Schöpse - Einleitung
Die Mutter der Collembolen liegt am Boden in der Dunkelheit und Kälte, verlassen und völlig am Ende. Kein Lichtstrahl dringt zu ihr vor. Es geht zu Ende. Doch plötzlich, wider Erwarten … eine neue Generation kraftstrotzender Jüngling:innen bricht mit dem Frühling herein, beginnt die Dunkelheit zu erobern und gegen Licht einzutauschen. Sonnenstrahlen fluten die alte Welt und erhitzen den schwarzen, leblosen Körper der alten Muttercollembole. Unter ihrer Haut beginnt es zu brodeln, bedrohlich zu köcheln, und mit einem lauten Knall explodiert sie – die Mutter – und versprengt ihre Einzelteile komplett im Raum. Diese tausend kleinen Teile werden durch die Wucht der Explosion durchgeglüht; in voller Farbenfreude und Formenvielfalt schwirren sie umher, schweben über unseren Köpfen und werden zu Individuen auf überlangen Stelzen, die auf uns – die Spezies Mensch – mit wachen Augen und riesigen Riechorganen herunterblicken. Die Sonnenstrahlen kitzeln in ihren Nasen … Wenn Schöpse niesen …
KEX _ Kohlezeichnung
Die Kohlezeichnung verstand ich als eine erste expressive Annäherung an die Aufgabe, meinen Schöps zu entwickeln. Ich hatte sehr Spaß, die organischen Formen mit der Kohle umzusetzen. Schwierig war, den gewünschten Dunkelheitsgrad zu erreichen und trotzdem das gute Wesen des Schöpses beizubehalten. Ich hätte gerne noch mehr Zeit mit dieser Aufgabe verbracht, es hat mir dennoch geholfen, ein Verständnis für die Dimensionen und Form der Schöpse zu bilden.
KEX _ Tonfigur
Die Tonfigur zu bauen gefiel mir sehr gut. Ich mochte die unebene Oberfläche, die beim Bearbeiten des Materials entsteht. Mein erster Ansatz war noch zu detailliert, die Aufgabe hilf mir auch, die Auswüchse zu reduzieren auf grobe organische Formen, und ein Gefühl für die Balance zwischen Details und Form zu finden. Dadurch, dass die Figur von jemand anderem verändert wurde, wurde ich gefordert, noch einmal eine andere Version zu erschaffen, neue Anstöße anzunehmen.
KEX _ Farbarbeit
Die Farbarbeit half mir, auszuprobieren, wie extrem ich Farben einsetzen kann. Ich wollte eine purpurne Grundfarbe mit neongrünen und neongelben Highlights versetzen, sowie pinken Sprenkeln. Sehr bunt und farbenfroh. Ich war zuerst zögerlich, ob die gelbe Farbe zu viel werden würde, darum war es gut, es einmal auszuprobieren. Auch der Ausschnitt des Hornes ist mir gut gelungen.
KEX _ Plastisches Objekt
Beinstatik:
Vor Beginn des Baues probierten wir aus, wie eine Konstruktion auf Beinen stehen kann. Dazu stopften wir einen Karton voller Zeitungspapier und schnitten Löcher für die Beine. Die Erkenntnis daraus ist, dass die Beine im Körper Stabilität benötigen, es dann aber auch möglich ist, sehr lange Beine zu nutzen.
Der größte Teil des Kurses bestand aus dem Bauen des fertigen plastischen Objektes. Nach Vorgabe mindestens zwei Meter hoch, mussten auch die Dimensionen in der Breite passen. Ich startete also mit einer Unterkonstruktion des Körpers, der leicht schalenartig sein sollte. Aus der Mitte wuchs das zweigeteilte Horn. Eine Challenge war es, die Konstruktion leicht zu halten und trotzdem stabil zu machen, also effiziente Formen und Techniken zu nutzen. Ich kreierte eine Art Skelett, das durch seine Größe trotzdem etwas instabil war. Das Horn aus der Mitte stabilisierte ich innen mit vielen Querstreben und Pappmaschee. Dieses wirkte auch beim Körper Wunder, der durch das Ummanteln deutlich stabilder wurde. Ich fügte unten noch mehrere Pappen hinzu, um das Horn aufrecht zu halten. Die Form dessen entstand auch aus Skeletten, die ich mir wie gewünscht zurechtbog. Mit Hilfe von Katrin finalisierte ich die Grundform. Das Ziel war nun erst einmal, den Körper und das Horn komplett fertig zu haben, bevor ich mich an die Beine machte. Für die Hornstruktur probierte ich längs halbierte Schwimmnudeln aus, was zwar gut aussah, aber teuer geworden wäre. Ich rollte also Zeitungspapier und wickelte die Rollen um das Skelett, um Volumen zu erschaffen, welches ich dann überkleisterte.
