Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design

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Anders als die anderen

Anders aussehen. Anderssein.

„Ich weiß, dass ich…“, er biss die Zähne aufeinander, „anders bin.“ Betroffen versicherte Linus: „Nein, das wollte ich damit nicht… Mit dir ist alles vollkommen in Ordnung.“„Ich weiß. Anders bedeutet nicht schlecht. Arthur sagt, manchmal sei es sogar besser, anders zu sein als die anderen.“ // T.J. Klune in Mr. Parnassus Heim für Magisch Begabte (S. 245-246)

Irgendwie ist es paradox – in unserer Gesellschaft möchte jeder besonders und außergewöhnlich sein, auf der anderen Seite aber auch dazugehören und bloß nicht auffallen. Menschen, die anders sind, zum Beispiel weil sie optisch an der ein oder anderen Stelle eben nicht aussehen wie jeder andere, haben oft mit diesem Anderssein zu kämpfen.

Aber ist Anderssein denn automatisch falsch? Was ist überhaupt normal? Und bin ich das Problem, wenn ich anders bin oder sind es die anderen?

der kleine freund.

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Auch ich bin anders. Damit lebe ich seit ich denken kann.

Falls du mich noch nicht kennst:
Hi! Ich bin Emi und ich habe Brachydaktylie.

Brachydakty-was?!
Brachydaktylie. Das ist eine sehr seltene Erbkrankheit, bei der die Finger und/ oder Zehen verkürzt sind. In meinem Fall ist es aber nur der linke Daumen, der verkürzt ist. Ich nenne ihn mittlerweile gerne meinen kleinen Freund. Und der rechte, naja — der ist stinknormal. Ich habe also zwei unterschiedliche Daumen und das schon, seit ich denken kann.

Ich bin also anders.

Ich denke, das erklärt, warum ich das Thema Anderssein für dieses projekt überhaupt gewählt habe: Ich kenne es sehr gut, das Gefühl anders zu sein. Denn auch, wenn es wirklich nur ein winzig kleines Detail ist, unterscheidet es mich trotzdem von meinen Mitmenschen.

Doch in diesem Projekt wird es nicht primär um meine Krankheit, Brachydaktylie gehen, auch wenn sie auf jeden Fall ein Teil davon ist.

Und um was geht es dann?

Es geht eher um das Anderssein allgemein. Es geht um Menschen, die aufgrund von Krankheit (sei sie angeboren oder nicht) anders aussehen, auffallen, herausstechen — auch wenn sie das eigentlich gar nicht wollen und erst recht nicht beeinflussen können. Es gibt so viele verschiedene Formen, wie man sich unterscheiden kann und sie alle beeinflussen, wie Betroffene ihren Alltag bestreiten und scheinbar banale Situationen auf einmal ganz anders wahrnehmen, als gesunde Menschen es tun.

Ich möchte deshalb nicht nur von einer Krankheit berichten, sondern möglichst viele abbilden. Nicht über einen Kamm scheren und weiter in Nischen denken, sondern die unzähligen körperlichen Abnormitäten verbinden.

Und dabei hat mir kein Geringerer als Anders geholfen. Aber dazu später mehr.

recherche, recherche, recherche.

Jedem Projekt geht ja bekanntlich erstmal eine ausführlichen Recherche voraus. So auch bei mir.

Nur habe ich mich dabei zuerst noch besonders auf meine eigene Krankheit, die Brachydaktylie, konzentriert. Dabei habe ich vor allem die wissenschaftliche bzw. medizinische Seite genau unter die Lupe genommen. Ich habe also etliche Studien und Dissertationen zum Thema durchstöbert, um mich über unterschiedlichste Aspekte der Krankheit gründlich zu informieren.

Ich habe mich später auch mit Themen und allgemeineren Sachverhalten wie dem Körperbild, Tabuthemen und dem Anderssein generell beschäftigt, wobei immer wieder die Frage nach der Normalität auftauchte und wie diese in unserer Gesellschaft entsteht. Im Prinzip habe ich dabei herausgefunden, dass Menschen, die sich in ihrem körperlichen Erscheinungsbild von der breiten Masse unterscheiden, schnell in der Schublade „abnorm“ und damit „weniger wert“ landen können, obwohl sie eigentlich überhaupt nichts dafür können und keinen Einfluss darauf haben.

