Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design

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KP „Die Realität ist so Praktisch“

KP „Die Realität ist so Praktisch“

Job 01: Who I am?

Aufgabe:

Erstellung einer kurzen Animation zur Selbstdarstellung oder zur Repräsentation eines persönlichen Projekts.

Für meine erste Aufgabe habe ich mich als Videospiel-Charakter dargestellt. Mein Fokus lag dabei auf dem Dolly-Zoom, um eine besondere Tiefenwirkung zu erzeugen und mich dynamisch im Bild erscheinen zu lassen. Passend dazu habe ich meine Infos wie „Level“ und „Klasse“ als Texte eingeblendet. Der gesamte Look wurde mit Pinselstrichen und starken Kontrasten gestaltet, um den Stil eines Charakter-Auswahlmenüs zu treffen.

Job 02: Fotozoom

Für die zweite Aufgabe habe ich mich für das Gemälde „Nighthawks“ entschieden, da es durch seine Architektur viele verschiedene Ebenen bietet, mit denen man gut spielen kann. Ich habe das Bild in Photoshop in mehrere Einzelteile zerlegt, um den Vordergrund, die Bar und die Personen voneinander zu trennen. In After Effects habe ich diese Ebenen dann im 3D-Raum versetzt angeordnet. Durch eine virtuelle Kamerafahrt ist so ein räumlicher Fotozoom mit einer schönen Tiefenwirkung entstanden, der das eigentlich flache Bild lebendig wirken lässt.

Job 03: Experimente

Für den dritten Job habe ich mich an einem Motion-Tracking-Projekt versucht, bei dem ich magische Runen-Effekte im Stil von „Doctor Strange“ in eine reale Videoaufnahme integriert habe. Ziel war es, die digitalen Grafiken so präzise auf meine Handbewegungen zu tracken, dass sie sich vollkommen natürlich mitbewegen. In After Effects habe ich dafür Tracking-Punkte an meinen Händen genutzt, um die Position und Rotation der Runen zu steuern. Zusätzlich habe ich mit Leuchteffekten und Partikeln gearbeitet, damit das Licht der Runen glaubhaft mit der Umgebung und meiner Kleidung interagiert.

Job 04: Counter

Für die vierte Aufgabe habe ich die Zahlen 36 bis 40 auf einem Spielplatz zum Leben erweckt. Mein Ziel war es, die Zahlen wie spielende Kinder zu inszenieren, die auf den Geräten rutschen, schaukeln oder im Sandkasten sitzen. Um die Dynamik eines echten Spielplatzbesuchs einzufangen, habe ich das Video in einem einzigen Take ohne Schnitte gefilmt. Technisch lag die größte Herausforderung im Motion-Tracking: Die Zahlen mussten über die gesamte Kamerabewegung hinweg stabil an ihrem Platz bleiben, damit sie wie natürliche, dreidimensionale Objekte wirken, die fest mit dem Spielplatz interagieren.

Job 05: Nikola Tesla

Für mein Abschlussprojekt habe ich mich – nach kurzer Rücksprache – auf eines der zentralen Einsatzgebiete aus dem Kursbriefing konzentriert: das Motion Design für Dokumentationen. Anstatt klassisches Live-Action-Footage zu tracken, habe ich historische Patente, Fotos und Baupläne von Nikola Tesla als visuelle Basis genutzt, um eine Titelsequenz für eine historische Doku zu konzipieren.

05.1: Ziel

Wissenschaft visuell begreifbar machen

Mein Hauptziel war es, dass die Gestaltung kein reiner Selbstzweck ist, sondern einen klaren didaktischen Mehrwert bietet. Der Zuschauer soll nicht nur schöne Bilder sehen, sondern die komplexe Wissenschaft und die physikalischen Prinzipien hinter Teslas Ideen wirklich verstehen. Dafür habe ich gezielt animierte Informationsgrafiken integriert: Unsichtbare Prozesse, wie etwa die unterirdische Energieübertragung (dargestellt durch leuchtende Wurzeln) oder das Prinzip der Resonanz (erklärt anhand einer simplen Schaukel-Analogie), verschmelzen direkt mit der historischen Ästhetik und machen die Fakten greifbar.

05.2: Workflow

Recherche und Materialbeschaffung

Den Anfang des Projekts bildete eine umfassende Informations- und Datensammlung über verschiedene Online-Archive. Um eine authentische visuelle Basis zu schaffen, war ich auf historische Originaldokumente angewiesen. Ein großer Pluspunkt für den Workflow war die Tatsache, dass Teslas Patente und Aufzeichnungen heute als gemeinfrei (Public Domain) gelten. Das ermöglichte mir einen unkomplizierten und freien Zugriff auf hochauflösende Baupläne und Skizzen, die ich direkt als Assets für meine Animationen nutzen konnte.

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Im nächsten Schritt ging es an die konzeptionelle und zeitliche Planung der einzelnen Szenen. Um dafür ein exaktes Gerüst zu haben, wählte ich einen audio-getriebenen Ansatz: Mithilfe der KI-Software ElevenLabs generierte ich zunächst eine professionelle Sprecherstimme, die als Erzähler durch die Dokumentation führt. Dieser Voiceover-Track war enorm wichtig für meinen Workflow, da er mir als präziser Leitfaden und festes Timing-System diente. Anhand des Sprechertextes konnte ich das Pacing exakt planen und genau festlegen, wann welche Szene beginnt und wie lange eine Kamerafahrt oder Infografik sichtbar sein muss. Zusätzlich habe ich Musik integriert, die die historische Atmosphäre unterstützt und das dramaturgische Fundament bildet. Dieses feste Audio-Gerüst gab den Rhythmus, die Schnitte und die Stimmung für die finalen Bildkompositionen in After Effects perfekt vor.