Nach Vollenden des Großteils der Oberfläche des Körpers machte ich mich ans Bemalen. Mein Farbkonzept hatte ich zuvor schon in Visu erarbeitet, eine violette Grundierung mit pinken, gelben und grünen Spritzern. Das Grundieren dauerte erstaunlich lange, da ich in jede Falte der Hörner wollte. Mit Spraydosen fügte ich dann pink und gelb hinzu, wobei mir teilsweise eine Fehlfunktion des Sprühkopfes zu Hilfe kam, da dadurch perfekte Sprenkel entstanden. Ich nutzte Neonfarben für Gelb und Grün, die ich teils spritze, verwischte oder vermalte. Mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden.
Mein Schöps stand nun mit fertigem Körper auf einer Kiste, sollte aber noch Beine bekommen. Da der Körper hohl war, hätte sein Gewicht wohl nicht auf in den Körper gesteckten Röhren gehalten. Meine Idee war, die Kiste, auf der er gerade stand, zu replizieren. Ich baute also eine Platte in der gleichen Größe und schnitt mir Röhren für die Beine auf die richtige Länge. Das bedurfte einigen Nachbesserungen. Ich schnitt große Fußsohlen zurecht, um den Beinen noch mehr Stabilität zu verleihen, und ummantelte sie mit einem Gestell, damit sie proportional zum Körper nicht zu dünn wirken. Die Beine befestigte ich mit Pappplatten und viel Panzertape an der Platte. Dieser „Tisch“ hielt meinem Körper gut stand, die drei Beine waren gut in verschiedene Richtungen schräg geneigt. Mit dem Aufstellen hatte ich also keine Probleme. Nun verband ich die Beine mit dem Körper, kleisterte noch einmal und malte den Rest an. Mit derselben Technik finalisierte ich die Sprenkel. Die Hufe setzte ich durch gelbe Farbgebung leicht ab.
Für die FInalisierung meines Schöpses waren einige Nachtschichten und viele Rollen Tape nötig, es hat aber unglaublich viel Spaß gemacht. Ich bin sehr zufriedenn, vor allem mit der Größe!!
Prozess:
Gruppenarbeit Rauminstallation
Gruppe Sound, Raumgestaltung mit Lucie, Clara und Sae
In der ersten Gruppenaufteilung überlegten wir uns die Raumaufteilung. Unsere Idee war es, den Schöpsen kleine Geschichten zuzuordnen und sie so im Raum in Szenen zu verteilen. Diese Idee wurde später auch übernommen. Zudem war ich viel an der Raumgestaltung beteiligt.
Als Soundgruppe wollten wir den Vibe des Waldes mithilfe von Blätterrauschen, Vogelgezwitscher und Bachplätschern untermalen. Zudem hatten wir uns überlegt, jedem Schöps ein Geräusch zuzuordnen, und diese dann übereinander zu legen. So entstand unsere Soundinstallation, bei der jeder ein Geräusch seines Schöpses einsprach. Die Umweltgeräusche ließen wir weg, da das sicher zu viel gewesen wäre. Bei der Organisation des Tonstudiotermins und des Schneidens der Geräusche erhielten wir Unterstützung aus anderen Gruppen.
Uns ist die Gruppenarbeit sehr gut gelungen, da wir uns gegenseitig gefördert und bestätigt haben, und am Ende ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis herauskam.
Die Raumgestaltung belief sich nach vielfältigen Ansätzen und Ideen auf weiß mit Plastikfolie und Gardinen verhangene Wände, um eine mystische Stimmung zu schaffen und die Schöpse mehr herausstechen zu lassen. Den Boden bedeckten wir mit grünen Pappen, um Waldboden zu imitieren und den dreckign Boden zu kaschieren. Die Decke öffneten wir, um so viel Licht wie möglich in den Raum zu bringen. Zudem hingen Äste und Lianen in der Decke. Die Soundinstallation brachte alles zusammen und schuf ein sehr stimmiges Gesamtbild.
