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DOKU . Space in Motion . Zukunft:Raum . 24W

DOKU . Space in Motion . Zukunft:Raum . 24W

Durch ein innovatives System von beweglichen weichen Wänden kann man leere Kaufhäuser wieder mit Leben füllen und ihnen eine neue Funktion geben. Unternehmen und kleinere Läden können den großen Raum auf jeder Etage eines Kaufhauses frei unter sich verteilen und dabei leicht kleinere Räume schaffen, die ihren Zielen entsprechen und die Kunden oder Benutzer zufriedenstellen.

1. Problemstellung/Idee

In den letzten Jahren wurden viele Kaufhäuser geschlossen. Die Gründe dafür sind das stetig sinkende Besucherzahl und finanzielle Defizite, die oft zur Insolvenz führen. Im Jahr 2024 schlossen weitere neun Kaufhäuser des Unternehmens „Galeria Kaufhof“ endgültig ihre Türen. Dadurch stehen nun große Orte in den Stadtzentren leer. Einige Architektur- und Bauagenturen haben begonnen, Pläne zu entwickeln, um die ehemaligen Einkaufszentren beispielsweise in Wohnungen, Altenheime, Businesszentren umzuwandeln.

Die Erstellung solcher Architekturplan kann viel Zeit in Anspruch nehmen. In diesen Monaten oder sogar Jahren verfallen die Gebäude langsam, da niemand die pflegt.

Um die lange Wartezeit zu benutzen, biete ich eine Lösung, die schnell montiert, verändert und wieder entfernt werden kann und somit eine Wiedereröffnung der ehemaligen Kaufhäuser ermöglicht.

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2. Recherche & Analyse

Ursprünglich habe ich mich lang mit einigen anderen Themen beschäftigt, bevor ich auf das Problem der geschlossenen Kaufhäuser gestoßen bin. Deutschland ist das Ziel vieler Einwanderer, die ein stabiles Einkommen und bessere Arbeitsmöglichkeiten suchen, studieren wollen oder nach Ruhe streben. Aufgrund der steigenden Bevölkerungszahl steigt auch die Nachfrage nach Wohnungen, unabhängig davon, ob man eine Wohnung kaufen oder mieten möchte. Tatsächlich ist die Zahl der verfügbaren Wohnungen begrenzt. Zusätzlich ist der Neubau stark aus unterschiedlichen Gründen wie Preisen, Zinsen, Standards eingeschränkt. Die Situation wird noch erschwert, weil ein großer Teil der Bevölkerung bevorzugt, allein zu leben.

Andererseits existieren diese enormen, leeren Orte in den Stadtzentren, die man ständig schließen muss. Hier entsteht die Frage: Ist es möglich, ein ehemaliges Kaufhaus in eine Wohnanlage umzuwandeln? Auf diese Weise könnten diese Räume vollständig genutzt und an die neuen gesellschaftlichen Bedürfnisse angepasst werden. Leider stellt sich wieder das Problem, dass es lang dauern wird, um solche Architekturprojekte erfolgreich zu erstellen und umzusetzen. In dieser Zwischenzeit bleiben die Orte leer, ohne Ziel und Perspektive. Und es ist kein Einzelfall, sondern findet man in ganz Deutschland solche leerstehenden Gebäude.

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3. Konzept

Die entdeckte Herausforderung hat mich dazu motiviert, die potenzielle Lösung als Konzept zu entwickeln. Ein modulares System ermöglicht die flexible Bewegung „weicher“ Wände aus Textilien, die kurzfristig (von einigen Stunden bis zu mehreren Monaten) kleine Räume schaffen. Diese Räume können Privatsphäre im größeren Raum anbieten, der beispielsweise als Coworking Space, Café, Workshop usw. genutzt werden kann.

Unternehmen und Geschäfte, die einen Teil der Etage gemietet haben oder besitzen, können der Ort mithilfe einer anderen Art von Wänden gestalten. Diese Wände bestehen aus hartem Material (Beispiel: Leichtbeton) und werden festmontiert. Im Unterschied zu den „weichen“ Textilwänden schaffen die „harten“ Wände größere Räume, die von den Unternehmen und Geschäften über mehrere Jahre genutzt werden. Wenn sie das Kaufhaus verlassen, werden die „harten“ Wände demontiert.

4. Entwicklung des Modules

Das einzelne Modul wird in Form eines Viertelkreises hergestellt und verfügt über Schienen, die sowohl dem Viertelkreis als auch die Modulecken folgen. Durch die kann man die weichen Wände bewegen.

In der ersten Version, die ich in Blender erstellt habe, habe ich nur eine Schiene verwendet, die es ermöglichte, runde Räume zu gestalten.

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Nach einem Gespräch mit meinen Betreuern kam die Idee auf, das ganze Potenzial des Systems zu testen und dem Modul mehrere Schienen hinzuzufügen.

