In diesem 2D4D-Großprojekt tauchten wir gemeinsam in die Welt der Künstlerbücher* ein. Für die große Künstlerbücher-Sammlung des Kulturministeriums Sachsen-Anhalt und das Landesarchiv wollten wir ein digitales Archiv schaffen. Künstlerbücher kommunizieren ihre Botschaften nicht nur visuell, sondern auch in der Zeitachse (wie ein Film) und durch ihre Objekthaftigkeit/Materialität. Sie verbinden also die Aspekte, die im Integrierten Design wichtig sind. In diesem Projekt habe ich untersucht , wie sich diese besondere Mischung digital vermitteln lässt (auch, weil Künstlerbücher in klassischen Ausstellungen nicht gut präsentiert werden können). Dabei konnte ich frei entschieden, wie diese Bücher und -themen online erlebbar werden. Statt die Bücher nur zu scannen, gestaltete ich eigene Zugänge zu ausgewählten Büchern: -animierte Fotoserien und Blätter-Videos -abstrakte VR- Landschaften -experimentelle 3D-Animationen

Bücherwahl

Aus einer großen Auswahl aus Büchern habe ich mich für drei entschieden. 

Das kleine Buch der Vögel und Nester: biete mir eine interaktive Interpretation an, meine Animation könnte eine neue Perspektiven auf das Werk erzählen, ohne das Original zu ersetzen. Durch meine Interpretation können Stimmung, Gefühle und Atmosphäre noch stärker vermittelt werden und ein wichtiges politisches/ soziokulturelles Thema anspricht.

Das Gartenreich: Künstlerische Idee erweitern, durch Bewegung könnenThemen, Symbole oder Motive des Buches hervorgehoben und vertieft werden. Zusätzlich hat es einen experimentellen Charakter, eine freie Animation passt gut zu diesem kreativen Ansatz.

Collage der Rhythmen: Visuelle Einzigartigkeit, es hat einen unverwechselbaren Stil, der sich gut in bewegte Bilder übertragen lässt. Was super zu meinem Wunsch gepasst hat etwas im VR-Raum zu gestallten und eine eigene Welt zu erschaffen, die man erleben kann. Die Illustrationen erzählen bereits eine Geschichte und bieten viele Möglichkeiten für meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

1| DAS KLEINE BUCH DER VÖGEL UND NESTER

1| Über das Buch / Künstler

  • 1955 erschienen

  • von Fritz Kredel, (*1900 ✝︎1973)

  • Historische Vorlage für Zeichnungen von Heinrich Rudolf Schinz (*1777 ✝︎1861)

  • Susanne Nickel (*1967 † 2016 in Halle)

  • Künstler*innenbuch ist ein Unikat

  • Liebt „absurde“ Collagen

1| Idee

Meine gestalterische Interpretation des Buches basiert auf den Fakten, dass sich die Kolonialmächte gewaltsam über die Geschichte der Natur und der indigenen Bevölkerung hinwegschreiben. Dabei wird nicht nur Land angeeignet, sondern auch Identität, Erinnerung und historische Wahrheit werden verdrängt und überschrieben.

Mit meiner Arbeit wollte ich die politische Dimension des Buches sichtbar machen und den indigenen Menschen ihre Perspektive und Identität symbolisch zurückgeben. Durch Collagen und kurze Bildsequenzen entsteht eine Gegen-Erzählung, die verdeutlicht, wie die ursprüngliche Geschichte rekonstruiert und wieder sichtbar gemacht werden kann.

Die Recherche nach historischen Originalfotografien war dabei besonders herausfordernd. Viele authentische Zeugnisse sind nur schwer zugänglich oder wurden im Laufe der Kolonialgeschichte verdrängt, verändert oder aus dem historischen Gedächtnis gelöscht. Gerade diese Lücken verdeutlichen, wie stark die tatsächliche Geschichte der indigenen Bevölkerung überschrieben wurde.

Meine eigentliche Idee war es mitHilfe von Frame by Frame Zeichnungen, eine Geschichte zu erzählen. Dabei wollte ich die Figuren der westlichen Welt darstellen mit ihrem übermäßigen Reichtum, welchen sie sich angeeignet haben. Leider hat diese Idee aus zeitlichen Gründen nicht funktioniert, aber ich werde es in einem andern Projekt versuchen. Zwischendurch sollten Szenen aus der Kolonialzeit aufblitzen, genauso wie Zeichnungen aus der Natur (die Vögel, welche das eigentliche Thema dieses Buches gewesen sind).