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Visuelle Skizzierung und Projektstruktur in After Effects

Basierend auf dem Audio-Gerüst erstellte ich zunächst ein grobes Storyboard für die visuelle Planung der Kernszenen. Den restlichen Gestaltungsprozess hielt ich jedoch bewusst iterativ: Viele visuelle Lösungen, feine Timings und räumliche Details haben sich erst organisch während der direkten Arbeit im Programm („Learning by Doing“) entwickelt. Um bei diesem explorativen Arbeiten technisch den Überblick zu behalten, baute ich in After Effects von Beginn an eine saubere und modulare Projektstruktur auf. Dafür legte ich eine zentrale Master-Komposition (Endkomposition) an, in der das gesamte Video entlang der Audiospur zusammenläuft. Die einzelnen Szenen und inhaltlichen Abschnitte habe ich wiederum in separate Unterkompositionen ausgelagert. Diese Arbeitsweise ermöglichte es mir, die komplexen Bildaufbauten im 2.5D-Raum Szene für Szene detailliert auszuarbeiten, ohne jemals die Kontrolle über das Timing und den Fluss des Gesamtprojekts zu verlieren.

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Die visuelle Reise: Eine Kamerafahrt ohne Schnitt

Mir war es wichtig, dass sich das Projekt nicht wie eine starre Präsentation anfühlt. Deshalb habe ich als Basis eine durchgehende Papiertextur gewählt – quasi ein endloser historischer Schreibtisch, auf dem alle Dokumente liegen. Um den Zuschauer wirklich in Teslas Gedankenwelt hineinzuziehen, wollte ich komplett auf harte Filmschnitte verzichten. Mein Ansatz war es stattdessen, eine einzige, fließende Kamerafahrt zu animieren, die sich organisch über das Papier bewegt. Durch die Parallaxverschiebung im 2.5D-Raum schweben die freigestellten Dokumente dabei immer leicht über dem Untergrund, was dem Ganzen eine schöne räumliche Tiefe gibt.

Auf dieser ununterbrochenen Fahrt steuert die Kamera gezielt die 6 Stationen meiner Geschichte an:

Szene 1 – Die Vision (Intro): Die Reise beginnt bei Teslas Porträt und seinen Blaupausen. Das setzt direkt den historischen Rahmen und holt den Zuschauer in das Thema ab.

Szene 2 – Das unsichtbare Netz (Wardenclyffe): Von den Skizzen fahre ich mit der Kamera hinüber zum Wardenclyffe Tower. Anstatt den Turm nur von außen zu zeigen, bewege ich den Blick nach unten in das Fundament. Dort habe ich die Energieübertragung durch leuchtend blaue Wurzeln animiert, um Teslas unsichtbare Idee greifbar zu machen.

Szene 3 – Die Schaukel-Metapher (Resonanz): Ohne Cut gleitet das Bild in ein altes Notizbuch zu einer Fotografie einer Schaukel. Das war mir ein besonderes Anliegen: Ich wollte das extrem komplexe physikalische Prinzip der Spannungssteigerung mit dieser simplen Metapher für jeden verständlich übersetzen.

Szene 4 – Die globale Skalierung: Danach öffnet sich der Raum zu einer Weltkarte. Animierte Funkwellen und Glühbirnen visualisieren hier, wie global und grenzenlos Tesla seine Energieverteilung damals schon geplant hatte.

Szene 5 – Der Machbarkeitsbeweis: Die Kamera schwenkt weiter zu einem historischen Stadtplan von Colorado Springs. Hier zeige ich durch aufleuchtende Glühbirnen, dass seine Theorie keine reine Fantasie war, sondern in ersten Experimenten tatsächlich funktionierte.

Szene 6 – Realität, Ruin und Vermächtnis: Zum Schluss kippt die Stimmung und ich hole den Zuschauer in die bittere Realität zurück: Das Geld geht aus, der Traum scheitert, der Turm wird abgerissen. Die Sequenz endet mit modernen Icons (WLAN, Smartphone), der offenen Frage, wie unsere Welt heute wohl aussehen würde, und Teslas sich abzeichnender Unterschrift.

05.3: Nikola Tesla: Das Wardenclyffe Experiment

Fazit

Rückblickend bin ich mit der Leistung und dem Ergebnis dieses Abschlussprojekts sehr zufrieden. Mein Ziel war es, einen kompletten Abschnitt einer Dokumentation zu gestalten, der eine komplexe wissenschaftliche Entdeckung visuell begreifbar macht – und genau das konnte ich umsetzen.

Besonders stolz bin ich auf den Workflow: In einem intensiven Zeitraum von nur sieben Tagen habe ich das Projekt von der ersten Archiv-Recherche bis zur finalen Endkomposition realisiert. Da dies mein erstes großes und vollumfängliches Projekt in After Effects war, war die Lernkurve enorm steil. Ich konnte mir in dieser kurzen Zeit eigenständig viele neue Techniken und Workflows im Programm erarbeiten. Auch wenn es im Detail natürlich immer Raum für Perfektionierung gibt, hat mir dieser iterative Prozess extrem viel Spaß gemacht und mir gezeigt, wie mächtig Motion Design als Werkzeug für die Wissensvermittlung ist.

Ein Projekt von

Fachgruppe

Integriertes Design

Art des Projekts

Studienarbeit im ersten Studienabschnitt

Betreuer_in

foto: Sven Rohloff foto: Sven Rohloff

Zugehöriger Workspace

KP „Die Realität ist so Praktisch“ SoSe 26

Entstehungszeitraum

Sommersemester 2026