Schöpse – Einleitung

Die Mutter der Collembolen liegt am Boden in der Dunkelheit und Kälte, verlassen und völlig am Ende. Kein Lichtstrahl dringt zu ihr vor. Es geht zu Ende. Doch plötzlich, wider Erwarten … eine neue Generation kraftstrotzender Jüngling:innen bricht mit dem Frühling herein, beginnt die Dunkelheit zu erobern und gegen Licht einzutauschen. Sonnenstrahlen fluten die alte Welt und erhitzen den schwarzen, leblosen Körper der alten Muttercollembole. Unter ihrer Haut beginnt es zu brodeln, bedrohlich zu köcheln, und mit einem lauten Knall explodiert sie – die Mutter – und versprengt ihre Einzelteile komplett im Raum. Diese tausend kleinen Teile werden durch die Wucht der Explosion durchgeglüht; in voller Farbenfreude und Formenvielfalt schwirren sie umher, schweben über unseren Köpfen und werden zu Individuen auf überlangen Stelzen, die auf uns – die Spezies Mensch – mit wachen Augen und riesigen Riechorganen herunterblicken. Die Sonnenstrahlen kitzeln in ihren Nasen … Wenn Schöpse niesen …

KEX _ Kohlezeichnung

Ich habe mich zunächst auf das Wort „Schöps” konzentriert und überlegt, welche Assoziationen ich damit habe. Deswegen ist meine erste Schöps sehr abstrakt und sieht gar nicht wie ein Schaf aus. Es hat Spaß gemacht, mit Kohle und einem größeren Format zu arbeiten, und ich bin zufrieden mit dem entstandenen Ergebnis.

KEX _ Tonfigur

Hier haben wir drei Stunden lang mit Formen experimentiert und verschiedene Möglichkeiten ausprobiert. Ich habe ohne Plan angefangen, den Körper auf drei Beinen zu bauen – nach Gefühl. Dann haben wir unsere Figuren verlassen und die Figuren der anderen weitergebaut. Anschließend sind wir zu unseren eigenen Körpern zurückgekehrt. Als ich die Entwicklung meines Figurs gesehen habe, hatte ich mehrere Ideen und Inspirationen, weiterzubauen. Das ist mein Endresultat, mit dem ich sehr zufrieden bin.

KEX _ Farbarbeit

Ich habe viel mit Farbkombinationen experimentiert. Auch die Spuren von Kreide, die ich für meine Skizzen verwendet habe, haben mir sehr gut gefallen. Deshalb habe ich, als ich mit den Farben bereits vertraut war, noch ein bisschen nachgezeichnet. Ich finde, das fügt noch irgendwie Grange Vibes hinzu und macht das Bild lebendiger.

KEX _ Plastisches Objekt

Es war herausfordernd, den 180 cm großen Körper auf drei lange Beine zu stellen, damit er nicht umkippt. Bei meinem Schöps Tuna habe ich mir ein wolliges Fell überlegt, aber wie man das aus Pappe realisiert, war auch eine Frage. Ich habe mir viele Gedanken gemacht und ein paar Sachen ausprobiert, z. B. Kissenfüllung und Holzspäne. Doch ich war mit der Textur unzufrieden. Schließlich habe ich Papiemasche aus Eierkartons verwendet. Es war ziemlich schwierig, mit diesem Material zu arbeiten, da es sehr zeitaufwendig war. Man kann nur eine Seite von Schöps bedecken und muss dann eine Woche warten, bis es trocknet. Um das ganze Schöps zu bedecken, bräuchte ich 3–4 Wochen.

Gruppenarbeit Rauminstalltion

Ich war in der Gruppe „Leitsystem“. Dort habe ich zusammen mit Anna, Lars und Kira eine Orientierungshilfe für den Raum entwickelt. Wir haben überlegt, wie Besucher den Raum einfacher finden und sich dort zurechtfinden können. Dabei kamen unter anderem Kreidespray, Folien und Klebeband als mögliche Materialien und Lösungen in Frage.

Die ursprüngliche Idee, den Weg bis zum Raum sichtbar zu kennzeichnen, konnte nach Rücksprache mit der DDS-Organisation leider nicht umgesetzt werden. Ein Teil unseres Konzepts wurde später dennoch aufgegriffen, indem Kreidespuren auf dem Boden im Raum verteilt wurden.

