Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design

In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre

Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design mehr erfahren

Das Bauhaus: Im Heute oder doch eher von gestern?

Das Bauhaus: Im Heute oder doch eher von gestern?

„Sich neutral mit dem Bauhaus auseinandersetzen?
Geht das denn?“

„Mit einer polarisierenden Institution wie dem Bauhaus wohl kaum.“

Als ich mich im Zuge meines Wahlmoduls im Fachbereich Fotografie mit dem Terminus Propaganda auseinandersetzen sollte, entschied ich mich dazu, dies in Form zweier Kolumnen zu tun, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Plädiert die eine für die Ideenschmiede Bauhaus, so übt die andere massive Kritik an deren scheinbarer Passivität. Liest man diese unterschiedlich voneinander in einer Fachzeitschrift, so macht dies wohl nicht viel Aufsehen. Hält man sie doch direkt nebeneinander, so wird einem erst richtig das unbekannte Ausmaß in der suggestiven Beeinflussung, besser gesagt Manipulation, bewusst. Durch die nun erkannte Sprach-und Bildwirkung in diesen zwei scheinbar voneinander abgestimmten Extremen, sieht man den Begriff „Propaganda“ mit ganz neuen Augen.

Propaganda muss nicht laut schreiend und augenblicklich bemerkbar sein. Die leise Form der Propaganda ist noch viel gefährlicher. Oft bilden wir uns, ohne das wir es sofort bemerken, relativ schnell eine Meinung über ein bestimmtes Thema und wundern uns, wie genau es dazu kommen konnte. Haben Sie das nicht auch schon erlebt?

Person A wettert in einem öffentlichen Format gegen Person B, bringt entweder total logische, wissenschaftlich fundierte Argumente hervor, oder versucht im Gegensatz dazu, den Zuhörer auf emotionaler Ebene für sich zu gewinnen. Die meisten würden auf ihn hereinfallen und Person B auf die eine oder andere Art zum Teufel wünschen.

Doch was tun?
Es reicht schon einmal, genauer hinzusehen.
Lassen Sie mich das in Form dieser zwei, von mir verfassten, Artikel erklären:

Wie sie sehen meine Damen und Herren, sehen sie erst mal nichts (Besonderes). Zwei Kolumnen, in denen zwei unterschiedliche Sichtweisen der Redaktion propagiert werden.
Was auffällt?
Die Wortwahl.
Das Geschriebene geht hier nur in eine Richtung. Es gibt entweder nur Pro's oder, im Gegensatz dazu, nur Contra's. Generell können zwei Seiten propagiert werden.
Aber: Jeder hat ein Recht auf Meinungsfreiheit.
Also weiter im Text.
Doch schaut man genauer hin, dann erkennt man, dass diese Meinung durch das gesamte Layout gestützt bzw. unterstrichen wird.

Und jetzt das Auffälligste und zugleich auch Wichtigste!
Die Bildwahl.
Das Bauhaus aus unterschiedlichen Perspektiven abzulichten ist in diesem Fall nichts Besonderes, denkt man.
Fehlanzeige.
Schon allein dadurch können im Betrachter entweder Gefühle von Beklemmung oder von Freiheit etc. ausgelöst werden. Schaut der Betrachter wie hier aus einem scheinbar vergitterten Fenster hinaus oder bietet sich ihm ein phänomenaler Blick von außen auf das Bauhaus. Wirkt es also belebt oder eher begraben?
Das Gleiche auch hier, dem Foto zugehörig, aber noch viel offensichtlicher.
Die Farbwahl.
Ist die Farbpalette in warmen, erfrischenden Nuancen gehalten oder versinkt das Bauhaus buchstäblich im Dämmerlicht. All dies wirkt sich atmosphärisch auf das Foto aus und unterstützt das Geschriebene in der Textebene, wie man hier sehen kann, enorm.

Nicht nur das, sondern auch der nächste Punkt an sich trägt sein Übriges dazu bei.
Die Layoutgestaltung.
Wurden Zwischenüberschriften versetzt angebracht, um mehr Dynamik zu erzeugen oder halten sie sich immer in der gleichen Reihe und rufen beim Leser ein Bild von Stillstand und Eintönigkeit hervor, welches dann zur altbekannten Langweile beim Leser führt?
Unterstreichen sie den Charakter der Wortwahl des Geschriebenen?
All das muss berücksichtigt werden.Bis ins kleinste Detail muss alles stimmen, um beim Leser weitreichende Reaktionen hervorzurufen. Auch symbolhafte Doppeldeutigkeiten in den Texten gehören dazu oder auch wie hier, ob die Redakteurin in ihrem Porträtfoto dem Bauhaus zugewandt oder ihm abgeneigt ist.

Sie sehen also, nichts ist auf den ersten Blick, so einfach wie es scheint, oder wird dem Zufall überlassen. Es ist durchdachte Propaganda.

Fast nichts kann in uns so starke Emotionen hervorrufen, wie ein gutes Foto, ein authentisches Foto. Aber selbst authentischen, ganz unbearbeitet wirkendenden Aufnahmen sollte man nicht so leicht Vertrauen schenken. Auch sie können die Wahrheit verdrehen oder ihr neue Wahrheitsgene andichten. Oft hat der im Betrachter entstehende Eindruck vom Foto nichts mehr gemein mit der Situation, in der es tatsächlich geschossen wurde. Und dieser Eindruck ist gewollt. Wir lassen uns alle viel zu leicht durch diese Komponenten beeinflussen. Die Stimmung, die eine Fotografie hervorruft, ist maßgebend für unsere Meinungsbildung.

Aus all diesen soeben erwähnten Faktoren entsteht also ein Gesamtbild, welches den Betrachter auf die ein oder andere Art und Weise hinters Licht führen soll. Also schauen Sie das nächste Mal lieber zweimal hin, bevor sie auf Propaganda hereinfallen.

Abschließend will ich noch einmal unterstreichen, dass diese Kolumnen/Fotografien ausschließlich im Sinne des Projektes entstanden sind.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Integriertes Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Hauptstudium

Betreuung

Klaus Pollmeier

Zugehöriger Workspace

Propaganda! Wie wahr ist Fotografie im Zeitalter von Fake News?

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2019 / 2020

Noch keine Kommentare