1| Umsetzung

Zuerst habe ich recherchiert, wer die eigentlichen Menschen auf den Bildern sind. Dabei hat mir die Google-Bilder-Suche sehr geholfen. Einige Bilder konnte ich erfolgreich rekonstruieren, dennoch einige nicht. Das zeigt mir wie massiv die Geschichte der indigenen Völker von der westlichen Welt verändert/vernichtet wurden/werden. Die westliche Welt wird bei dem KB von deutschen Schauspieler:innen aus den 1920gern verkörpert. Dazu gibt es viele mögliche Interpretationsansätze, z.B. 

  • Identitäten werden in Bildern konstruiert und inszeniert

  • Kritik am Kolonialismus: In den 1920er Jahren wurden indigene Menschen in Europa häufig in ethnografischen Fotografien oder sogenannten „Völkerschauen“ exotisiert und stereotyp dargestellt. Die Überlagerung der Bilder kann diese koloniale Blickweise hinterfragen und ihre Mechanismen offenlegen.

  • Statt dass die westliche Welt indigene Völker betrachtet, „überdecken“ die Bilder indigener Menschen nun die westlichen Figuren. Dadurch wird die übliche Hierarchie der Darstellung umgekehrt und die Dominanz westlicher Bildproduktion infrage gestellt.

  • Geschichte der westlichen Moderne eng mit Kolonialismus und der Darstellung bzw. Ausbeutung indigener Völker verbunden ist. Auch wenn diese Verflechtungen oft ausgeblendet werden.

Nach der Recherche und Materialsuche habe ich in Premiere Pro meine Materialen importiert, sortiert und angepasst. Dann ging es an den Grobschnitt. Dort habe ich das Video zugeschnitten auf die Sequenzen, welche ich am interessantesten fande. Dabei sind mir viele Ideen in den Kopf gekommen, welche ich meist direkt umgesetzt habe. Oder ich habe sie aufgeschrieben um sie nicht zu vergessen/ später zu verwenden. 

Zwischendurch war ich im Videostudio, um Soundaufnahmen zu erarbeiten. Dafür hatte ich Unterstützung von Susanna Moosdorf mit der Geige und Maris Kirchner an der Ukulele. Dieses Material habe ich ebenfalls gesichtet und aussortiert. Dabei habe ich gemerkt, dass die Ukulele nicht mehr in mein Konzept gepasst hat, dennoch wollte ich die Sounds für ein anderes KB verwenden. Mir gefallen die schrägen Geigen Töne, die eine unbehagliche Atmosphäre schaffen sollen, genauso wie das KB.

Danach habe ich mit dem feineren Schnitt befasst, unter anderem: 

  • Bilder auftauchen lassen, den Ton auf die Grafiken anpassen 

  • Objekte genau auf das Original anpassen, Tonsegmente suchen die zur Grafik passen 

  • Deckkraft, Skalierung, Belichtung und Farbe anpassen, Lautstärke anpassen

  • Farbliche Codierung vom Footage (Orientierung im Schnitt)

  • Intro und Outro

1| Endergebnis

1| Fazit

  • Eigene Musik zu einer Animation kreieren ist gar nicht so einfach

  • Das Gefühl dem Thema nicht gerecht zu werden ist ok

  • Recherche nach historischen Originalfotografien war dabei besonders herausfordernd

  • ich habe gelernt, wie stark die tatsächliche Geschichte der indigenen Bevölkerung überschrieben wurde und nicht genug thematisiert wird

2| DAS GARTENREICH

2| Über das Buch / Künstler

2| Idee

Meine Inspiration für dieses Künstler*innenbuch kam von den Animationen von Phuc Tran. Die Animation soll den verspielten Stil des KB widerspiegeln und erlebbar machen. Zusätzlich sollten bekannte Elemente gut sichtbar sein. Der/Die Zuschauer*innen sollte Spaß am betrachten haben und die selbe kindliche Freude empfinden, wie wenn er/sie durch das KB blättert.

2| Umsetzung

Bei dieser Animation ist das Timing besonders wichtig. Dafür habe ich lange gebraucht einen passenden gemafreien Song zu finden. Und wurde auf Pixabay fündig. 