Mit zweiter Modulversion kann man nicht nur runde und eckige Räume gestalten, sondern auch verschiede Objekte wie Lautsprecher, Kameras, Lichtquellen usw. innerhalb des Systems bewegen. Die Vielfalt in der Objektliste hängt nur von der Unternehmens- oder Geschäftsart und dessen Bedürfnissen ab. Das System funktioniert ähnlich wie das Schienensystem einer Bahnstrecke. Der Unterschied liegt in der Positionierung der Schienenmodulen – die werden an die Decke jeder Kaufhausetage montiert.

Wichtig zu beachten ist, dass vier Module eine Einzelheit bilden, die später an der Decke jeder Etage befestigt wird.

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5. Kaufhaus Celle

Als Anwendungsbeispiel habe ich das Kaufhaus in Celle gewählt, das seit 2023 geschlossen ist und noch keine klare Zukunft hat. Obwohl im letzten Jahr ein Wettbewerb durchgeführt wurde, um ein geeignetes Entwicklungsprojekt für das Gebäude zu finden, wurden bisher keine Fortschritte bekannt gemacht. Die Preise wurden verleihen, aber es fehlt bis heute an weiteren Nachrichten über eine mögliche Realisierung eines der angebotenen Architekturprojekte.

Diese Situation veranschaulicht deutlich, wann mein System zum Einsatz kommen kann.

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5.1 Grundriss

Im ersten Schritt habe ich den Architekturplan des Gebäudes genommen und ein Raster verwendet, um die Räume für die verschiedenen möglichen Unternehmen und/oder Geschäfte zu definieren. Danach werden die harten Wände gestellt und abschließend folgt die Installation der Module, die nicht die gesamte Etage abdecken sollen, sondern nur die Bereiche davon, bei denen bewegliche Wände benötigt werden. In Räumen wie z. B. Treppenhäusern, Toiletten oder Gärten werden nur harte Wände oder Glas (Fenster) verwendet.

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5.2 Explosionsansicht

Um die Schritte beim Bau des Systems besser zu veranschaulichen, wurde eine isometrische Ansicht erstellt.

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6. Co-Working Space

6.1 Umsetzung & Ergebnis

Zur Präsentation des Schienensystems habe ich in Blender einen Co-Working-Büro gebaut, in dem verschiedene Teams mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen normalerweise in gemieteten Räumen arbeiten. In dieser Umgebung können sie ihre Räume nach ihren Bedürfnissen gestalten und mehrmals anpassen, wenn es notwendig ist.

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Auch die Möbelstücke (Tische, Stühle, Sessel) können auch gemietet werden. Für dieses Beispiel habe ich entschieden, Möbel mit Klappmechanismen zu verwenden, da die leicht zusammengeklappt und bei Nichtgebrauch in einem anderen Raum verstaut werden kann. Die kleineren Stühle können vom Personal beispielsweise in seinem Büro verstauen, während die größeren Tische und Sessel in einem anderen Raum gestellt werden.

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6.2 Video (Blender Animation)

Ein kurzes Video von 36 Sekunden wurde in Blender für diese Dokumentation erstellt. Das Hauptziel ist es, die Bewegung der weichen Wände zu präsentieren. Gleichzeitig möchte ich dem Zuschauer das Gefühl vermitteln, als ob er tatsächlich in diesem Raum steht und mit einem Handy ein Video aufnimmt. Um diesem Scenario näherzukommen, habe ich mit Tiefenschärfen und unkontrollierten Kamerabewegungen gespielt, die oft auftreten, wenn man ein Video macht.

7. Ausblick

Das Co-Working Space ist nur eine von den möglichen Anwendungen des Systems. In Zukunft können weitere Räume mit unterschiedlichen Funktionen gebaut werden, um das System getestet und angepasst zu werden.

Durch viele Testsituationen können auch neue, verbesserte Schienenmodule entwickelt werden, die eine schnelle und leichte Bewegung die Wände ermöglichen können. Zudem muss man mehr über die möglichen Materialien recherchieren, aus denen die beiden Arten von Wänden hergestellt werden. Vielleicht wäre es sinnvoll, sie in verschiedenen Versionen anzubieten.

Zum Schluss könnte man über das Design und die Funktionalität der anderen Objekte nachdenken, die ebenfalls durch das System bewegt werden können.

8. Fazit

Der Kurs war wie eine Achterbahn – im positiven Sinne.

Zu Beginn des Semesters fühlte ich mich überfordert. Ich habe viel Zeit in die Research-Phase investiert, um ein gutes Thema zu finden, das ich unbedingt realisieren will. Da ich keine Vorkenntnisse mit den Programmen wie Unity und Holodeck hatte, war ich unsicher, ob ich alles bis zur DDS (Dessauer Design Show) schaffen würde. Zum Glück habe ich eine große Unterstützung von meinen Betreuern bekommen, wofür ich sehr dankbar bin.

