In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Im Rahmen des Großprojekts „GP Magazin Z — inside out / Bauhaus 100“ konzipierten wir ein Magazin rund um das ehemalige Kaufhaus Zeeck. Anlass waren das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses und die dazu entstehende Ausstellung „Algen| Schutt| CO₂“ im Kaufhaus Zeeck entwickelten wir Artikel, die sich mit diesem Ort und seiner Umgebung beschäftigen.
In meinem Artikel setze ich mich mit der Rückseite des Kaufhauses Zeeck auseinander. Denn die Fassade des Kaufhauses erzählt von seiner Umgebung.
Die neu renovierte Vorderseite blickt direkt auf das Zentrum der Innenstadt, umgeben von Menschenmengen, Schaufenstern und Geräuschen.
Auf der Rückseite hingegen ragen Reihen von Plattenbauten in die Höhe. In der DDR als günstiger Wohnraum geplant, sind sie heute stille Zeugen eines überholten Selbstbildes. Dieser Ort ist heute geprägt von leer stehenden Wohnungen und Zerfall der Fassaden. Am Leben gehalten von den Menschen, die so viele Jahre dort verbracht haben, und von denen, die keine andere Wahl hatten.
Ich wollte wissen, wie dieser Ort klingt, wenn man ihm zuhört. Also habe ich mich mit den Menschen unterhalten, die dort wohnen, über ihre Erinnerungen, ihre alltäglichen Wege, ihre Gedanken zum Wandel der Umgebung.
Auf Grundlage dieser Gespräche entstehen Fotocollagen der Fassaden, auf denen fragmentierte Aussagen der Bewohner*innen erscheinen sollen.
So soll die Atmosphäre der Rückseite sichtbar und hörbar werden: die Leere, aber auch die Hoffnung derjenigen, die bleiben, sowie die Spuren der Zeit, die sich in Mauern und Fenstern wiederfinden.
Moodboard
Bevor ich ein konkretes Konzept entwickelte, besuchte ich den Ort zunächst, um ihn besser kennenzulernen. Es war ein sehr düsterer Tag, und die Atmosphäre spiegelte mein Gefühl von Leere und Stillstand wider. Währenddessen fotografierte ich beiläufig die Umgebung. Rückblickend hielten diese ersten Aufnahmen genau diese Stimmung fest und verstärkten meine erste Wahrnehmung des Ortes.
Nach der Festigung meines Grundkonzepts kehrte ich erneut zurück. Mit einem Tilt-Shift-Objektiv fotografierte ich die Fassaden der umliegenden Plattenbauten, um sie perspektivisch auszugleichen. Das stellte sich bei so hohen Häuserwänden als unmöglich heraus, da das Objektiv nicht so weit shiften kann, und ich musste im Nachhinein noch viel auf Photoshop ausgleichen.
Parallel dazu bereitete ich Interviewfragen vor, um mit den Bewohner*innen über ihre persönlichen Erfahrungen zu sprechen. Dies erwies sich zunächst als schwierig; viele hatten wenig Zeit oder zeigten Zurückhaltung. Jedoch haben einige ältere Leute, die hier aufgewachsen sind, ausführlicher darüber gesprochen, wie sich dieser Ort seit seiner Entstehung verändert hat und wie sie sich dabei gefühlt haben.
Zusätzlich notierte ich Gesprächsfetzen aus dem öffentlichen Raum. Beiläufige Bemerkungen von Passanten und Bauarbeitern. So entstand nach und nach ein breites Spektrum unterschiedlicher Perspektiven.
Außerdem verfasste ich eine Einleitung und einen Schluss, der sich wie eine Klammer um diese Zitate legt, um den Kontext zu erklären und schlussendlich einen positiven Ausblick zu geben. Denn in vielen Gesprächen wurde für mich deutlich, dass der Ort nicht ausschließlich negativ wahrgenommen wird. Viele Menschen fühlen sich ihm verbunden, verbringen hier ihren Alltag und sehen trotz Leerstand und Verfall auch Entwicklungspotenzial. Einige Gebäude werden bereits saniert und vielleicht erreicht dieser Wandel in Zukunft auch die Rückseite des Kaufhauses Zeeck.
Bildsprache
Zentrales Gestaltungselement des Artikels sind collagierte Fassadenelemente. Verwendet wurden einzelne Fenster, Platten und Ausschnitte von Fassaden aus dem Umfeld des Kaufhauses Zeeck. Durch ihre serielle Anordnung verdichten sie sich zu massiven, beinahe surreal wirkenden Wandstrukturen.