Meine Aufgabe war es, die Materialien, die wir uns überlegt haben, zu kaufen und die besten Preise zu finden.

Vor der Arbeit am Leitsystem haben wir uns außerdem mit der Raumgestaltung beschäftigt. Unser Hauptziel war, dass die Schöpse mit ihrer Umwelt interagieren. Der Raum sollte gemütlich, verträumt, magisch, beruhigend und neugierig wirken.

VISU _ 15 Skizzen

Ich habe mich auf das Wort „Schöpse” konzentriert und einfach verschiedene Formen gezeichnet. Und ich habe beobachtet, welche Formen dabei entstehen.

VISU _ 3 Ansätze x 5 Variationen

Für die weitere Ausarbeitung meiner Ideen habe ich mir Referenzen ausgesucht, um mich inspirieren zu lassen. Ich glaube, meine Lieblingsanime hat mich auch in gewisser Weise beeinflusst, da es sich dort um sehr viele spannende mystische Wesen geht.

VISU _ 3 x 2 Posen

Hierbei habe ich mich auf drei Varianten konzentriert und versucht, diese weiterzuentwickeln, da sie friedlich wirkten und meiner Vorstellung von Schöps entsprachen.

VISU _ Steckbrief analog

Ich habe mich nun für die zweite Variante entschieden, da es für mich gleichzeitig elegant und neugierig wirkt. Ich finde es spannend, dass man auf den ersten Blick, wenn man auf Tuna sieht, denkt, dass er sehr adelig und graziös ist. Wenn man ihn aber besser kennt, merkt man, dass er viele dumme Sachen macht und sehr abenteuerlustig ist.

VISU _ Digitale farbliche Ausarbeitung

Hier hab ich mir überlegt, die Name meines Schöps, die Charakter und Formalzüge und auch die Farbpalette, die ich anschließend am Ende genutzt habe. Noch dazu habe ich einige Details groß skizziert, damit man sie besser ansehen kann.

VISU _ 3 Farbvarianten

An dieser Stelle habe ich verschiedene Farbcombis und Texturen gespielt und Accessoires hinzugefügt.

VISU _ Steckbrief

Nun, hier habe ich meinen Steckbrief schon in InDesign zusammengebaut. Ich habe noch den Namen geändert, statt Tuya habe ich Tuna gemacht. Tuna besser im Gedächtnis bleibt und einfacher zu schreiben. Und ich könnte dann Tuna im Fischkostüm zu zeichnen, was ich natürlich auch getan habe.

Zum Hintergrund habe ich mich für Dunkel grüne Farbe entschieden und auch Papier Textur hinzugefügt, damit die Farben von mein Schöps richtig knallen und durch diese Papiertextur bekomme ich auch bessere Kontrast dazwischen.

VISU _ VR Skizze

In virtueller Realität zu zeichnen war für mich sehr neu, deswegen brauchte ich erst einmal Zeit, um mich mit dem Programm OpenBrush klarzukommen. Zu Beginn habe ich verschiedene Pinsel ausprobiert und mich anschließend für das Shape Tool und die Gouache Brush entschieden. 

Zunächst habe ich meine Vorlage, den Steckbrief, in der Zeichnungsfläche angepinnt, um meine Zeichnung daran angleichen zu können. Dann habe ich den Körper modelliert. Ich wollte unbedingt auch die wollige Struktur meiner Schöps zeigen und dafür habe ich genau diese Gouache Brush verwendet.

VISU _ Skizze Landschaft

Schon am Anfang, als ich mir sicher war, wie der Tunas form aussieht, habe ich mir vorgestellt, wo er wohnt. Nämlich in einer Wiese mit seinem Herde. Aber er ging immer wieder in den daneben gelegenen Wald, um die Gegend zu erkunden. Er ging auch durch die kleinen Flüsse tiefer in den Wald. Und genau diesen Moment wollte ich festhalten.

Doch den Wald wollte ich mystisch und freundlich gestalten, weshalb ich für die Zeichnung gelbe, hell- und dunkelgrüne sowie violette Töne für die Bäume genutzt habe.