Die Gruppenarbeit der Raumgestaltung als gesamter Kurs verlief etwas holprig. Ich denke, dass ein großer Ideenreichtum vorhanden war, die Kommunikation aber zu wünschen übrig lies. Auch die Aufgabenverteilung war am Ende nicht gleichgewichtet. Wir sind als Kerngruppe durchaus zusammengewachsen und stolz auf das Ergebnis.
Audioentwurf:
Raumgestaltung und finaler Raum:
VISU _ 15 Skizzen
Die erste Ideensammlung der Schöpsgestalten. Einem Ziegenbock ähnlich, aber nicht erkennbar ein Ziegenbock. Ich probierte verschiedenste Ansätze, mit und ohne Fell, Hörner, weniger oder mehr Beine etc. Erst war ich ein wenig überfordert von der Menge an Ideen, die wir bringen sollten, sie halfen mir jedoch, auf immer neue Ideen zu stoßen. Besonders die langen Beine machten mir Spaß. Was mir bei vielen Entwürfen noch fehlte, war das Nette und Freundliche.
VISU _ 3 Ansätze x 5 Variationen
Sich nun für 3 Ansätze zu entscheiden, war schwerer als gedacht. Aus diesen wurden jedoch mich sehr weiterbringende Variationen, die mir von Zeichnung zu Zeichnung mehr gefielen. Auch aus verworfenen Ideen lernte ich.
VISU _ 3x2 Posen
Aufgabe war nun, die Formen deutlich zu reduzieren. Ich wusste ungefähr, in welche Richtung ich gehen wollte, und probierte verschiedene Posen aus, mitsamt Größenvergleich zu einer ca. 1,70m großen Person. Das half mir, mir die Dimensionen besser vorzustellen. Unsicher war ich noch über die Struktur des Hornes und den Übergang von Körper in Beine.
VISU _ Steckbrief analog
Mit meinem analogen Steckbrief war ich ansich sehr zufrieden. Mir gefiel die organische Form des Körpers und die zwei unterschiedlichen Strukturen in Körper und Extremitäten. Ich benannte Details und Eigenschaften, was mir half, meinen Schöps besser zu verstehen und begründen zu können, wie die Form mit den Eigenschaften zusammenhängt.
VISU _ Digitale farbliche Ausarbeitung
Nach angenommener Kritik zum analogen Steckbrief veränderte ich die Pose, Struktur und den Kopf meines Schöpses. Er sah nun wieder bockähnlicher und mehr nach einem definierteren Wesen aus. Die Farben des ersten Farbentwurfs gefielen mir schon sehr gut, ich mochte die unebene Oberfläche. Auch der nun erkennbare Übergang des Horns ins Bein gefiel mir sehr gut. Verbesserungswürdig ist noch der Rand der Hornstruktur und das Glänzen, was nicht so ganz zur Oberfläche passt. Als Details stellte ich die beiden Oberflächen dar.
Auf den Namen Chick Corea kam ich nun, da eine weitere Eigenschaft, die zu meinem Schöps passt das Tanzen und die Jazzmusik ist. Chick Corea war ein großer Jazzmusiker. Mein Schöps verkörpert diesen Vibe sehr gut.
VISU _ 3 Farbvarianten
Ich fügte eine Hornstruktur hinzu und blieb im Farbschema Musik, Party. Die mittlere, knalligste Version gefiel mir am besten, da sie am fröhlichsten und intensivsten wirkt. Besprenkelt mit Freude, oder in einen Farbtopf gefallen.
VISU _ Steckbrief
Im finalen Steckbrief nutzte ich nun die mittlere Farbversion, und passte das Layout farbig daran an. Im Hintergrund nutzte ich die Farbspritzer aus der Skizze verzogen, um interessante Strukturen zu schaffen. Ich änderte ein paar Eigenschaften und fügte Detailskizzen von Huf, Horn und Beinen hinzu.
