In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
(aus dem Workspace, gekürzt)
In diesem Kurzprojekt haben wir mit Algentinte gearbeitet, die uns vom Fachbereich 7 (Biochemie und Algentechnologie) aus Bernburg zur verfügung gestellt wurde. Wir haben zeichnerisch mit der Tinte experimentiert und ihr verhalten mit anderen natürlichen Farbstoffen wie z.b Rote-
Beete-Saft oder Zitronensaft beobachtet und dokumentiert.
Inhaltlich diente dieses Projekt der künstlerischen Materialforschung und einer intensiven Auseinandersetzungen mit Substanzen zur Konsistenzveränderung der Probe.
Die Ergebnisse wurden in einer kleinen Ausstellungen im Lyzeum präsentiert und sollen später im Fachbereich 7 ausgestellt werden.
Einstieg
Wir haben in diesem Kurs auf einem A2 Format gearbeitet, was sich doch relativ überwältigend anfühlen kann. Auf einmal wird man mit ganz viel weißer Fläche konfrontiert und der Aufgabe, diese irgendwie zu füllen.
Um diese Hürde also zu überwinden haben wir das Format zwei mal gefaltet, sodass man nun mit vier A4 Formaten arbeiten konnte. Die Idee war, diese kleineren Formate mit individuellen Zeichnungen zu füllen und am Schluss alle vier Teile zeichnerisch zu einem Bild zu verbinden.
Das Thema “Fische” hat sich mehr oder weniger unterbewusst in den Kurs geschlichen und zieht sich durch einen Großteil der Zeichnungen.
Natürlich ist dies dem Medium Algentinte geschuldet, mit dem wir gearbeitet haben. Durch ihre blaue Farbe und der generellen Assoziationen zum Ozean und dessen Bewohner war es also nur eine Frage der Zeit, bis die ersten schuppigen Figuren ihren Weg auf das Papier fanden.
Und natürlich habe auch ich mich diesem vielseitigen Thema bedient. :)
Experimente
Da wir in der ersten Woche nicht sehr viel Tinte hatten (500ml anstelle der gewünschten 5 L), musste mit dem vorhandenen Material vorsichtig umgegangen werden.
Ich begann also erst ein mal wenig Tinte mit verschiedene anderen Säften und Farbstoffen zu vermischen und die Färbung dieser Gemische auf dem Papier zu untersuchen, auch im Kontrast zu der puren Tinte.
Bei der Mischung von Tinte mit Sojasauce und Kurkuma wurde das helle Blau der Tinte quasi komplett vom Gelb des Kurkumas geschluckt und dann durch die Sojasauce noch verdunkelt. Die dabei entstandene Farbe geht in die Richtung Khaki. (Und sie war tatsächlich auch sehr geruchsintensiv)
Danach habe ich die Tinte noch mit anderen Säften wie Zwiebelsaft und Rotkohlsaft gemischt, welche im Farbspektrum etwas näher am Blau der Tinte waren.
Mit diesen Gemischen brachte ich dann auch die ersten Figuren auf mein Format, anfangs noch in Form von einfachen farbigen Formen. Sobald diese dann getrocknet waren (was durchaus etwas dauern konnte), habe ich mit Fine Liner Details eingezeichnet und so sie körperlosen Formen in detaillierte Figuren verwandelt. Diese Technik habe ich auch bei einem Großteil der Zeichnungen auf meinen beiden Formaten angewendet.
Vor allem bei den Zeichnungen von Gebäuden und Architektur habe ich das ganze jedoch umgedreht. Dort habe ich erst die Umrisse mit Fine
Liner festgehalten und anschließend mit Tinte oder Tintengemisch
Schatten und Tiefe erzeugt.
Probleme
Was definitiv ein Problem — wenn auch kein großes — darstellte, war die Trockungszeit der Tinte. Sie brauchte tatsächlich relativ lange, wodurch ich mich mehrmals in der Situation fand, wartend vor meinem Blatt zu sitzen ohne wirklich die Möglichkeit aktiv weiter zu arbeiten.
Außerdem war das Blau der Tinte zwar schön aber auch sehr hell. Ein Mehrfachauftrag war auch nur bedingt möglich, da früher oder später das Papier leider nachgab. Eine Lösung dafür war die Mischung der Tinte mit Kohlestaub. Das hatte aber wieder den Nachteil, dass das Blau dadurch auch an Sättigung verlor.
