Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design

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volehry

Die Aufgabenstellung dieses Kurzprojekts bestand darin ein Vogelhaus zu konzipieren und umzusetzen, das sich an bedeutender Architektur orientiert.

1. Architektonisches Vorbild

Walt Disney Concert Hall, Frank Gehry
Los Angeles, 2003

Bereits während der Recherche zu Beginn des Projekts, entschied ich mich für Architektur dessen Stil durch besonders freie Linienführung und Formgebung definiert ist. Die Wahl fiel daher auf den Stil des Dekonstruktivismus, der von Frank Gehry maßgeblich mitgeprägt wurde und auf die 2003 von ihm gestaltete Walt Disney Concert Hall in Los Angeles.

2. Mission Statement

Anschließend an diese Entscheidung formulierte ich mein Mission Statement „Das Vogelhaus soll das Architekturvorbild eindeutig wiedergeben, während möglichst viele Vorgaben aus der Natur berücksichtigt werden.“

Zu diesem Zeitpunkt erschien es mir besonders wichtig, mich auf die eindrucksstarken Metall-Fassaden zu fokussieren, jedoch befürchtete ich darin eine potentielle Gefahr, die Anwendbarkeit des Vogelhauses als sichere und saubere Futterstation  unbeabsichtigt zu vernachlässigen, weshalb dieser zweite Teil der Mission sehr wichtig für mich wurde.

3. Konzept

Die Größte Schwierigkeit bei der Konzept-Entwicklung bestand darin eine definitive Form und Position für die Blechstücke zu finden, die funktional und witterungsbeständig ist, und dennoch, wie im Mission Statement festgehalten, Gehry's ikonische Fassadenoptik unmissverständlich wiedergibt.

Im Zuge dieser Entwicklung durchlief mein Vogelhaus eine Vielzahl an groben und feinen Anpassungen, bevor das in der farbig hervorgehobenen Skizze erkennbare Grundkonzept feststand.

4. Mock-Up

Auch das Mock-Up diente primär dazu, die Visualisierung der Metallstücke zu vereinfachen. Durch die experimentelle Umsetzung mit Graupappe konnte die Position, Biegungen und Faltungen der zukünftigen Blechteile um ein vielfaches leichter erkennbar gemacht und gefunden werden als mit den vorangegangenen Skizzen.

Da dieses Mock-Up mit diesen Erkenntnissen bereits enorm hilfreich war, entschied ich mich dessen Vollendung mit Details wie Verstrebung, Aufhängung, Futtersilo, etc. zu überspringen und ging vergleichsweise frühzeitig in die Umsetzung über.

5. Umsetzung

Den Großteil der Umsetzungsphase verbrachte ich in der Metallwerkstatt zur Bearbeitung der Aluminiumbleche und -stäbe, sowie später zur Montage.

Zwischendurch bearbeitete ich die 9mm Multiplex-platten für die Plattformen durch Sägen und Schleifen in der Holzwerkstatt.

5.1. Anfertigung

Die Fassadenstücke habe ich per Hand aus Aluminiumblech getrennt, an den Faltstellen gebogen und anschließend wiederholt gewalzt bis die von mir gewünschten Biegungen erreicht wurden.

Die Form der Lande- und Futterplattform habe ich frei Hand mit Unterstützung durch etliche Skizzen aufzeichnen, bevor ich sie aus der 9mm Multiplex Platte sägte und anschließend an der Radius- und Winkelschleifstation in die finale Form schliff.

Für die spätere Montage entschied ich mich Aluminiumdraht mit 4mm Durchmesser an den Enden von Hand abzuflachen, anbohren und nach Bedarf zu biegen um die Vernietung der Bleche im freien Raum zu ermöglichen.

5.1.1. Futtersilo

Die Bohrungen in dem zylindrischen Futtersilo wurden, inspiriert durch herkömmliche Küchenraspeln, per Hand mit passenden Stahlstangen nach oben gebogen, wodurch sich Näpfe bilden, die das Herauspicken der Samen ermöglichen und zugleich das herausfallen der selbigen erheblich verringert.

Futterbehältnisse mit diesem oder ähnlichem Prinzip sind besonders wichtig, da sich das Vogelfutter sonst zu sehr mit Ausscheidungen der Vögel vermischen würde und so zu häufig tödlichen Infektionen führen würde.

5.2. Montage

Da das Vogelhaus aufgehängt werden sollte legte ich besonderes Augenmerk auf die daraus entstehende Zugbelastung an allen Verbindungsstellen. Ich entschied mich, Gewinde auf das Gestänge zu schneiden und sie mit Muttern und Beilegscheiben in der Grundplatte zu befestigen. Dadurch ergab sich zusätzlich die Option die Länge der Stangen von der Holzplatte aus anzupassen und so die Position der Blechstücke im Raum gegebenenfalls zu verändern.

Die Aufhängung an sich erfolgte durch kleine Blechwinkel, die ich zuvor händisch zuschnitt und bog. Drei von vier dieser Winkel wurden direkt mit den von unten anliegenden Stangen vernietet. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Montage war das Setzen aller Bohrungen in der Grund-/Landeplatte in einem 5° Winkel, wodurch ich dieser ein Gefälle des gleichen Winkels gab. Dieser sollte die Richtung des Wasserabflusses und Körnerfalls vorgeben und unterstützen, da es sowohl aus Hygienegründen sowie aus Futterverhalten mancher Vögel ein wichtiger Aspekt ist, dies zu ermöglichen.

Die vier Säulen der kleineren Futterplattform, sowie das Silo selbst wurden in Sackbohrungen und für das Silo passend ausgemeißelte Nuten mit Epoxidkleber permanent verklebt. Nicht jedoch an der Unterseite der Futterplattform. Hier ist diese aufgesteckt, was das Herausnehmen und dadurch das Putzen und Wiederauffüllen ermöglicht.

Bei vielen dieser Schritte war der fachliche Austausch mit Herr Klaus, Betreuer der Metallwerkstatt, enorm wertvoll und hilfreich.

6. Fertiges Modell

7. Fazit

Ich habe aus diesem Kurzprojekt trotz meiner Erfahrung im Bereich Metallbearbeitung die Lehre gezogen, niemals den Aufwand der Montage zu unterschätzen. Der schlussendliche Zeitbedarf für all diese zuletzt beschriebenen Verbindungen hat mich überrascht und ich war rückwirkend sehr froh, so früh wie möglich in die Werkstätten gegangen zu sein.

Ein weiteres Fazit war für mich der Skizzierungsprozess an sich. Im letzten Abschnitt des letzten Semesters nahm ich an dem Grundlagenkurz Visualisierung teil, was mir scheinbar ehemalige Scheu genommen hat, hemmungslos „quick-and-dirty“ Skizzen zu jedem Schritt in meinem Prozess anzufertigen, wie man an meinem hier angefügten Fotoreihen sehen kann.

Abschließend möchte ich noch meinen Dank an die Kurzprojekt Betreuer, sowie die Werkstattleiter und -Mitarbeiter aussprechen, die dieses Projekt trotz der vielen Werkstatteinführungen und durch ihre fachliche Hilfe ermöglichten und unterstützten.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Integriertes Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Hauptstudium

Betreuung

Nicolai Neubert matthias lipeck

Zugehöriger Workspace

KP 3D Wolkenkuckucksheim

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2021 / 2022

Keywords