VISU _ VR Skizze
Die Arbeit in VR war für mich etwas völlig Neues. Nach Ausprobieren aller Pinsel fand ich den geeigneten Gedärme-Pinsel für meine Hornstruktur. Formen so aufzubauen, dass sie von allen Seiten der Vorstellung entsprechen, erwies sich als schwierig. Trotzdem half das 3D-Zeichnen extrem bei der Umsetzung der räumlichen Vorstellung und Dimension, auch um sich für den Bau besser zu überlegen, wie man bestimmte Teile gut umsetzt.
VISU _ Skizze Landschaft
Ich habe nur eine grobe Skizze für die Landschaft gemacht, die aber trotzdem die Farben und die Stimmung einfängt. Ich möchte eher eine weite Wiesenlandschaft zeichnen, die fröhlich und schön wirkt, und mich an das Farbschema meines Schöpses halten. Ich stelle mir viele Blumen und Büsche vor, zudem kleine Bäume mit Ästen, die eine Art Dach über den Schöps bilden.
VISU _ VR Skizze Schöps und Habitat
Enstanden ist in VR nun eine mystische Landschaft, in der Lichter eine große Rolle spielen. Kleine Büsche mit Blumen, vernebelter Boden, Lichterketten, dünne Bäume mit großen, transparenten Blättern, und ein verschleierter Himmel. Chick Corea steht wie auf einem Dancefloor in der Mitte der Szenerie. Der dunkle Hintergrund bringt die Farben in der Landschaft zum Leuchten.
Ich habe meine Welt „Light as a feather“ genannt, was der Titel eines Songs von Chick Corea ist.
VISU _ Film Schöps und Habitat in VR
Zuletzt erstellten wir noch eine Kamerafahrt durch die Landschaft. Dazu mussten wir uns erneut mit einem neuen Tool vertraut machen, dem Kamerapfad. Ich setzte Ankerpunkte, Blickwinkel und Geschwindigkeitspunkte, um die Kamerafahrt an meine Landschaft anzupassen. Besonders Details, meinen Schöps und den Himmel setzte ich in Szene.
Fazit KEX & VISU
KEX & VISU werde ich vermissen! Es waren zwar extrem zeit- und materialintensive Kurse, der Output kann sich aber auf jeden Fall sehen lassen. Die vielen Stunden, die wir in der Enterprise und im Holodeck verbracht haben, haben uns als Gruppe sehr zusammengebracht und auf jeden Fall mehr Spaß gemacht als Aufgaben am Laptop. Ich bin sehr froh, dass ich trotz so vieler Fehltage alle Projekte gut zu Ende bringen konnte.
Ich habe durch VISU sehr viele neue Techniken kennengelernt, die ich sicher im weiteren Studienverlauf noch richtig viel nutzen werde. Bei Fragen und Unsicherheiten wurde immer geholfen, und die Programme zu Beginn gut erklärt. Ich habe im 3D Zeichnen effizientes Arbeiten gelernt.
Besonders in KEX war ich in meinem Element. Mir haben total die künstlerischen und experimentellen Aspekte des Kurses gefallen, das praktische und haptische. Die vielen kleinen Aufgaben waren zwar relativ viel Pensum, zusammen mit VISU, haben mir aber alle gut geholfen. Wertvolle Tipps und Hilfestellung gab es auch immer ohne viel nachfragen! Gefallen hat mir auch die entspannte Stimmung.
Die allgemeine Charakterentwicklung meines Schöpses und das Bauen half mir, eine richtige Bindung zu diesem Wesen aufzubauen :)
Der Aufbau des Kurses ist echt gut strukturiert, besonders wertvoll ist der Lerneffekt in der Gruppenarbeit gewesen. Zu Beginn war ich teils etwas verwirrt von der Kommunikation zwischen beiden Kursen. Manchmal war mir nicht ganz klar, was gewollt ist. Super war, dass wir freien Zugang zu beiden Räumen hatten und uns so unsere selbstständige Arbeit gut einteilen konnten. Allgemein war das Level zwischen betreuter Arbeit aber auch uns machen lassen sehr gut. KEX war leider kostenintensiver als gedacht.
Ich habe auf jeden Fall gelernt, mich von Rückschritten nicht runterziehen zu lassen, und dass mit genug Wille beinahe alles machbar ist!!