Trotz der (un)erwarteten Schwierigkeiten, die bei der Ausarbeitung jedes Projekt natürlich auftreten, hatte ich die Möglichkeit, die VR-Welt zu erkunden, was meinen Blick auf die nahe Zukunft erweitert hat.

Abschließend möchte ich noch meine Gedanken zur DDS äußern. Die wichtigen Erfahrungen, die ich während des Kurses gesammelt habe, wären weniger bedeutend gewesen, wenn die Projekte nicht auf DDS präsentiert worden wären. Für mich (und ich glaube auch für die ganze Gruppe) war es ein unvergessliches Erlebnis, das diesen Kurs eine neue Bedeutung gegeben hat – die Räume, die für die Menschen der Zukunft geschaffen wurden.

9. Holodeck

Erste Snapshots vom Holodeck-Raum.

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Finale Version: Co-Working Space in Holodeck (unter).

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10. DDS Poster

space_in_motion_maria_vacheva.pdf PDF space_in_motion_maria_vacheva.pdf

11. Quellen/Modelle

11.1 Recherche

Kaufhaus: https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/galeria-karstadt-kaufhof-diese-filialen-schliessen-a-d8c04a40-6efa-46db-9ea2-45fe9319e584

Baubranche: https://www.nevaris.com/blog/wie-geht-es-der-baubranche/

Wohnkrise: https://wohnkrise.de/ursachen

Nachfrage nach Wohnungen (Studie): https://www.immobilienscout24.de/unternehmen/news-medien/news/default-title/jeder-zweite-sucht-laenger-als-ein-jahr-nach-einem-neuen-zuhause/

Wohnsituation privater Haushalte 2022 in Deutschland: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Wohnen/ergebnisse_zusatzprogramm.html#

Kaufhaus-Krise: https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/wirtschaft/kaufhaus-galeria-karstadt-umbau-e712945/?reduced=true

Wohnen im Karstadt: https://www.thepioneer.de/originals/wohngold/articles/wohnen-im-karstadt

Karstadt Celle: https://www.cz.de/lokales/celle-lk/celle/ende-einer-aera-karstadt-celle-schliesst-ende-juni-fuer-immer-32AE5EB7B4FEB5A2655B743AAA.html

Karstadt Celle: Preisverleihung des interdisziplinären Wettbewerbs: https://celler-presse.de/2024/06/20/karstadt-celle-preisverleihung-des-interdisziplinaeren-wettbewerbs/

***

Dooor Inspiration: https://dooor.it/en/about/

11.2 Grundriss

Kaufhaus Celle: Grundriss: https://www.heinze.de/architekturobjekt/kultur-und-kreativzentrum-in-der-altstadt-von-celle-transformation-des-karstadt-kaufhofs/13181439/

11.3 Modelle

Personenmodelle: Bibliothek für das Studioprojekt: https://www.fab.com/listings/4f89a0f2-9ec6-440c-ab17-9de823a403e4

Laptop: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+laptop+order:_score+availability:free

Laptop charger: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+laptop+order:_score+availability:free

Dell Monitor: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Dell+monitor%2024%20inch%20S2421HN+order:_score+availability:free

Wireless dell keyboard and mouse kit: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Dell+monitor%2024%20inch%20S2421HN+order:_score+availability:free

Foldable Desk & Upper Bar Stool: www.blenderkit.com (Not available)

Pack Bag: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Pack+Bag+order:_score+availability:free

School bagpack: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+School+bagpack+order:_score+availability:free

Pencil case: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Pencil+case+order:_score+availability:free

Height adjustable table FlexiSpot: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Height+adjustable%20table%20FlexiSpot+order:_score+availability:free

Laptop Bag: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Laptop+Bag+order:_score+availability:free

Leather bags/ handbags:

https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Leather+bags/%20handbags+order:_score+availability:free

https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Leather+bags/%20handbags+order:_score+availability:free

Microphone: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+microphone+order:_score+availability:free

***

Lampe-Inspiration: https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:model+Spherical+Modern%20Ceiling%20Lamp+order:_score

11.4 HDRIs (in Holodeck)

https://www.blenderkit.com/asset-gallery?query=category_subtree:hdr+mariensztat+order:_score

Ein Projekt von

Fachgruppe

Intermediales Design

Art des Projekts

Studienarbeit im Masterstudium

Betreuer_in

foto: Prof. Mathias Jüsche foto: Peter Kutz

Zugehöriger Workspace

Studio . Zukunft:Raum . W-2024

Entstehungszeitraum

Wintersemester 2024 / 2025

Keywords