Auch ich selbst habe mich in die Kategorie „Anders“ gesteckt. Ich habe meinen Daumen und damit mein Anderssein jahrelang versucht zu verstecken, habe mir unendlich viele Gedanken darum gemacht, wie andere mich sehen und be- oder ob sie mich sogar verurteilen würden.

Später habe ich eine Umfrage durchgeführt und bin mit der Annahme daran gegangen, dass körperliches Anderssein in der Gesellschaft problematisch gesehen und sogar eher abstoßend betrachtet wird, allein schon, weil ich selbst ja irgendwie auch so über meine Krankheit gedacht habe. Die Antworten der Teilnehmenden haben mir aber gezeigt, dass die dargestellten körperlichen Abnormitäten sehr neutral und v.a. wesentlich positiver aufgefasst werden, als ich vorher angenommen hatte.

Am Ende meiner Recherche kam ich also zu dem Schluss, dass ich (als Betroffene) im Anderssein jahrelang ein größeres Problem gesehen habe, als es vielleicht nötig gewesen wäre. 

Natürlich ist Anderssein trotzdem nicht gerade einfach und es gibt eben auch Menschen, die im Umgang mit Krankheit, Behinderung oder Andersartigem nach wie vor nicht besonders feinfühlig, oder sogar sehr abstoßend reagieren (und die wird es vermutlich immer geben). Unterm Strich geht die Akzeptanz in unserer Gesellschaft aber schon in eine gute Richtung und man wird tendenziell eher auf aufgeschlossene Menschen, als auf Ablehnung treffen. Diese Erkenntnis hatte ich für die anstehende Designlösung definitiv im Hinterkopf.

Design-Research_Anders-Als-Die-Anderen_Emily-Mesabrowski.pdf PDF Design-Research_Anders-Als-Die-Anderen_Emily-Mesabrowski.pdf

einmal rauszoomen bitte.

In die Recherche könnt ihr gerne mal reinschauen, wenn ihr wollt. Aber ich sag's euch ehrlich: Ich hab die wichtigsten Erkenntnisse und Elemente daraus bereits zusammengefasst und im Vergleich zu meiner Doku und den Dingen die ich euch nachfolgend zeigen möchte, ist sie eigentlich ziemlich langweilig. (Ich darf das sagen - ich habs ja auch geschrieben!)

Denn hier habe ich mich noch sehr auf eine Krankheit konzentriert. Später hat sich aber herauskristallisiert, dass es sinnvoller wäre, das Thema weiter zu fassen.

Wie bereits erwähnt, ist Brachydaktylie eine ziemlich seltene Krankheit. Ich selbst kenne niemanden, der so ist wie ich (zumindest nicht dass ich wüsste). Eine etwaige Gestaltung würde somit auch nur eine kleine Zielgruppe betreffen. Außerdem gibt es so viele seltene Krankheiten, die unter dem Radar der allgemeinen Aufmerksamkeit existieren und die ich völlig außer Acht lassen würde, wenn ich nur in einer Nische denke und arbeite.

Deshalb: Einmal rauszoomen bitte!

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die zielgruppe.

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Nach dem Erstellen der rechts abgebildeten User Journey Map kamen zwei mögliche Interventionspunkte in Frage:

1) Kindheit
2) Jugend bis junges Erwachsenenalter

Ich habe mich recht schnell, für letzteres entschieden.

Für junge Leute ist Anderssein oftmals besonders problematisch. Man ist noch nicht im Reinen mit sich selbst und seinem Körper. Die Pubertät kann schon für Nicht-Betroffene anstrengend und aufwühlend sein, sieht man dann zusätzlich an der einen oder anderen Stelle auch noch anders aus, kommt das zusätzlich erschwerend hinzu. Auch nach der Pubertät wird man nicht auf einmal selbstsicher und kann mit der Krankheit oder dem Anderssein problemlos umgehen. Es braucht Zeit und Erfahrung bis man erst im gestiegenen Alter immer selbstsicherer wird.