Zuerst habe ich mir eine Choreografie ausgedacht, wie sich die 2D Formen im 3D Raum bewegen könnten.

Danach habe ich Formen aus dem KB in After Effects nachgebaut, sowie Fotos aus dem original KB. Diese habe ich dann in Gruppen / Kompositionen unterteilt. Dabei war es schwierig meine Ideen in flüssige Bewegungen umzusetzen. 

Zum Glück hat mir Phuc einen Crashkurs gegeben, wie er bei seinen Animationen vorgeht. 

Danach habe ich die Bewegungen an den Sound angepasst und ein Outro gestaltet. Eigentlich wollte ich meine Animation zu einem LOOP machen, doch das hat nicht zum Stil gepasst.

2| Endergebnis

2| Fazit

Ich konnte meine Kenntnisse in Ae stark verbessern und bin zufrieden mit dem Endergebnis. Im Nachhinein würde ich vieles anders machen, wie z.B. früher mit diesem KB anfangen (ich hatte noch 3 Tage Zeit...hihi :) ). Dennoch hat es mir viel Spaß gemacht und ich würde gern mehr in diesem Stil animieren.

3| COLLAGE DER RHYTHMEN

3| Idee

ich wollte:

  • Arbeiten im VR-Raum / Holodeck
  • Darstellung von abstrakten Formen und Bewegungen
  • Emotionen hervorrufen durch Farbe, Ton und Konstellationen
  • (Interview mit Künstlerin, Ton Sequenzen)

3| Über das Buch / Künstler

3| Umsetzung

  • Erstellung von Skizzen, dadurch Überblick und Ziel

  • Erfassung der visuellen Sprache

  • Erforschung von Farbe, Form und Bewegung 
  • Eine Geschichte erschaffen

  • stundenlang im VR-Raum alles per Hand zeichnen 

  • ZWISCHENSPEICHERN

  • Kamerafahrt anlegen
  • exportieren der Kamerafahrt und in 360°
  • Datei in PremierePro schneiden
  • gemafreie Musik finden und auf die Grafik anpassen
  • In/Outro einfügen
  • im passenden Format exportieren

Bei meiner Umsetzung wollte ich die Fluchtperspektive/ Paralaxeffekt verwenden. Das heißt am Ende des Videos kann man das ganze Ergebnis aus einer erzwungenen Perspektive erkennen.

3| Endergebnis

3| Fazit

Arbeit im VR Raum ist:

  • anstrengend, macht aber umso mehr Spaß

  • Konzept vorher entwickeln ist empfehlenswert

  • Nimmt sehr viel Zeit und Rechenleistung in Anspruch

  • Wenn sich Pläne ändern ist das auch in Ordnung 

  • Datein richtig benennen, sonst verliert man den Überblick

Fazit über den Kurs

Der Kurs hat mir insgesamt sehr gut gefallen, da er viel Raum für eigenständiges und kreatives Arbeiten geboten hat. Besonders positiv fand ich das Engagement des Dozenten: Er hat stets konstruktives und motivierendes Feedback gegeben und hatte immer neue Ideen und Anregungen, die mein Projekt bereichert und weiterentwickelt haben. Auch die Exkursionen waren abwechslungsreich, informativ und eine sinnvolle Ergänzung zum Kurs.

Der Dozent war jederzeit verantwortungsbewusst, gut erreichbar und hat eine angenehme Lernatmosphäre geschaffen. Man hatte das Gefühl, in jeder Sitzung etwas Neues mitzunehmen und sich fachlich sowie kreativ weiterzuentwickeln.

Ein kleiner Kritikpunkt ist, dass die Aufgabenstellung sehr offen formuliert war. Es ist Fluch und Segen zugleich. Zwar bot dies viele Freiheiten, gleichzeitig hätte ich mir an einigen Stellen mehr Orientierung und klarere Richtlinien gewünscht, um den Arbeitsprozess besser strukturieren zu können. Der Anspruch an mich selbst war sehr hoch und im Endeffekt, habe ich meine Aufgabe erfüllt und ich bin relativ zufrieden. Die Menge an KB, die zu bearbeiten waren, haben sie sehr viel Zeit in Anspruch genommen.

Insgesamt war der Kurs jedoch sehr bereichernd und hat mich sowohl fachlich als auch kreativ weitergebracht. :)