändert werden kann. Mit dem finalen Schnitt und der daraus entstandenen Atmosphäre bin ich sehr zufrieden, da die Gestaltungsmittel die emotionale Aussage des Films unterstützen und die beiden Zeitebenen klar voneinander unterscheiden.
Probleme
Während der Umsetzung des Projekts sind einige Herausforderungen aufgetreten, aus denen ich wichtige Erfahrungen für zukünftige Filmproduktionen mitnehmen konnte. Eine Schwierigkeit während der Dreharbeiten war vor allem die Einhaltung der Continuity. Trotz sorgfältiger Vorbereitung und Planung sind kleinere Fehler entstanden, beispielsweise wurde auf einem Post-it innerhalb des Set Designs ein falsches Jahr notiert. Glücklicherweise war dieses Detail im finalen Schnitt nicht sichtbar, dennoch hat mir diese Situation gezeigt, wie wichtig es ist, auch scheinbar unwichtige Elemente im Bild zu kontrollieren.
Weitere Herausforderungen entstanden durch Fehler während des Drehs, die sich erst in der Post Production bemerkbar machten. Bei einigen Szenen habe ich vergessen, die einzelnen Takes anzusagen, wodurch mir die Zuordnung der separat aufgenommenen Audiodateien zu den jeweiligen Videoaufnahmen extrem erschwert wurde. Während die Dialogaufnahmen noch relativ gut synchronisiert werden konnten, war es deutlich schwieriger, die einzelnen Ambiente- und Hintergrundgeräusche eindeutig den passenden Aufnahmen zuzuordnen. Dadurch entstand zusätzlicher Aufwand in der Nachbearbeitung und einige Tonspuren konnten nicht wie ursprünglich geplant verwendet werden.
Eine weitere organisatorische Herausforderung waren Schwierigkeiten mit der Locationplanung. Obwohl ich im Vorfeld ausführliche Absprachen mit mehreren Personen am Fachbereich getroffen hatte, musste ein geplanter Drehtag aufgrund kurzfristiger Verfügbarkeitsprobleme der Location spontan verschoben und neu organisiert werden. Durch die schnelle Anpassung der Planung konnte der Dreh letztendlich trotzdem erfolgreich umgesetzt werden, allerdings hat mir diese Situation gezeigt, wie wichtig flexible Alternativlösungen bei Filmproduktionen sind.
Trotz dieser Herausforderungen konnten alle wichtigen Szenen umgesetzt werden. Die entstandenen Probleme haben mir vor allem verdeutlicht, wie entscheidend eine genaue Vorbereitung, eine konsequente Arbeitsweise am Set und eine sorgfältige Dokumentation während des Drehs sind.
Fertiger Film
Link zum Film: https://f.io/QlHm_QZY
Fazit und Reflexion
Die Arbeit an diesem Projekt war für mich eine sehr spannende und lehrreiche Erfahrung. Besonders am Anfang fiel es mir schwer, einen passenden Zugang zu dem abstrakten Thema „Poesie ist Kompression“ zu finden und daraus eine konkrete Filmidee zu entwickeln. Im Laufe des Prozesses wurde jedoch immer klarer, wie ich das Thema inhaltlich und gestalterisch umsetzen möchte. Dadurch konnte sich die Idee Schritt für Schritt entwickeln und am Ende zu einem fertigen Film werden, mit dessen Ergebnis ich sehr zufrieden bin.
Trotz einiger kleiner Fehler, die während der Produktion entstanden sind, bin ich mit dem finalen Ergebnis zufrieden. Besonders die Post Production war für mich eine große Herausforderung, da ich in vorherigen Filmprojekten, die hauptsächlich in Teamarbeit entstanden sind, nicht in diesem Umfang für Schnitt, Farbgestaltung und Sound Design verantwortlich war. Dadurch konnte ich viele neue Erfahrungen sammeln und meine Fähigkeiten in diesen Bereichen weiterentwickeln. Gleichzeitig hat mir gerade dieser Teil des Projekts besonders viel Spaß gemacht, da ich dadurch die Atmosphäre und Wirkung des Films stark beeinflussen konnte.
Natürlich ärgern mich einige kleinere Fehler aus der Drehphase, die im Nachhinein nicht mehr korrigiert werden konnten. Gleichzeitig sehe ich diese Fehler als wichtige Lernerfahrungen, aus denen ich für zukünftige Projekte viel mitnehme. Besonders die Bedeutung von genauer Continuity-Kontrolle, sauberer Organisation am Set und einer konsequenten Arbeitsweise während des Drehs sind Punkte, auf die ich bei zukünftigen Produktionen stärker achten werde.
Im Hinblick auf meine bevorstehende Bachelorarbeit war dieses Projekt besonders wertvoll, da ich erneut ein Filmprojekt vollständig alleine umgesetzt habe. Dadurch konnte ich besser einschätzen, wo meine persönlichen Stärken liegen und in welchen Bereichen ich mich noch weiterentwickeln möchte. Diese Erkenntnisse helfen mir dabei, meine Arbeitsweise für kommende Projekte gezielt zu verbessern und meine Fähigkeiten im Bereich Film und Bewegtbild weiter auszubauen.