Ich möchte daher die Zeitspanne zwischen Pubertät und frühem Erwachsenenalter abpassen, also Menschen im ungefähren Alter zwischen 16 und 26 Jahren erreichen und somit ein junges Publikum ansprechen.

Natürlich wird der Fokus zuerst bei den Betroffenen liegen, doch auch Nicht-Betroffene sollen zur Zielgruppe gehören können.

der kern des ganzen.

Nach der Erkenntnis darüber, dass ich meine Krankheit und das Anderssein, das damit einhergeht viel schlimmer eingeschätzt hatte, als es eigentlich sein müsste, habe ich mich umgehört. Denn mir fielen auf Anhieb einige Situationen und Gedanken ein, die mich mein Leben lang schon begleiten und ich wollte einen Beweis dafür, dass es anderen Menschen auch so geht wie mir. Außerdem wollte ich alltägliche Situationen sammeln, die für Betroffene problematisch sind, die gesunde Menschen aber vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben, weil diese für sie einfach so banal sind. 

Bei mir war es Finger verstecken, Bücher komisch halten, Angst davor, dass es doch jemandem auffällt und niemals, niemals (wirklich niemals) zur Maniküre gehen zu können.

Aber es gibt ja so viele verschiedene Krankheiten, die sich alle ganz unterschiedlich auswirken. Und ich wollte gerne Geschichten — nahbare, greifbare, echte Situationen, die ich verwenden konnte. 

Wenn man anders aussieht, dann stellt man sich automatisch Fragen, die sich Nicht-Betroffene nicht stellen müssen. Man entwickelt besondere Verhaltensweisen, vermeidet bestimmte Aktivitäten, hat Ängste und Probleme, die für Nicht-Betroffene gar nicht von Belang sind.

Ich habe sie irgendwann als Knoten im Kopf bezeichnet, denn genau das sind sie. Wenn man betroffen ist katastrophiert man. Man macht sich über alles Gedanken — was die Leute sagen, denken, wie sie reagieren — und irgendwann hat man dann einen Gedankenknoten im Kopf. Und je mehr Zeit man für diese Gedankenknoten verwendet, desto fester und verfitzter werden sie.

Und genau um diese Knoten — Situationen, Ängste, Probleme und Gedanken ging es mir. Die wollte ich gerne in meiner Designlösung verarbeiten.

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Dabei habe ich genau solche Situationen gesucht, die mit verschiedenen Problemen zusammenhängen, mit denen Betroffene zu kämpfen haben können und die für Nicht-Betroffene manchmal vielleicht gar nicht so richtig nachvollziehbar sind, weil sie für sie so normal und alltäglich erscheinen.

Ich habe zu diesem Zeitpunkt auch Interviews mit Betroffenen geführt, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise anders sind, um nicht nur auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen zu müssen.

Das Ergebnis war ein Arsenal an unterschiedlichen Geschichten, in denen verschiedenste Probleme Betroffener thematisiert wurden.

kommunikationskonzept und ziel.

Nun hatte ich den Inhalt für meine kommende Designlösung erarbeitet, musste mir aber noch überlegen, wie ich ihn gerne verpacken wollte. Ich hatte viele Ideen, mir war aber von Anfang an klar, dass ich gerne in Richtung Print-Medium arbeiten wollte. 

Also überlegte ich mir ein Kommunikationskonzept, rund um ein Buch und eine Poster-Reihe. Ich überlegte, wie ich die Story online (über Instagram-Content) kommunizieren und welche Merch-Produkte entwickeln und der etwaigen Zielgruppe zusätzlich in die Hand geben konnte.

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Aber was wollte ich damit erreichen? Was war mein Ziel?

Mein Ziel war es, dass sich Betroffene idealerweise an der ein oder anderen Stelle wiederfinden werden und verstanden fühlen.

Doch auch Nicht-Betroffene können von einem Perspektivwechsel profitieren und auf das Thema und die Probleme von Betroffenen Menschen aufmerksam gemacht werden. Für sie könnte die Sichtweise von Betroffenen Menschen interessant werden und zum Nachdenken angeregt.

Mir ist es wichtig, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger irgendeine Lehre vorzutragen. Es geht mir auch nicht darum die Welt zu verbessern.