VISU _ VR Skizze Schöps und Habitat

Für den VR-Habitat habe ich bei meinem Konzept „Wald” geblieben. Ich habe mit den Bäumen angefangen und zunächst ein größeres und ein kleineres gebaut, die ich später einfach zwischenkopiert und hinzugefügt habe. Für die Grasfläche hat mir der Coal Brush sehr gut gefallen, da er sehr schöne Gras-Texturen und Schichtungseffekte erzeugt. 

Dann habe ich den Fluss mit verschiedenen animierten Brushes gemacht, damit es sich wie ein ständig fließender Wasserlauf anfühlt. Ein paar Blumen und Pflanzen habe ich auch mit Pinselstichen zusammengestellt.

 Den Himmel habe ich einfach drumherum wie ein Sphäre gemalt. So konnte ich auch noch verschiedene Blautöne dazufügen und den Prozess besser kontrollieren.

VISU _ Film Schöps und Habitat in VR

Um einen VR-Film aufzunehmen, habe ich mir zunächst überlegt, was und wie ich aufnehmen will, und dann den Videopfad angebaut. Ich habe ein bisschen mit der Geschwindigkeit an bestimmten Punkten und der Kameraausrichtung gespielt. Ich wollte den Effekt erreichen, als würde man selbst so wackelig durch den Wald gehen und plötzlich Tuna treffen.

KEX & VISU_Doku-Team_Film

Da ich mit Anna, Lars, Kira, Luise und Sae im Doku-Team war, möchte ich auch unsere Ergebnisse in Form eines Films zeigen. Die Aufgabe war, unseren Kurs zu dokumentieren und ein 5–8-minütiges Video mit Prozessen und natürlich lustigen Momenten aus dem Kurs zu erstellen. Da wir am Anfang sehr viel aufgenommen haben (mehr als 100 GB), war es am Ende sehr schwierig, alles in ein 8-minütiges Video zu packen. Leider mussten wir viele tolle Momente ausschneiden. Aber ich bin mit dem Ergebnis, das wir in zwei Wochen geschnitten haben, sehr zufrieden. Man erfährt durch dieses Video alles, was wir im Kurs gemacht haben, und hat doch Spaß beim Anschauen^^

Fazit KEX & VISU

Als ich diese Dokumentation geschrieben habe, ist mir erst bewusst geworden, wie abwechslungsreich und intensiv dieser Kurs eigentlich war. Ich habe unglaublich viel gelernt und viele neue Dinge ausprobiert.

Besonders gut hat mir gefallen, dass wir so viel gezeichnet haben – und zwar mit ganz unterschiedlichen Techniken: analog, digital, in der virtuellen Realität, mit Kohle und mit Acryl. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Außerdem hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in meinem Leben einen fast zwei Meter großen, kastrierten Schafbock mit drei Beinen aus Pappmaché bauen würde. Dieser Kurs hat mir auf jeden Fall beigebracht, keine Angst davor zu haben, mich schmutzig zu machen, zu experimentieren und einfach neue Dinge auszuprobieren.

Wir haben auch sehr viel im Team gearbeitet. Dadurch konnte man sich untereinander viel besser kennenlernen, was ich für zukünftige Arbeit sehr cool finde.

Am Ende des Kurses wurde es allerdings ziemlich stressig, vor allem beim Schneiden des Films. Obwohl ich nicht so viel geschnitten habe, war meine Aufgabe sehr zeitaufwendig. Ich musste die Interviews am Anfang und am Ende bearbeiten und dabei 40 Minuten Material auf 40 Sekunden sowie eine Stunde Material auf eine Minute kürzen.

Ich denke, das lag vor allem an unserer fehlenden Erfahrung im Filmemachen. Am Anfang haben wir uns keine Gedanken darüber gemacht, wie wir den Film später schneiden würden. Wir hatten kein Storyboard, kein Plan erstellt und deshalb viel zu viel Material aufgenommen.

Gleichzeitig mussten wir weiter an unseren Schafsskulpturen arbeiten, den Raum gestalten und uns ein Leitsystem für den Raum überlegen, von dem wir schließlich wieder abgesagt haben.

Ich glaube, unsere Performance und unsere Töne haben gut funktioniert. Man konnte sich wahrscheinlich wirklich wie in der Mitte der Schöps Herd fühlen. Es war auch spannend, den Klang für meine Schöps zu kreieren und ihn in der Videowerkstatt aufzunehmen.