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Science Fiction Kurzfilm – Weltraumschrott als reale Gefahr

Science Fiction Kurzfilm – Weltraumschrott als reale Gefahr

In meiner Bachelor-Arbeit habe ich nach einer Vision für die nachhaltige Raumfahrt in der Zukunft gesucht, um Weltraumschrott zu beseitigen, zu vermeiden und sogar zu nutzen. Dabei entstand ein teils dokumentarischer, teils fiktionaler Kurzfilm und eine Thetis-Arbeit, die meinen Gedankengang und Arbeitsprozess erläutert.

Der Film

Wie alles begann

Vor Beginn der Recherchephase war es mein Plan einen bereits vorhandenen Text, wie z.B. ein Gedicht und einer Kurzgeschichte zu verfilmen. Daher suchte ich nach einer geeigneten Textvorlage, die zu den Themata passt, die ich in meinem Film behandeln wollte. Dabei berücksichtigte ich sowohl fiktionale Texte als auch Sachtexte. Ich zeichnete bereits grobe Storyboard-Entwürfe und dachte über die notwendigen Requisiten und andere Ressourcen nach, die für eine mögliche Film-Adaption notwendig werden würden.

Ich stieß auf die Kurzgeschichte „The Dead Astronaut“ von J.G.Ballard und entschied mich, diese zu verfilmen.

Das Szenario dieser Kurzgeschichte besteht darin, dass nach einem Meteoriten-Crash im Erdorbit ein Astronaut in seiner Raumkapsel verstirbt und nach 20 Jahren, in denen er tot die Erde umkreist wieder zur Erdoberfläche zurückkehrt. Da ich eine möglichst realistische Umsetzung anstrebte, dachte ich darüber nach, ob ein Crash mit einem Meteoriten tatsächlich eine realistische Ursache für ein solches Szenario sein könnte. Da Meteoriten-Vorwarnung bedrohliche Brocken sicher und genau vorhersagen kann, schloss ich dieses  Szenario als Ursache für den Absturz des Astronauten aus. Stattdessen könnte seine Kapsel beim Start mit einem Weltraumschrott-Trümmer kollidieren. Davon hatte ich bereits gehört und mir war ebenfalls das Szenario aus „Gravity“ bekannt. Aus der kurzen Recherche zum Thema-Weltraumschrott wurde dann das Thema meiner ganzen Arbeit.

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Was man über Weltraumschrott wissen sollte

Es folgte eine immer umfangreicher werdende Recherche über Raumfahrtrückstände („Weltraumschrott“). Ich wollte die Kurzgeschichte mit dem Thema verbinden in Form der Verfilmung von Ballard-Kurzgeschichte über das Thema informieren.

Auch wenn die Kurzgeschichte für meinen Film letztendlich keine Rolle mehr spielt, half es mir bei der Recherche mich an der Geschichte zu orientieren. So informierte ich mich zum Beispiel nicht nur über die Folgen von Kollisionen im Orbit sondern auch darüber, was mit den Trümmer geschieht, die zur Erde zurückkehren.

Als Basis für meinen Film dienend, beschäftigt sich auch der erste Teil der Themis-Arbeit mit meiner Recherche und dem, was man über Weltraumschrott im Allgemeinen wissen sollte.

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Wie ESA, NASA und Co. das Problem angehen

Während ich mich immer weiter von meinem ursprünglichen Konzept entfernte wurde mir klar, dass ich als Designer einen Kurzfilm anders angehen kann, als ein typischer Filmemacher. Das soll heißen, als Designer, der nach kreativen Lösungen für Probleme sucht, kann mein Film als Lösung auf das Problem Weltraumschrott bzw. als Antwort auf die Frage „Was kann man tun?“ stehen. Als Inspiration dabei dienten vor allem die Konzept-Filme „Supercalifornia: Forever Future“ und „The Golden Institute“ von Sascha Pohlfepp, die zur „Science Fiction“ oder auch „Value Fiction“ gezählt werden können.

Dazu führte ich weitere Recherchen durch und interviewte Dr. Manuel Metz vom DLR über sämtliche Fragen, die sich zum Thema „Weltraumschrott“ bei mir auftaten.

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Wie On-Orbit Recycling alles verändern könnte

Während meiner Recherche kam bereits bei mir die Frage auf, warum kaputte Satelliten nicht zur Erde gebracht und hier für den Bau neuer Satelliten verwendet werden?! Das thematisierten Herr Metz und ich auch in unserem Interview. Dabei wurde mir schnell klar, dass dies ein spannender Ansatz für einen Science-Fiction Kurzfilm sein könnte. Recycling im Weltraum ist durchaus eher Fiction als Science (Stand 2023) und ist gleichzeitig die wohl beste Antwort auf die Frage nach einer nachhaltigen Raumfahrt.