Ich möchte vielmehr…

  • Menschen sensibilisieren
  • auf die Probleme von Betroffenen aufmerksam machen
  • nicht alles vorkauen und dann den Betrachtern vorsetzen, sondern zum Nachdenken, zum selbst denken anregen

Ich möchte, dass sich die Bilder erst im Kopf zusammensetzen müssen. Und ja, dafür muss man sich vielleicht auch erstmal ein bisschen Zeit nehmen. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Leute mit Anders identifizieren können oder dass er sie an irgendjemanden erinnert oder dass sie sich denken:

Sowas gibts? Damit haben Leute zu kämpfen?

Und wenn irgendetwas davon eintritt, dann habe ich eigentlich alles erreicht, was ich wollte.

anders und die story.

Und jetzt ist endlich der Moment gekommen, an dem ich euch Anders vorstellen darf.

Anders ist der Protagonist meiner Story und nein, er sieht nicht so aus wie weiter unten abgebildet. Obwohl, er könnte so aussehen… muss er aber nicht.

Klingt verwirrend, oder?
Ist es aber eigentlich gar nicht.

Pass auf, ich erzähl dir mal ein bisschen was von Anders, damit er für dich greifbarer wird, ok?

Denn zeigen kann ich ihn dir leider nicht. Ich kann hier kein Bild einfügen, drauf zeigen und dir sagen: Das isser! So funktioniert das mit Anders nicht.

Das Bild von ihm muss erst in deinem Kopf entstehen. Du bekommst immer ein paar Hinweise, Gegenstände, Worte und aus denen setzt du dann nach und nach ein Bild zusammen. Anders lebt von Fantasie.

Vielleicht erkennst du dich sogar selbst in ihm wieder.
Oder vielleicht jemanden den du kennst.
Vielleicht aber auch nichts davon.

Denn Anders kann jeder sein. Er ist ein universeller Charakter. Er kann jedes Alter annehmen, überall wohnen, introvertiert und extrovertiert sein. (Theoretisch könnte er sogar jedes Geschlecht annehmen.) — Anders kann alles sein.

Zwei Dinge ist er aber auf jeden Fall:

1. Er ist anders, also er sieht anders aus, und zwar auf jede Art, die man sich nur vorstellen kann und

2. ist er ein einfach ‘n cooler Typ.

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Hier siehst du ein Brainstorming von mir.

Denn bevor Anders zu dem geworden ist, der er jetzt ist, dachte ich, das man ihn sehen würde. Also brauchte er ein Merkmal, er sollte ja anders sein.

Und nachdem ich so ein paar Dinge gebrainstormt hatte, ist mir aufgefallen, dass ich mich so sehr einschränke. Entweder man assoziiert das Merkmal mit einer bestimmten real existierenden Krankheit, oder es ist zu skurril oder hat zu viele Benefits oder oder oder.

Und dann kam ich auf die Idee, Anders nicht zu zeigen. So

kann er im einen Moment das und im nächsten etwas anderes sein, im Rollstuhl sitzen und laufen, mal mehr und mal weniger anders aussehen. So kann er alles gleichzeitig sein und trotzdem greifbar bleiben.

Aber was erlebt Anders denn nun???

Eine gute Frage. Ich habe mir im Rahmen dieser Arbeit vier Situationen ausgesucht, die Anders erlebt und sie zu aller erst nochmal genauer unter die Lupe genommen.

Dabei habe ich geschaut, wo die Situation stattfindet, welches Problem ich damit addressieren möchte und was das Besondere an der Geschichte ist.

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schlüssel der gestaltung.

Zentrum von allem ist der Kontrast zwischen Anders und den anderen.

Genau darum dreht sich alles: Die Story, die Gestaltung, einfach alles.

Von Anfang an wird den Betrachtern klar gemacht, dass Anders anders aussieht und sich irgendwie von den anderen unterscheidet. Die Probleme, die für ihn damit einhergehen werden in den kurzen Geschichten-Segmenten thematisiert und stark emotional verfärbt dargestellt.

Im Kontrast dazu sollen auch die „anderen“ aus ihrer Perspektive von den Ereignissen aus den Geschichten berichten. So erfährt der Betrachter nicht nur die emotional verfärbten Geschichten von Anders, sondern auch die eher neutrale Sicht der „anderen“ auf die Dinge.

