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Fragmente von Morgen

fragmente von morgen | vanessa voigt



nach dem ende kommt ein anfang. die apokalypse hat stattgefunden und das was passiert ist, das was gewesen ist, das was wir gewusst haben und alle unsere erinnerungen liegen in fetzen vor uns verstreut. es sind nur noch fragmente übrig, welche irgendwie neu sortiert werden müssen. aus dem was übrig geblieben ist, entsteht etwas neues ganz im sinne der emergenz.

emergenz beschreibt die selbstorganisation von dingen. aus einfachheit entsteht komplexität. aus der interaktion kleinster teilchen wird ein größeres system gebildet. in einem system ist eine menge von elementen durch beziehungen miteinander verbunden – sie erfüllen einen gemeinsamen zweck. eine einzelne zelle ist nutzlos, sie be- kommt ihre funktion erst durch das system, dem sie angehört. diese systeme liegen in unsere welt wie schichten übereinander. sie alle bedingen sich gegenseitig und hängen irgendwie zusammen. wie diese systeme gerade zu aus dem nichts entstehen, ist nicht richtig erklärbar. sie funktionieren einfach und werden ganz von allein und unbewusst gebildet. aus vermeindlichem chaos wird struktur und ordnung.

aber was ist übrig nach unserer apokalypse? durch gespräche wurden verschiedene szenarien verfasst, die in kurzen sätzen in form von gedanklichen momentaufnahmen festhalten sollen, was das bewusstsein wahrnimmt.

das projekt entsteht als geschwisterprojekt von melike dere‘s „unser wunderschöner untergang.“ in ihrem projekt beschreibt sie in form einer geschichte die apokalypse. diese geschichte bildet zusammen mit meinen versartigen, lyrischen texten, welche beschreiben was übrig ist, die grundlage von dem, was nach der apokalypse bleibt.

die betrachtenden stehen in einem raum. vor sich haben sie einen berg aus papierzetteln, ähnlich denen in glückskeksen. auf jedem zettel steht ein fragment von dem was übrig geblieben ist. für das projekt wird das gesammelte textmaterial in fragmente zerlegt. dabei ist von einem wort über wortgruppen bis hin zu sätzen alles denkbar. einige der fetzen tauchen häufiger auf als andere. an dieser stelle kommt die emergenz ins spiel. die einzelnen fetzen ergeben alleine keinen richtigen sinn. sie funktionieren nur im zusammenhang und ergeben geschichten von vergangenheit, gegenwart oder zukunft. den betrachtenden ist selbst überlassen, was sie mit diesem berg an fragmenten anfangen – ganz im sinne der emergenz und selbstorganisation.

der haufen an gedankenfetzen symbolisiert, was nach der apokalypse übrig bleibt. ihr bewusstsein ist noch immer da, aber alles was sie kannten, ihre erinnerungen und ihr wissen liegen vor ihnen verstreut. dieses chaos gilt es zu beherrschen. denkbar wäre den haufen thematisch zu sortieren. aus den einzelnen gedankenfetzen könnten geschichten gelegt und so szenarien rekonstruiert werden. was werden die menschen damit anfangen und daraus machen?

die texte sind zentriert gesetzt. es werden, abgesehen von kommata und fragezeichen, keine satzzeichen verwendet. alles wird kleingeschrieben. auf großschreibung und satzzeichen wird verzichtet, da die gedanken im papierfetzenhaufen nicht als satzanfang oder -ende erkenntlich sein sollen. sie sind freie momentaufnahmen. dem entspricht auch die zentrale formatierung der texte. sie haben noch keine richtung. kein anfang oder ende. sie stehen im raum. haltlos und nur in der masse sinnergebend. die szenarischen texte im heft sind als aneinanderreihung von gedankenfetzen zu verstehen. zusammenhängend ergeben sie die momentaufnahme eines zustandes, gesehen aus der ich-perspektive.


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fragments of tomorrow | vanessa voigt

after the end comes a beginning. the apocalypse has occurred and what has happened, what has been, what we have known, and all of our memories are scattered into pieces in front of us. there are only fragments left that somehow must be rearranged. from what is left arises something new in the sense of emergence.

emergence describes the autonomous organization of things. simplicity creates complexity. the interaction of the smallest particles creates a larger system. in each system, a set of elements is connected through relationships which serve a common purpose. a single cell is useless, its function emanates from the system it belongs to. in our world, these systems are layered on top of each other. they are codependent and interrelated. how these systems are created from nothing cannot be properly explained. they are formed unconsciously, by themselves. chaos turns into structure and order.

but what is left after this apocalypse? several conversations led to various written scenarios, with the intention to document brief sentence, in the form of mental snapshots, reflecting what our consciousness perceives.

the project was created in adjacency to melike dere’s “unser wundervolller untergang” project („our beautiful downfall.“) in her project she describes the apocalypse through a story. together with my verse-like, lyrical texts, which describe what is left, this story consists of the basis of what is left from the apocalypse.

the observers are standing in a room. in front of them lies a mountain of paper pieces, similar to those in fortune cookies. Each piece of paper represents a fragment of what is left. the collected text material is also broken down into fragments. any combination using words, word groups and even sentences is conceivable. some scraps appear more frequently than others. this is where emergence comes into play. the individual scraps do not make any real sense. Their purpose only appears in context with other fragments by creating stories from the past, present or future. it is up to the viewer to decide what to do with this mountain of fragments - emergence and autonomous organization thus occurs.

the pile of thoughts symbolizes what remains after the apocalypse. your consciousness is still there, but everything you knew, your memories and your knowledge are scattered in front of you. this chaos must be mastered. it would be conceivable to sort the pile thematically. stories could be drawn from the individual scraps of thought and scenarios reconstructed in this way. what will people do? what will they create?

the texts are centered. apart from commas and question marks, no punctuation marks are used. everything is in lower case. capitalization and punctuation marks are omitted, because the thoughts in the scrap of paper should not be recognizable as the beginning or end of a sentence. they are free snapshots. this corresponds to the essence of the texts’ formation. you have no direction yet. no beginning or end. they are in the room. lacking context and only meaningful in the masses. they deliver a snapshot of a momentary state, viewed from the first person perspective.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Intermediales Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Masterstudium

Betreuung

uwe gellert Prof. Hermann Klöckner

Zugehöriger Workspace

NOWHAUS Magdeburg - Halle - Dessau

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2019 / 2020

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