In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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(Aus dem Workspace gekürzt)
Im Kurzprojekt haben wir mit dem Medium Zeichnung und Algentinte, entstanden durch die Arbeitsgruppe für Biochemie und Algentechnologie des FB7, experimentiert. Es diente inhaltlich der künstlerischen Materialforschung und einer intensiven Auseinandersetzung mit Substanzen zur Konsistenzveränderung der Algentintenproben. Aus anfänglichem Mangel an Tinte wurden weitere Bioprodukte als Farbquelle herangezogen (Rote Bete, Kurkuma, Kaffee, Spinat, etc.)
Die Ergebnisse sollen in einer Ausstellung bei der Forschungsgruppe Biochemie und Algentechnologie landen.
Gestalterisch sollte vom Gegenständlichen bis hin zum Abstrakten mit der Kombi aus verschiedenen Inhalten und Materialien gespielt werden.
Ziele waren frei und intuitiv zu beginnen, um dann in ein persönliches Thema zu finden und sich darin zu vertiefen und neue Möglichkeiten der Ausdruckweise zu finden.
Material
Ich habe entschieden mich erstmal auf ein Material zu konzentrieren und wie sich dieses mit der Algentinte verarbeiten lässt. Später habe ich im Sinne der Bildkomposition noch mit Gemüsesäften experimentiert.
Das Material meiner Wahl ist Kohlestaub gewesen. Für mich hat sich das angeboten, weil es als natürliches Pigment die Farbintensität der Tinte verstärken kann, ohne, dass mit großen Veränderungen über die Zeit zu rechnen ist. Die Mischverhältnisse reichten dabei von 1:7 bis hin zu 1:3, bis sich der Kohlestaub nicht mehr in der Tinte lösen wollte und ein Niederschlag im Glas zurückblieb.
In der ersten Zeichnung habe ich die Tinte als Lasur mit Pinseln über die fertige Fineliner/Tintenzeichnung aufgetragen und so zusätzlich etwas Tiefe erzeugt. In der zweiten dagegen habe ich die Algentinte mit Gemüsesaft zum Aufbau von Kontrasten und Formen genutzt und dabei sowohl Pinsel als auch Zeichenfedern genutzt. Die Tinte lässt sich in der ersten Schicht sehr genau mit einer Feder aufragen, sodass exakte Linien entstehen können.
Probleme und Erkenntnisse
In der ersten Tinte war der Wasseranteil höher, was die Trockenzeit zwischen den Schichten sehr verlängert hat. Außerdem wurde dadurch die Papierstruktur aufgeraut, sodass es unmöglich war in späteren Schichten noch genaue Linien zu zeichnen. In unserer Gruppe wurden auch verschiedene Papiersorten genutzt, was allerdings keine Auswirkungen auf dieses Phänomen hatte.
Durch die geringe Deckkraft der Tinte waren mehrere Schichten für einen intensiven Farbauftrag nötig, aber dafür ließen sich Pigmente, bis zu einem gewissen Maß, leicht in die Tinte mischen.
In der zweiten Charge Tinte war mehr Alkohol vorhanden, was die Trockenzeit sehr verkürzt hat, jedoch geruchlich beim Arbeiten unangenehmer war. Die Farbintensität der Tinte wurde dadurch leider nicht beeinflusst, wie eigentlich geplant.
Die Gemüsesäfte (Rote Bete und Kurkuma) hatten zwar eine sehr intensive Farbe, bei der Roten Bete hat sich aber schon während des Projekts ein leichtes Verblassen feststellen lassen (siehe Zeichnung 2; Stiefel oben rechts gegen Turm unten links, zwei Tage unterschied), abgesehen davon, dass der Saft nach einigen Tagen auch im Glas Schimmel gebildet hat.
Ich habe beim Zumischen von Kohle gemerkt, dass sich manche Partikel erst nach einigen Tagen richtig gelöst haben und die Tinte dementsprechend immer dunkler wurde. Vorher bildete sich nach dem Trocknen auf Papier eine dünne verwischbare Schicht Kohlestaub. Filtern der Tinte wäre dabei vielleicht der passende Schritt.
Natürlich geht auch der blaue Farbton der Tinte durch die Kohle verloren, aber so lassen sich gute Grau-Abstufungen schaffen.
Bei kleinen Fehlern kann die noch feuchte Tinte mit Zitronensäure 'gelöscht' werden und auch nach dem Trocknen lässt sie sich in Maßen nochmal mit Wasser anheben, wodurch bei mir das Grün zustande kam.
Mit blauem, magenta und gelbem Pigment, ließen sich dementsprechend weitere Farben mischen, auch ohne zusätzliche Säfte oder Pigmente (bspw. grüner Spinatsaft). Ohne also die Langzeitentwicklung einzubeziehen, bietet sich -zumindest kurzzeitig- ein großes potenzielles Farbspektrum.
A4 PDF voll
Detailansichten
A4 PDF voll
Detailansichten
Dieses Kurzprojekt habe ich gewählt, weil ich gerne Zeichnerisch arbeiten wollte und das Material Algentinte aus der Beschreibung heraus ansprechend fand. Ich finde es gut, dass in diesen KPs die Möglichkeit zum Experimentieren und freien Arbeiten besteht.
Mir ist während des Arbeitens aufgefallen, wie sehr sich meine Arbeitsweise mit meiner Einstellung zu dem Bild ändert. Die erste Zeichnung habe ich zu Beginn als eine Art Probe gesehen und dementsprechend spontan und hemmungslos die Bildelemente platziert, und gezeichnet, ohne darüber nachzudenken. Sobald dieses Blatt als Abgabe feststand, habe ich jedes neue Element vorher überdacht und vorsichtiger gearbeitet, was ich auch teilweise in der Linienführung erkennen kann. Ich persönlich finde den radikaleren Farbauftrag interessanter und spannender im Prozess selbst, aber ich denke auch das ist eine Frage der Übung und Gewohnheit diesen kontrollierenden Teil des Kopfes temporär zurückzustellen.
In der zweiten Zeichnung fiel es mir viel leichter die Blattfläche zu füllen. Einerseits lässt sich die Tinte mit einem Pinsel flächiger auftragen als ein Fineliner es kann, andererseits ist der Farbauftrag durch die geringe Deckkraft der Tinte auch nicht so final, und die 'Angst' vor Fehlern ist geringer. Nicht gelungene Partien verschwinden im weiteren Farbauftrag. Die Arbeit erinnerte an schwach pigmentierte Aquarellfarben.
Ich hatte viel Spaß am Experimentieren und Arbeiten mit der Tinte und den Gemüsesäften, und fand die thematische Freiheit sehr angenehm. Ich hoffe die Tinte wird in Zukunft noch weiterentwickelt wird, weil das Material wirklich viel Potenzial bietet, wie aus dem Gespräch mit Frank Langguth hervorging. Außerdem bin ich sehr gespannt zu sehen, inwiefern sich die Tinte im Kontakt mit äußeren Einflüssen verändern wird.
Ich denke das Spektrum der Tinte (rot, grün, blau,...) könnte in einem weiteren KP gut erforscht werden, so wie in unserem Zoom Meeting angesprochen wurde.
Im Bezug auf den Zeichnerischen Aspekt finde ich perspektivisches Arbeiten, welches über die Grundlagen hinausgeht, sowohl spannend als auch hilfreich für andere Kurse. Eventuell auch mit Bezug auf das Zeichnen von realen Objekten/Menschen/Architektur, etc. (statt vom Foto abzuzeichnen), da das auch im Kurs eine gewisse Herausforderung dargestellt hat.