Die statische Wiederholung der Elemente erzeugt eine visuelle Schwere. Auf den ersten Blick wirken die Fassaden gleichförmig und anonym. Dennoch scheint, bei genauerer Betrachtung, jeder Ausschnitt seine eigene Persönlichkeit zu haben. Manche Fassaden wirken unbewohnt, bei anderen blättert der Putz ab. Einige Fenster sind mit Gardinen versehen, andere zugeklebt, sodass kein Blick mehr hinein möglich ist.
Um Einleitung und Schluss deutlich von den Zitaten abzugrenzen, habe ich auf der ersten und vierten Seite bewusst Weißräume eingesetzt, um eine visuelle Klammer zu bilden.
Dabei lösen sich die Fassaden auch von der starken Reihung und beginnen, scheinbar zu schweben. Damit wird ein Übergang zu dem Weißraum erzeugt und die statische Architektur wird gebrochen, um die emotionale Ebene des Inhaltes hervorzuheben.
Typografie
Den Grundstein der Typografie bildet die FK Grotesk Regular in 9 Pt, die bei den einzelnen Zitaten verwendet wird. Durch die Serifenlosigkeit ermöglicht sie eine gute Lesbarkeit vor den strukturierten Fassaden. Die Zitate sind visuell angepasst auf die einzelnen Fassaden gestellt, wobei sie je nach Situation links- oder rechtsbündig erscheinen können, um Denkpausen und Dialoge zu visualisieren.
Einleitung und Schluss sind bewusst experimenteller gesetzt. Hier steht nicht primär die Lesbarkeit im Vordergrund, sondern auch die Wirkung der Worte. Dafür verwende ich die Book Antiqua Regular in 9 pt sowie deren Schriftschnitte Bold und Italic. Durch Anpassung der Laufweite einiger Wörter entstehen unterschiedliche Wirkungen: enger gesetzte Wörter wirken gedrängt oder zurückgezogen, weiter gesetzte offener und leichter. Die Serifen-Schrift steht dabei im Kontrast zu der FK Grotesk, um sie visuell voneinander zu trennen.
Zu Beginn arbeitete ich mit Schwarz-Weiß-Bildern im Layout. Diese Variante habe ich jedoch verworfen, da die Atmosphäre dadurch zu düster und konstruiert wirkte. Die Bildwirkung verstärkte eine negative Lesart des Ortes, die meiner eigenen Wahrnehmung und den Gesprächen mit den Bewohner*innen nicht vollständig entsprach.
Zudem habe ich viel experimentiert, wie die einzelnen Fassaden und der Text zusammenwirken. Wie ich Weißraum einbauen kann, damit sich Einleitung und Schluss gut abtrennen.
Mockup
Das Projekt hat mir besonders gefallen, da ich gestalterisch viel experimentieren und hierbei einen vergleichsweise freien Ansatz verfolgen konnte. Viele Ideen für das Layout entwickelten sich im Prozess fast automatisch durch die Gespräche mit den Bewohner*innen und die Auseinandersetzung mit dem Ort.
Meine größte Lernkurve sehe ich im Vorbereiten und Führen von Interviews. Auf fremde Menschen zuzugehen, Gespräche zu lenken und dann Texte zu verfassen und auszuarbeiten. Aspekte, die ich anfangs echt unterschätzt habe, die mir schlussendlich aber am meisten mitgegeben haben.
Es war interessant, die Perspektiven der Bewohner*innen Dessaus kennenzulernen und dabei auch meine eigene Sichtweise anpassen zu müssen. Denn dieser Ort wird nicht ausschließlich negativ wahrgenommen, wie von mir anfangs angenommen. Viele Menschen verbinden Erinnerungen, Alltag und persönliche Bedeutung mit ihm. Das wollte ich im Artikel sichtbar machen, indem sich die Aussagen zum Ende hin nicht nur kritisch, sondern auch hoffnungsvoll lesen lassen und der Schluss einen Blick in die Zukunft gibt.
Ebenso hat mir das Projekt die Fotografie nähergebracht. Besonders auch im Zusammenhang mit Editorial Design habe ich richtig Lust, dahingehend später noch mehrer, auch persönliche Projekte umzusetzen.