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Wasteland – Wenn mehr weniger ist

Optimismus ist gerade in schwierigen Zeiten besonders wichtig. Im Großprojekt Editorial beschäftigten wir uns mit diesem Thema, indem wir gemeinsam ein Magazin mit dem herzlichen Namen „Dann heul doch“ entwarfen.

Kerngedanke

Ich habe mich mit dem Thema Überkonsum beschäftigt. Durch die Lockdowns der letzten Jahre haben wir erlebt, wie einige Leute überdimensionale Hamsterkäufe betreiben, ohne dabei an das Wohlbefinden anderer zu denken. Mein Ziel war eine fiktive Kurzgeschichte, die diese emotionale Kälte als Kern hat.

Recherche und Moodboard

Ich habe mich zunächst intensiver mit dem Thema befasst, indem ich Recherche betrieben habe. Ich habe herausgefunden, dass Hamsterkäufe ein selbstgeschaffenes Problem sind, dass daraus resultiert, dass man sich gegen eine möglich nahende Katastrophe schützen möchte. Da man sein eigenes Wohlbefinden absichern will, kauft man mehr, als man eigentlich braucht. Dies führt zu einer Kettenreaktion, da die anderen Menschen dieses Verhalten mitbekommen und selbst befürchten, nicht genug Nahrungsmittel oder sonstiges kaufen zu können. Dadurch entstehen dann gähnend leere Ladenregale.

Es ist ein Dilemma, bei dem man sich fragen muss: denke ich an die anderen, oder mich selbst? Dabei wäre es die einfachste Lösung, wenn alle nur so viel wie nötig kaufen würden, um eine solche Panik zu unterbinden.

Hamsterkäufe_Recherche.jpgHamsterkäufe_Recherche.jpg

Nach meiner Recherche habe ich ein Moodboard angefertigt, dass veranschaulichen soll, wie ich das Thema darstellen möchte.

Hamsterkäufe_Moodboard.jpgHamsterkäufe_Moodboard.jpg

Erste Ideen

In meiner Kurzgeschichte soll es darum gehen, wie sich eine Gruppe durch Überkonsum selbst an den Rand der Existenz bringt. Am Ende soll aber eine Lösung gegen dieses Problem gezeigt und die Menschen gegebenenfalls wachgerüttelt werden.

Mein erster Ansatz hierfür war eine Story über ein fiktives Naturvolk, dass etwas Bestimmtes, wie zum Beispiel eine Blumenart, verehrt. Eines Tages fängt eine der Figuren an, diese Blume für sich zu horten. Die anderen Ureinwohner bemerken dies und tun das Gleiche, bis dieses Verhalten im Chaos und fast in einer Tragödie endet. Den positiven Plot Twist hatte ich mir an dieser Stelle noch nicht überlegt.

Veranschaulichen wollte ich die Geschichte mit Zeichnungen.

Einerseits hatte ich die Idee von freien Illustrationen, die den Text untermauern und gegebenenfalls noch weitere Infos bereitstellen, die der Text an sich nicht preisgibt.

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Zum Anderen hatte ich daran gedacht, die Geschichte aus der Sicht eines Forschers zu schreiben. Ich würde quasi sein Notizbuch mit all seinen Beobachtungen gestalten. Hierbei gäbe es viele Skizzen von dem Forscher über das Aussehen und Verhalten des Volkes.

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Ausflug zum Steinbruch

Auch wenn mir die vorherige Idee gefallen hat, war ich mir nicht sicher, ob sie ihren Zweck ausreichend erfüllt. Ich wollte etwas, mit dem man sich direkt verbunden fühlt – etwas, das die Story real wirken lässt.

Deswegen wandt ich mich von den Zeichnungen ab und versuchte mich an Fotografie. Dieses Medium ist meiner Meinung nach am effektivsten, um Gefühle zu übermitteln.

Meine Story änderte ich auch ab. Ab diesem Zeitpunkt handelte diese nun von einer jungen Frau in einer postapokalyptischen Welt, in der sie Tag für Tag um ihr Überleben kämpfen muss, nachdem alle Ressourcen so gut wie aufgebraucht worden waren.

Um dies zu veranschaulichen, ging ich mit einer Freundin zu dem Steinbruch meiner Heimatstadt, dessen Umgebung sehr dystopisch wirkt, um ein paar Fotos zu machen.

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Auf Basis dieser Bilder gestaltete ich ein zunächst noch sehr simples Layout. Um noch ein Stilmittel hinzuzufügen, platzierte ich auf den Doppelseiten Silhouetten von den am meisten gehamsterten Gegenständen, wie zum Beispiel Konserven und Toilettenpapier. Diese sollen das Fehlen des jeweiligen Gutes darstellen und zugleich auf die durch den Überkonsum entstehende Übermüllung anspielen.

Zwischenpräsi_Layouttest1.pdf PDF Zwischenpräsi_Layouttest1.pdf

Bildbearbeitung

Irgendwie verkörperte dieser Stil noch nicht das, was ich mir vorgestellt hatte. Mir hat die Überzeugungskraft gefehlt, das Extreme...