Dabei wird, teilweise humorvoll gezeigt, wie verschoben Anders Wahrnehmung sein kann, dass er mit Problemen zu kämpfen hat, die die „anderen“ gar nicht unbedingt verstehen und am Ende werden die verschiedenen Situationen auf unterschiedlichste Art und Weise aufgelöst. Aber ohne dass das Gefühl entsteht, Anders Probleme wären sinnlos oder eingebildet. Die Reaktionen der anderen sollen lediglich verdeutlichen, dass viele der Ängste, die Betroffene mit sich herumschleppen, theoretisch gar nicht sein müssten, da es viele, viele respektvolle, aufgeweckte und aufgeschlossene Leute gibt. 

Ich sage aber bewusst theoretisch, denn natürlich gibt es auch Menschen, die dem genauen Gegenteil entsprechen. Doch Arschlöcher wird es leider immer geben. Und man wird diese Menschen nicht einfach so ändern können, nur weil man ihnen die Perspektive von Betroffenen erläutert.

Man kann aber auf die gesamte Thematik aufmerksam machen und hoffen, dass die Botschaft bei einigen Leuten ankommt, oder zumindest zum Nachdenken anregt.

Der Schlüssel meiner Gestaltung soll also nicht reformierend und ultimativ revolutionär oder innovativ sein (denn man muss nicht immer das Rad neu erfinden). Aber man kann mit dem eben beschriebenen Kontrast spielen, Spaß haben und vielleicht sogar ein paar Leute erreichen.

gestalterische grundlagen.

Zuerstmal die Farben.

Es gibt eine Grundfarbe - das Anders-Lila, welches sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Dem gegenübergesetzt werden immer Akzentfarben für die verschiedenen Geschichten: Anders-Lavendel, Eis-Gelb, Online-Blau, Party-Pink und Möhren-Grün.

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Jetzt zu den Schriften.

Natürlich sollten auch die den Kontrast zwischen Anders und den anderen widerspiegeln.

Deshalb habe ich für Anders die GoodDog New ausgewählt, weil sie durch den handschriftlichen Charakter persönlich wirkt und Intimität schafft (fast so, als würde man Anders‘ Tagebuch lesen), aber trotzdem nicht zu kindlich ist.

Im Kontrast dazu steht die Neue Helvetica für „die anderen“, die ihre Sicht auf die Situationen und Geschehnisse schildern. Sie wirkt dokumentarisch, man kann nicht auf den Charakter dahinter schließen, wodurch die Emotionen in den Hintergrund treten und der Inhalt wichtiger wird. Die Italic-Variation soll die wörtliche Rede kennzeichnen und steht auch für neutrale Kurzbeschreibungen der verschiedenen Situationen. Außerdem ist die Helvetica eine sehr bekannte und extrem häufig genutzte Schriftart, was die Normativität „der anderen“ und die Andersartigkeit von Anders unterstreicht. 

Mit der Aurora Pro wollte ich zu guter Letzt noch eine bolde Schriftart für Überschriften und Headlines finden, die einprägsam und besonders ist. Durch den hohen Wiedererkennungswert ist sie deshalb auch gut geeignet, um für Logos verwendet zu werden. Durch den wackeligen Charakter passt sie außerdem hervorragend zur Thematik des Andersseins.

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Und zu guter Letzt: Die Illus.

Bei den Illustrationen handelt es sich um vektorbasierte Lineart, die ich in Adobe Illustrator angefertigt habe. Jede Illu setzt sich aus zwei Varianten von ein und dem selben Motiv zusammen:

Zuerst habe ich immer eine geradlinige Illustration erstellt, diese anschließend kopiert und die Linien wackeliger gemacht und etwas verschoben. Damit entstand die veränderte, unperfekte Variante desselben Motives.

Anschließed mussten beide Varianten nur noch übereinander gelegt werden, sodass man zum Schluss eine Illustration erhält, die sowohl Anders‘ Andersartigkeit und die Normativität „der anderen“ beinhaltet.