Ich beschäftigte mich daher umfassend mit Ansätzen für Recycling-Lösungen im Weltraum. Da die meisten großen Weltraumtrümmer defekte Satelliten sind, sollte eine Art „Weltraum-Werkstatt“ dem Ziel sämtlichen Müll zu verarbeiten recht nahekommen. Dazu existierten bereits Konzepte, die daraufhin zur Basis meiner weiteren Arbeit wurden.

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Wie Raumfahrt in 30 Jahren aussieht

Mit den Fakten, also der „Science“ war ich nach meiner Recherche nun vertraut. Es galt also die Fiktion für meinen Film zu ergänzen. Als Designer habe ich anders als ein Ingenieur oder Wissenschaftler das Privileg einen Blick über das heute mögliche hinaus zu werfen und Visionen zu entwickeln, die nicht an die Realität gebunden sind. Darum entwickelte ich ein Konzept für eine Weltrauminfrastruktur, die zum Recycling von Weltraumschrott und zur Herstellung von Raumfahrzeugen direkt im Erdorbit dient. Es ist eine Vision, wie nachhaltige Raumfahrt in 30 Jahren funktionieren könnte, unabhängig davon, ob die Technologien in der Zukunft ein solches Konzept erlauben oder nicht. Um jedoch möglichst realitätsnah zu bleiben orientierte ich mich so weit wie möglich an den Konzepten von Gateway Earth und OMAR (ESA).

In der Folgen PDF-Präsentation ist dieses Konzept verbildlicht und sie zeigt, wie die Inhalte des Konzepts das Skript für meinen Film formten. In der zweiten PDF ist das Konzept detaillierter erläutert (Ausschnitt aus der Thesis-Arbeit) .

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Wie das Skript für meinen Film entstand

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Warum ich Logos entwickelt und sie nicht verwendet habe

Für eine lange Zeit bestand meine Idee darin Ton und Bild des Films insofern gegenläufig zu gestalten, dass zwar eine dokumentarische Collage zu sehen ist, aber das Voice-Over und die Musik die Charakteristik eines Image- oder Werbefilms haben, der für einen Service oder ein Zertifikat für grüne Raumfahrt in der Zukunft wirbt. Es sollte den Anschein erwecken, dass ein Unternehmen über die Risiken von Weltraumschrott aufklärt und eine „grüne Plakette“ für die Nutzung ihres Recycling-Services bewirbt. Dazu entwickelte ich verschiedene Logos, wovon eines als Schlussbild meines fiktionalen Werbefilms dienen sollte.

Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Da Ton und Bild atmosphärisch nicht übereinstimmten, wirkte der Werbesprech unangenehm und unpassend. So verwarf ich diese Idee und damit auch die Logos. Ich beschränkte mich darauf einen seriösen, weniger appellierenden als eher informierenden Kurzfilm zu produzieren.

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Warum Harald Lesch das Voice-Over spricht

Das Logo verwendete ich lediglich auf einer Visitenkarte. Diese Visitenkarte diente mir als „Gag“, um Harald Lesch anzusprechen und das war so:

Auf der Suche nach einer geeigneten Stimme für das Voice-Over, das mein Konzept erklärt und Kontext zu den Bildern meines Films geben sollte, fragte ich bei verschiedenen Synchronkarteien an, wurde jedoch, wie zu erwarten war stets abgelehnt. Synchronsprecher verleihen ihre Stimme hauptberuflich und stellen ihre Dienste logischerweise nicht kostenlos zur Verfügung. Dennoch war es mir wichtig eine markante, bekannte und passende Stimme zu benutzen um die Atmosphäre des Films zu unterstützen. Als Fan von TerraX im ZDF und auf YouTube schaue ich jedes Video mit Prof. Dr. Harald Lesch. Ich schrieb ihm eine E-Mail an seiner Hochschule-Adresse (Uni München), erhielt jedoch leider keine Antwort.

Ich hatte jedoch das Glück, dass er im Rahmen einer Veranstaltungsreihe in meiner Heimatstadt Altenburg einen Vortrag hielt. Bei der Autogrammstunde überreichte ich ihm die Visitenkarte mit dem Logo und das Skript des Films. Er wirkte interessiert, gab mir den Kontakt seines Redakteurs vom YouTube-Kanal und sprach etwas sechs Wochen später das Voice-Over für mich ein. In der Zwischenzeit arbeitete ich mit der Stimme meines Vaters als Platzhalter.

Warum ich eine Raumstation baute

Das Zentrum meines Konzepts bildet eine Raumstation zur Verarbeitung von Satelliten und sämtlichen anderen Raumfahrtrückständen. Um diese für meinen Film zu visualisieren baute ich ein Modell aus Haushalts-Müll. Damit wollte ich nicht nur ein haptischeres Bildgefühl, wie in alten Science-Fiction-Filmen, z.B. ALIEN oder Star Wars, erzeugen, sondern gleichzeitig die Botschaft meiner Idee auf einer Metaebene transportieren. Es handelt sich nämlich um einer Müllverarbeitungsanlage aus Müll.