Also habe Ich mit verschiedenen Filtern in Photoshop versucht, meine Bilder aufzuwerten und dabei festgestellt, dass mir der Schwellenwert-Filter das gibt, wonach ich gesucht habe. Dieser Filter trennt die Farben eines Bilden in Schwarz oder Weiß. So entstehen kraftvolle, aber nicht mehr so gut erkenntliche Versionen der ursprünglichen Bilder. Aber gerade dieses Unkenntliche finde ich spannend, da so jeder in den Bildern etwas anderes sehen und die Geschichte dadurch auf verschiedene Weisen interpretiert werden kann.

Neben den Bildern vom Steinbruch habe ich noch ein paar weitere in meiner Wohngegend aufgenommen. Ich habe schließlich diese vier Stück für meinen Artikel verwendet.

Steinbruch_Schwellenwert_minderwertig1.jpgSteinbruch_Schwellenwert_minderwertig1.jpg
Steinbruch_Schwellenwert_minderwertig2.jpgSteinbruch_Schwellenwert_minderwertig2.jpg
Steinbruch_Schwellenwert_minderwertig3.jpgSteinbruch_Schwellenwert_minderwertig3.jpg
Steinbruch_Schwellenwert_minderwertig4.jpgSteinbruch_Schwellenwert_minderwertig4.jpg

Layout

Ich wollte den Fokus auf den Schwarz-Weißbildern lassen und entschied mich, nicht zu viel mit Farbe zu arbeiten. Ich habe zunächst etwas rumprobiert, welche Stimmung ich mit verschiedenen Layoutvarianten übertragen kann.

Wasteland_Layout_12.01_Pascal.pdf PDF Wasteland_Layout_12.01_Pascal.pdf

Erst habe ich alles recht clean gehalten, habe aber schnell gemerkt, dass dieser Look nicht zum Inhalt meiner Story und den bearbeiteten Fotografien passt. Also habe ich angefangen, die Textpassagen visuell zu zerstören. Die Farbe habe ich noch weiter reduziert. Diese ist nun nur noch da, um einige Wörter innerhalb des Textes auszuzeichnen, gepaart mit einer zusätzlich gewählten Schriftart, die für etwas Kühles und Distanziertes steht.

Die Seitenzahlen verkörpern die aus Filmen bekannten Striche oder Einritzungen an Gefängniswänden, mit denen die Inhaftierten ihre Tage abzählen. Dies ist eine Anspielung auf die missliche Lage der Charaktere.

Wasteland_Layout_Pascal_23.01..pdf PDF Wasteland_Layout_Pascal_23.01..pdf

Ich war nun recht zufrieden mit dem Layout. Dennoch habe noch mehrfach darin herumgeschoben und Einzelheiten wie zum Beispiel Farben und Auszeichnungen angepasst.

Endergebnis

Wasteland_Doppelseite2.jpgWasteland_Doppelseite2.jpg
Wasteland_Doppelseite1.jpgWasteland_Doppelseite1.jpg
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Mockups

Wasteland_Doppelseite1_Mockup.pngWasteland_Doppelseite1_Mockup.png
Wasteland_Doppelseite2_Mockup.pngWasteland_Doppelseite2_Mockup.png
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Magazincover

Jeder von uns hatte auch noch die Möglichkeit, ein mögliches Cover für das Magazin zu gestalten.

Ich ließ mich von dem englischen Sprichwort „Don't cry over spilled milk“ inspirieren. Ich habe versucht, den Covernamen dadurch noch ein wenig mehr ins Humorvolle zu ziehen. Um dies auf die Spitze zu treiben vermittelt die Zeichnung der Milchpackung einen Eindruck von wenig Aufwand und vielleicht sogar Gleichgültigkeit seitens des Designers. Das generelle Layout ist recht simpel gehalten, um die Verständlichkeit zu fördern.

MagMockup_Cover__Front_Pascal1.pngMagMockup_Cover__Front_Pascal1.png
MagMockup_Cover__Komplett_Pascal1.pngMagMockup_Cover__Komplett_Pascal1.png

Fazit

Es war ein sehr sehr langer Weg bis zu den fertigen Magazinseiten, aber er hat sich auf jeden Fall gelohnt. Am Anfang habe ich mich schwer getan, interessante Kompositionen zu erstellen. Aber durch die kontinuierliche Arbeit an den Seiten habe ich viel lernen können. Nicht zuletzt durch meine sich ständig ändernden Stilrichtungen.

Gutes Editorial Design ist alles außer simpel. Der Teufel steckt hier im Detail, aber genau das liebe ich ja am Designen.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Integriertes Design

Art des Projekts

Studienarbeit im zweiten Studienabschnitt

Betreuung

foto: Prof. Gerald Christ

Zugehöriger Workspace

GP Editorial / Magazin »dann heul doch …?«

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2022 / 2023