In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Soziale Situationen rund um Körperkontakt können verwirrend sein. Vieles läuft nonverbal ab, Signale werden missverstanden und Grenzen überschritten. Es fehlt klare Kommunikation. Airmor bietet einen futuristischen Lösungsansatz. Eine Art Schutzschild aus Luft bildet sich um den Körper, sobald eine unangenehme Situation erkannt wird und signalisiert so die eigene Grenze.
Während der ersten Woche habe ich mir die Frage gestellt, wie man Körperkontakt sicherer machen kann. Mir ist aufgefallen, wie unterschiedlich die persönlichen Vorlieben sind. Manche Personen umarmen jeden Fremden zur Begrüßung, manche wollen nicht mal von Familienangehörigen oder engen Freunden berührt werden.
Darauffolgend habe ich mich gewundert, woran man denn erkennt, ob eine Person angefasst werden möchte. Natürlich kann man auch darauf vertrauen, dass die Person einfach sagt, ob sie gerade Körperkontakt möchte oder nicht. Körperkontakt passiert jedoch oft so schnell, das man, wenn überhaupt, danach erst dazu kommt sich zu äußern. Auch trauen sich viele nicht, ihre eigenen Grenzen lautstark zu verteidigen. Teilweise aus Angst, unhöflich zu wirken, oder durch eine zurückhaltende Persönlichkeit.
Umarmungen, high fives und kuscheln klingt vielleicht erstmal banal, macht aber sehr viel mit unserer Psyche. Während meiner Recherche habe ich herausgefunden, dass Körperkontakt soziale Bindungen stärkt, Vertrauen fördert und Stress reduziert. Eine Studie mit NBA Spielern zeigt, dass Teams häufiger gewinnen, wenn sich die Mitglieder vor dem Spiel berühren. Zum Beispiel durch Umarmungen, High Fives oder Fist Bumps. Körperkontakt hat also die Kraft ganze Teams leistungsfähiger zu machen. Auch die Gewaltbereitschaft sinkt durch mehr Körperkontakt.
Zusammengefasst sorgt Körperkontakt also für eine sozial zusammenhaltenden, leistungsstarken Gesellschaft, wirkt sich positiv auf die Psyche aus und sorgt für mehr Sicherheit.
Jetzt wo ich das Problem und dessen Wichtigkeit erkannt habe, wollte ich eine Art visuelles Leitsystem für körperlichen Kontakt erarbeiten. Damit sollen Missverständnisse und Ängste aus dem Weg geschafft und im Endeffekt mehr consensual Berührung ermöglicht werden.
Angefangen habe ich mit einem Anstecker, welcher durch Farben signalisiert, wo man von welcher Person berührt oder nicht berührt werden möchte. Angeordnet wie ein Blume representiert es die jeweiligen Körüerstellen. Der innere Kreis zeigt ob man von Freunden angefasst werden möchte und der äußere Kreis steht für Fremde. Die Farben funktionieren wie bei einer Ampel, wobei rot kein Körperkontakt signalisiert und grün Körperkontakt erlaubt.
Diese Version hat schnell ein paar Probleme offenbart. Zumal ist der Anstecker nicht auffällig genug. Besonders in schlecht beleuchteten Umgebungen müsste man sehr nah kommen um den Anstecker zu entiffern. Wenn dieser rot zeigt, ist es für Abstand schon zu spät.
Zudem war das wechseln der Farben alles andere als intuitiv, geschweige denn schnell.
Nachdem ich meine erste Idee verworfen hatte, suchte ich nach neuer Inspiration im Tierreich. Viele Tiere haben Schutzmechanismen um Feinde abzuwehren. Besonders ist mir dabei der Kugelfisch aufgefallen. Dieser kann bei einer Gefahrensituation seine Oberflächenstruktur verändern und wechselt so zwischen ungefährlich zu abschreckend.
Das gleiche Prinzip habe ich übernommen um eine Jacke zu entwerfen, welche nach belieben spikes aus den Seiten der Ärmel kommen lassen kann.
In Onshape wurden die spikes modelliert und dann 3D gedruckt. Über einen Faden werden die spikes verbunden und können durch einmal ziehen ausgefahren werden.
Auch hier gab es ein paar Kritikpunkte. Einerseits wirkte die Jacke zu gefährlich. Es kamen unter anderem bedenken zur Verletzungsgefahr. Zwar soll die Jacke vor ungebetenem Körperkontakt abschrecken, Angst machen soll sie dabei jedoch nicht. Es soll trotzdem eine freundliche, soziale Stimmung gewahrt werden.
Weitere Probleme gab es bei der Mechanik. Das öffnen der Spikes ging relativ einfach, einen Schließmechanismus zu finden dann weniger.
Anstatt von spikes habe ich mich schließlich für eine andere Art der Abschreckung orientiert. Sich größer wirken lassen, um Feinde einzuschüchtern. Ich habe mit dieser Idee eine Jacke entwickelt, welche Luftpolster aufpustet, sobald eine unangenehme Situation erkannt wird. Somit kann man sich wortwörtlich den Platz nehmen, den man braucht und andere Personen auf freundlicher Art und Weise abweisen.
Das leicht asymetrische Design und die unterschiedlich großen Luftkugeln wirken wie eine Art Ausschlag und bieten so einen weiteren Faktor der Abschreckung.
Die Luftkugeln bestehen aus TPU Gewebe, welches durch hohe Temperaturen schmilzt. Dies bot mir die Möglichkeit, den Stoff miteinander verschmelzen zu lassen und so eine Luftdichte Form erstellen zu können. Im inneren der Jacke sind die Kugeln mit Schläuchen verbunden und schließlich mit der Luftpumpe vernetzt.
In futuristischer Weitsicht soll die Luftpumpe über Gehirnwellen gesteuert werden um automatisch aktiviert zu werden, sobald Gefahr erkannt wird.