In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Jeder von uns hat ein zufälliges Musikstück ausgelost bekommen mit der Aufgabe, ein Video beliebiger Art zu erstellen – sei es ein real gefilmter Clip, eine Animation oder eine andere Form. Aber es soll zum Thema „Schnitt“ passen.
Ich habe mir mein zugelostes Stück voller Freude direkt in der Bahn auf dem Heimweg angehört. Es kam jedoch alles anders als gedacht.
Meine ersten Gedanken zur Musik war: Was zur Hölle ist das???
Ich konnte damit absolut nichts anfangen, ich hatte keine Bilder im Kopf und starrte einfach nur gerade aus. Ich höre zu ohne wirklich zuzuhören, in meinem Kopf gingen nur Sachen rum wie: „Das darf ich mir jetzt zwei Wochen lang täglich anhören… danach kann ich ja direkt eingewiesen werden“.
Nützt ja alles nichts, zuhause ging es dann in die Analyse.
Grundlegend besteht das Stück aus drei Teilen und es kommen passen dazu drei Instrumente vor. Ein Becken, welches dauerhaft zu hören ist, eine Basstrommel, welche im ersten Teil eine große Rolle spielt und Klangstäbe, die im zweiten Teil vorkommen. Im Dritten Teil kommen noch einmal alle Instrumente zusammen.
Da ich zur Musik keine Bilder direkt im Kopf hatte, wollte ich mein Empfinden beim hören passend zum Aufbau des Stücks wiedergeben.
Ein krabbelnder Tausendfüßler, der in allen Teilen des Stücks wiederzufinden ist. Augen aus dem Grund, dass ich Anfangs einfach nur geradeaus starren musste. Eine Art „LSD Trip“, da ich wie in Trance war (zuhören ohne wirklich zuzuhören). Der generelle Vibe sollte eher ekelig sein, da ich mit dem Stück garnichts anfangen konnte.
Urgedanke: Schnittstelle zwischen zwei Extremen: ekel/düster - bunt/strahlend. Das Ganze war mir aber zu einfach.
Aus dem Grund habe ich mich für einen neuen Einstieg entschieden, obwohl ich eigentlich nicht als Person in dem Video zu sehen sein wollte.
Das führte zu einer weiteren Schnittstelle.
Jetzt sind es die Schnittstellen zwischen: der Wirklichkeit (Realität), der Sinnes-Wahrnehmung und der Perzeption.
Gedanken zur Umsetzung:
1. Abschnitt: In der Wirklichkeit
- Zoom ins Auge mit halber Drehung – Übergang in die „Sinnes-Wahrnehmungs-Ebene“ (Auge sieht alles auf dem Kopf)
2. Abschnitt: Haut und Tausendfüßler sind zu sehen
- Haut und Realismus, dass der Zuschauer richtig eindringt und den Tausendfüßler vielleicht sogar auf eigener Haut spüren kann (Sinnes-Wahrnehmung)
- Tausendfüßler krabbelt in ein Loch – nächst tiefere Ebene (Unterbewusstsein)
3. Abschnitt: Unrealistisches, leuchtendes Konstrukt
- Unterbewusstsein (Perzeption): Der Zuschauer soll nicht verstehen wie das Konstrukt funktioniert oder wissen worauf er/sie überhaupt schauen soll. Das soll einerseits ein Bezug auf mich haben: Zuhören ohne wirklich zuzuhören aber auch, dass wir Menschen keine Ahnung haben wie unser Gehirn funktioniert geschweige denn das von einer anderen Person.
- Zoom aus einem Auge heraus: Übergang in höhere Ebene.
4. Abschnitt: Wieder realistisch angehaucht
- Zwischenebene wo sich die Sinnes-Wahrnehmung und die Perzeption trifft. Bezug auf den Liedabschnitt, in welchem Basstrommel und Klangstäbe zusammen spielen. Indem die Umgebung realistisch ist aber ein Auge anfängt in ein unrealistisches Konstrukt zu verfallen.
5. Abschnitt: Wieder in der Wirklichkeit
- Tausendfüßler erscheint auch da, wie auch das Becken, welches in jeden Teil des Lieds vorkommt.
Offene Frage, welche Realität ist für uns wichtig? Die Realität der Wirklichkeit, die Realität wie wir Sachen wahrnehmen oder was unser Gehirn mit der Wahrnehmung der Wirklichkeit macht?
Blender - generelle Animation
Shapelap/VR - Modellierung des Tausendfüßlers
Premiere Pro - Zusammenschnitt von Musik & Animation
Einzelarbeitsschritte in Blender (vereinfacht):
Modellierung:
- 3D Scan Wohnzimmer - Nachbildung in Blender
- Hautoberfläche
- Augen
- Tausendfüßler (High-Poly, Low-Poly)
- Unrealistisches Konstrukt erstellen (mithilfe von Modifiers: Displace, Smooth, Solidify, Wireframe, Mirror)
- Nachmodellierung Schreibtisch mit Ohrmuscheln von meinem Kopfhörer damit ich dem Tausendfüßler mit passenden Schatten in das reale Video einfügen kann
- Mit Partikel-System Haare auf die Haut gesetzt
In Szene setzen:
- Modell vom Mensch richtig positionieren (passend zum realen Video)
- zahlreiche versuche den Tausendfüßler zu animieren: Bones mit Curve-Modifier geht nicht, Bones mit Copy Rotation und anderen Modifiers funktioniert nur bedingt. Ohne Bones nur mit Curve-Modifier und Shape-Keys für Beinanimation hat funktioniert, aber mit mehr Zeit gibt es bestimmt bessere Lösungen.
- Path für Tausendfüßler bestimmen. Probleme mit Shrinkwrap-Modifier… und mehr.
- Kameras mit jeweils „Emptys“ für Blickrichtung und Fokuspunkt animieren und abstimmen.
- Augen animieren
- Unrealistischen Konstrukt dem Beat anpassen. EQ Addon und Smooth-Modifier per „Driver“ einer bestimmten Ton-Frequenz zuweisen.
- Haut aufschneiden durch den Tausendfüßler
…
Erstellen von Texturen:
- Haut, Fleisch, Tausendfüßler, Augen, Konstrukt
- Auge wird wie im Film „Der andalusische Hund“ aufgeschnitten und eine Flüssigkeit tritt aus.
- Erste Modellierung des Tausendfüßlers
- verschiedenste Pfade an denen der Tausendfüßler entlangläuft
- Augentexturen
- Leuchtendes Fleisch (passend zum Beat)
-Zwei weitere Versuche für den 3. Teil (Trance)
Ich habe meine Blender-Skills deutlich erweitert und verfestigt.
Mir wurde mal wieder bewusst, dass es sich auszahlt, auch an Aufgaben zu arbeiten, auf die man anfangs wenig Lust hat. Das erweitert den Horizont weitaus mehr, als ständig nur das zu tun, was man bereits beherrscht oder gerne macht.