Ebenfalls problemanfällig waren Fruchtsäfte wie Granatapfelsaft. Dieser hatte zwar eine sehr schöne intensive lila Farbe, jedoch machte der hohe Zuckergehalt die aufgetragene Stellen sehr klebrig. Dadurch dauerte es Tage, bis er komplett trocken war und selbst dann war es unglaublich schwierig mit Fine Liner Details einzuarbeiten; teilweise nahezu unmöglich. (Es gab definitiv mehr als einen Crashout)
Und dann gab es noch ein Problem, das mich circa nach der Hälfte der Projektzeit ereilte: ich war mit meinen Zeichnungen nicht so zufrieden und der Überzeugung, ich müsste sie jeweils in der Mitte zertrennen und mit dem jeweils anderen neu arrangieren. Genau das hab ich dann auch getan.
Bei mein erstes Bild fiel es mir anschließend leichter, die vier Einzelformate zu einem großen Format zu verbinden.
Bei dem zweiten Bild jedoch war es bis zum Ende eine Herausforderung, eine Einigkeit zwischen den beiden Teilen zu erzeugen. Selbst mit dem Hippocampus (blaues Fisch-Pferd), der auf beiden Bildhälften präsent war, war immer noch eine sehr klare visuelle Linie erkennbar.
Erkenntnisse
Mit unter am spannendsten fand ich eigentlich das Arbeiten mit Rotkohlsaft. Dieser ist im nassen Zustand ja bekanntlich eher dunkelpink gefärbt. Sobald er dann aber anfängt zu trocknen wandelt sich seine Farbe
langsam und am Ende ist es ein richtig schönes dunkelblau, dass sich vor allem sehr gut durch mehrfachen Auftrag in seiner Intensität aufbauen lässt.
Ebenfalls sehr spannend war die Reaktion der verschiedenen Säfte auf
Zitronensaft. Besonders gut konnte man den Effekt bei Granatapfelsaft und Rote-Beete-Saft beobachten, dessen lila-artigen Töne sich unter Anwendung des Zitronensaftes in ein kräftiges Pink verwandelten.
Die Algentinte selber hatte leider keinen besonderen Effekt auf die Zitronensäure.
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Detailansichten
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Detailansichten
Der Kurs war für mich sehr erfolgreich und auch sehr aufschlussreich.
Mit analogem Zeichnen hatte ich mich schon eine Weile nicht mehr beschäftigt, weshalb ich sehr viel Spaß daran hatte in diesem Kurs wieder aktiv mit Stift und Papier zu arbeiten.
Ich konnte neue Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln z.b wie man ein Format sinnvoll füllt, wie sich die Ausrichtung auf die Wirkung der Zeichnung auswirkt oder eben wie man verschiedene einzelne Zeichnungen zu einem Bild zusammenfügt.
Darüber hinaus war es für mich auch spannend (und etwas herausfordernd) mich zum ersten Mal so richtig mit der Zeichnung von Gebäuden zu beschäftigen. In dem Zusammenhang dann vor allem auch mit der richtigen Setzung von Licht und Schatten.
In einem Videogespräch mit einem Mitarbeiter des Fachbereichs 7 wurde bereits die Möglichkeit von Algentinten mit anderen Farben (rot, grün) angesprochen. Ich denke, es wäre sehr spannend mit diesen neuen Farben zu arbeiten und zu untersuchen, wie diese sich verhalten. Ebenfalls könnte man schauen, wie sich die verschiedene Farben mit einander mischen. (ob z.b blaue und rote Tinte ein kräftiges lila oder violett ergeben oder ob es eher in die Richtung grau/braun geht)
Thematisch fänd ich eine ähnliche Herangehensweise wie bei diesem Kurs ganz sinnvoll — also erst auf kleinen Formaten arbeiten, die dann zu einem großen zusammengefügt wären.
Außerdem wäre es bestimmt spannend, zu untersuchen wie die anderen Algentinten auf Schwarzlicht reagieren, da zumindest die blaue Tinte pink leuchtete.
Dieser tolle Ameisenbär findet sich auf meinem ersten Bild oben links.
Und da Katrin meinte, diese Zeichnung würde sich gut als Sticker machen, gibt es hier noch ein paar Ameisenbär-Sticker-Entwürfe! :D