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Und all die eben aufgeführten gestalterischen Grundlagen musste ich dann nur noch auf die im Kommunikationskonzept geplanten Medien anwenden und anpassen.

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das buch.

Das Buch erlebt man blätternd, also in chronologischer Reihenfolge. Es ist somit auch das einzige Medium, in dem man das Ende erfährt, da alle anderen Medien sind so geplant, dass sie darauf abzielen, das Buch zu bewerben, anzuteasern und Lust darauf zu machen, mehr zu erfahren. 

Das Buch soll also das Hauptelement sein. 

Das Format ist ziemlich klein. Nur 11,5 mal 16 cm groß. Es soll persönlich wirken. Der Leserschaft soll beinahe das Gefühl bekommen, als würde sie gerade ein geheimes Tagebuch in der Hand halten und in ein Geheimnis eingeweiht werden.

Außerdem war mir wichtig, dass man das Buch überall dabei haben und mit sich tragen kann. Deshalb sollte es gut verstaut werden können und nicht zu viel Platz wegnehmen. Aus diesem Grund ist es auch als Taschenbuch gebunden, denn Taschenbücher sind leicht, flexibel und haben einen biegsamen Umschlag. So passt Anders Geschichte vielleicht sogar in die ein oder andere Hosentasche!

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Wenn du mehr sehen willst, dann schau ganz am Ende des Beitrages mal in meine Doku rein, da hab ich alle Doppelseiten reingehauen.

Und jetzt zum Ende - Gibts ein Happy End?

Die Geschichten des Buches werden zwar aus beiden Sichtweisen erzählt, zu denen Anders am Ende auch Zugang bekommt, doch das bedeutet nicht, dass sich Anders‘ Probleme danach einfach in Luft auflösen. Die Knoten in seinem Kopf sind immer noch vorhanden und es wird Zeit brauchen, bis sie sich auflösen werden.

Denn so ist das im echten Leben.

Nur weil man von der einen oder anderen Seite hört, dass „es doch gar nicht schlimm ist“ (ein schrecklicher Satz übrigens, bitte sagt das niemals — zu niemandem), macht es das auch nicht besser.

Akzeptanz ist ein Prozess und ich wollte am Ende von Anders Geschichte auf keinen Fall ein Happy End, bei dem sich auf einmal alle Probleme in Luft aufgelöst haben.

Am Ende des Buches passiert eine kleine Inception, denn Anders fällt sein eigenes Buch in die Hände.

Er kann also all die Geschichten, aber vor allem die Reaktionen der anderen selbst nochmal lesen. Die Gedankenknoten auf dem Cover werden „befreit“, sie gehen über das Buch hinaus, aber sind noch nicht entwirrt. Es bleibt aber offen, was Anders über das alles genau denkt, auch ob es ihm damit besser oder schlechter geht wird nicht aufgelöst. Seine einzige Reaktion ist ein simples „Oh…“, welches frei interpretiert und in jede Richtung gedeutet werden kann. Aber auf jeden Fall ist Anders auf die ganze Thematik aufmerksam geworden.

Im Prinzip übernimmt Anders am Ende kurz die Rolle der Leser, die selbst anders sind, oder sich an der ein oder anderen Stelle wiedergefunden haben.

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Das Cover.

Farblich wollte ich gerne alles unterbringen. Der Hintergrund ist „Anders-Lila“ und die Gedankenknoten greifen die Akzentfarben der einzelnen Stories auf.

Textlich findet sich neben dem Titel (ohne den gehts ja wohl nicht) lediglich ein sehr kurzer Klappentext, der den Kern des Buches zusammenfasst.

Die Gedankenknoten sind das einzige Motiv. Da sie in der Geschichte eine zentrale Rolle spielen, wollte ich ihnen auch einen besonderen Platz auf dem Cover einräumen. Sie ziehen aber auch einen Rahmen zum Ende des Buches.

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die poster.

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Die Poster umfassen jeweils immer ein Kapitel des Buches. Sie müssen aber nicht zwangsläufig in der gleichen Reihenfolge aufgehangen werden, da es egal ist, welche Geschichte man zuerst und welche man danach liest. Auch die Vorstellung von Anders kann man erst nach den einzelnen Geschichten erfahren. Sie muss nicht (wie im Buch) an erster Stelle stehen.