Ich begann den Bauprozess damit geeignete Objekte zu sammeln. Ich achtete dabei sowohl auf Größe, Farbe, Textur, Form und auch darauf wie oft mir identische Objekte zur Verfügung stehen. Die Materialsammlung bestand vor allem aus Verpackungsmüll und alten Spielsachen. In der Dokumentation findet sich eine Übersicht mit den wichtigsten Komponenten aus denen das fertige Modell besteht.

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Zur Dokumentation fotografierte ich das fertige Modell im Fotostudio. Dort konnte ich mit Licht und dunklem Hintergrund die Lichtverhältnisse im Weltraum imitieren wodurch das Modell realistischer wirkt.

Da ich auch die Film-Kamera dabei hatte und einen geeigneten Stativ-Arm, konnte ich spontan auch einige Kamerafahrten aufnehmen, die sich spät nahtlos in den Film einfügen und ein konkretes Bild meiner Idee geben.

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Wie das Ende des Films entstand

Im abschließenden Teil des Films wird ein Fazit über die Vorteile von On-Orbit Recycling gegeben. Hier möchte ich nicht noch einmal Doku-Clips zeigen, sondern stattdessen eine neue Ebene hinzufügen. Dafür wollte ich persönlicher wirkende Aufnahmen verwenden. Das zuvor beschriebene soll in die Realität übertragen werden. In meinem Film wird damit die Vision Realität, was zum Handeln anregen soll und gleichzeitig meinen Gedankengang widerspiegelt. Klingt umkonkret und war es für mich auch. Der Dreh für diese Szene folgte auch keinem genauen Leitfaden. Ich zeichnete zwar ein Storyboard und legte eine Shotlist für den Dreh an, diese dienten mir jedoch eher als Inspiration und grobe Richtlinie. Ich wollte mir dennoch Raum zu experimentieren und „mal schauen, was dabei rauskommt“.

Mir war jedoch von Anfang an klar, dass ich einen geeigneten Drehort, einen Darsteller und Requisiten benötigen werde.

Bei der Suche nach einem solchen Ort wollte ich eigentlich auf der alten Landebahn des dessauer Flugplatzes filmen. Dort waren jedoch zu viele Menschen und bei der Suche nach einer Alternative stieß ich zufällig auf den alten Windkanal auf dem Gelände des Technikmusuems „Hugo Junkers“. Dort filmte ich später auch.

Ich suchte nach einem jungen Nachwuchsdarsteller, da ein Kind den naiven Forschergeist und meine Neugier zum Thema „Weltraumschrott“ am besten repräsentieren kann. Wie später im Film zu sehen ist spielt der Junge „Science Fiction“, so wie ich mit meinem Konzept und dem Film ebenfalls „Science Fiction“ spiele.

Das Modell der Raumstation war bereits gebaut und fest im Storyboard eingeplant, den Astronautenhelm und Raumanzug lieh ich mir aus dem Fundus des dessauer Theaters und das Tablet für die Übergangsszene zwischen Internet-Aufnahmen und meinen eigenen fand ich bei mir zu Hause.

Am Drehtag regnete es zwar leider (gefühlt der einzige Regentag im ganzen Monat), jedoch waren die Lichtverhältnisse im Windkanal trotzdem geeigneten.

Mit den Aufnahmen experimentierte ich später, baute verschiedene kleine abstrakte Geschichten und entschied mich dann letztendlich für die Version, die im fertigen Video zu sehen ist.

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Wie ich den richtigen Klang fand

Die Musik für meinen Film produzierte ich selbst mit Ableton Live. Dafür durchstöberte ich mein Archiv auf der Suche nach geeigneten Kompositionen, die Atmosphäre, Rhythmus und Tempo der Bilder unterstützen ohne dabei im Zusammenspiel mit dem Voice-Over zu stark in den Vordergrund zu treten. Ich entschied mich für sphärische, dynamische House/HipHop-Beats.

Da der letzte Teil des Videos im Kontrast zu den ersten beiden stehen soll und auch eine andere Stimmung hat komponierte ich hierfür eine eigene Musik. Die Instrumentalisierung ist zwar ähnlich zum Rest der Musik, jedoch verzichte ich auf Drums und sänke das Tempo um der Musik mehr Dramatik zu verleihen. Hör einfach rein!

Die Thesis

Mein gesamter Arbeitsprozess ist in meiner Thesis-Dokumentation erläutert. Einige Ausschnitte aus vorherigen Kapiteln finden sich hier wieder. Außerdem gibt die Bachelorarbeit einen genaueren Einblick in die Produktion. Alles was nicht in dieser Incom-Dokumentation enthalten ist, findet sich dort.

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