Die Poster sind alle im A1-Format angelegt, also recht groß. Da die einzelnen Geschichten im Wimmelbild-Charakter dargestellt werden sollten, brauchte es auch ein großes Format. Dadurch haben die Illustrationen genügend Raum und die Story kann sich genügend entfalten. Alle Poster sind außerdem einheitlich im Querformat angelegt.

Die Poster leben besonders davon, dass sie die Geschichten ganz anders erzählen. Man erlebt sie nochmal ganz anders, weil nicht sofort eine genaue Leserichtung erkennbar ist. Die Betrachter*innen müssen sich ihren eigenen Weg durch die Geschichte suchen, Zeit damit verbringen und nach und nach enträtseln, um was es geht. Somit lernt man die Geschichte anders kennen als im Buch.

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der instagram-content.

Zusätzlich soll es einen Instagram-Account geben, welcher die verschiedenen Kapitel-Geschichten anteasern und die User nach und nach mit Infos über Anders versorgen soll. Dabei wird aber wirklich nur angeteasert, die Geschichten nicht komplett verraten. Man soll Lust darauf bekommen, mehr zu erfahren und sich das Buch zu kaufen, um alles zu erfahren.

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man den Content produzieren könnte:

1) Posts und Feed

Zum einen gibt es schön gestaltete Posts. Man kann einzelne Illustrationen größer ziehen und über mehrere Posts verteilen. So erkennt man erst mit fortschreitendem Feed, was eigentlich abgebildet wird. Das Erscheinungsbild wirkt dadurch frischer und bringt außerdem einen Hauch von Spannung mit sich. Außerdem sehen solche geplanten Feeds immer ziemlich professionell aus (finde ich zumindest).

2) Karussell-Posts

Außerdem gibt es die Möglichkeit, mehrere Beiträge in einem Post zu verpacken. Hier lassen sich gute Übergänge einbauen, die mit dem Swipen eine schöne Zusammengehörigkeit erzeugt und den Content professionell erscheinen lässt. 

3) Video in Story oder Reel

Und zu guter Letzt könnte man die digitale Plattform natürlich auch dazu nutzen, um Anders ein wenig mehr zum Leben zu erwecken. Man könnte beispielsweise den Text vertonen und Anders damit eine Stimme verleihen. Auch die Illustrationen könnten leicht animiert werden, sich bewegen und das Ganze somit lebendiger erscheinen lassen.

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der merch.

Um den Leuten etwas in die Hand und mitzugeben, habe ich außerdem ein paar Gimmicks gestaltet. Diese können dann zusätzlich durch die Nutzer (weiter)verteilt werden und Anders Geschichte indirekt bewerben.

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ein fazit und ausblick.

Nun nähern wir uns langsam aber sicher dem Ende dieses Projektes.
Eine letzte Frage bleibt aber noch:

Und was nun?

Eine gute Frage.

Es wäre ein absoluter Traum, wenn das Buch eines Tages tatsächlich gedruckt werden, in Buchläden rumstehen und vielleicht sogar gekauft werden würde. Bis dahin ist aber noch einiges zu tun. Angefangen zum Beispiel damit, dass vorher auf jeden Fall noch weitere Storys/ Situationen/ Probleme gesammelt, illustriert und aufbereitet werden sollten.

Außerdem ist da ja auch noch der Instagram-Account, der in Angriff genommen und tatsächlich erstellt und für den mehr Content kreiert werden müsste. Ach ja, und irgendjemand muss sich ja noch um die Postkarten, Tassen, T-Shirts, Beutel und Sticker kümmern.

Und ganz ehrlich, bevor es tatsächlich an die Umsetzung des hier vorgestellten Konzeptes gehen könnte, muss vorher nochmal gründlich drübergegangen, kritisiert, verbessert, rausgehauen und getestet werden.

Alles was ihr bis hierhin gesehen habt, ist ja erst der Anfang eines ziemlich langen Prozesses. 

Aber ganz egal, ob und wie es mit Anders weitergeht:

Es war mir auf jeden Fall eine Ehre, ihn kennenzulernen. Und ich hoffe sehr, du magst ihn auch!

die doku.

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