In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In meiner Masterarbeit untersuche ich, wie generative Künstliche Intelligenz den gestalterischen Arbeitsprozess im Grafikdesign verändert. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass aktuelle Debatten um KI viele Parallelen zur Einführung des Computers in kreative Berufe aufweisen. Damals wie heute stehen Fragen nach Autorschaft, handwerklicher Kompetenz, kreativer Kontrolle und dem Selbstverständnis von Designerinnen im Raum. Die Arbeit verbindet eine historische Einordnung mit einer Analyse aktueller Forschung, qualitativen Interviews mit Gestalterinnen und Mitarbeitenden aus Agenturen sowie einer Umfrage zur Nutzung von KI im Designalltag. Ergänzt wird diese Perspektive durch Eindrücke aus einem Aufenthalt im Silicon Valley, wo ich versucht habe, die Stimmung zwischen technologischem Optimismus, wirtschaftlichem Druck und Verunsicherung gegenüber KI aufzufangen. Im praktischen Teil entwickle ich eine KI basierte Anwendung, die auf zentrale Probleme KI gestützter Arbeitsprozesse reagiert, insbesondere auf den Verlust von Kontext und gestalterischer Kontrolle.
Grafikdesign befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch den breiten Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz beschleunigt wird. Was einst als rein technisches Hilfsmittel begann, greift heute unmittelbar in kreative Prozesse ein und verändert Arbeitsweisen, Rollenbilder und Selbstverständnisse von Designer:innen. Die Einleitung setzt sich mit dieser Transformation auseinander und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit: Wie beeinflusst KI die gestalterische Praxis und die professionelle Identität im Grafikdesign? Ausgehend von persönlicher Motivation und eigener Berufserfahrung wird der thematische Rahmen abgesteckt und das Ziel verfolgt, den aktuellen Wandel weder euphorisch noch ablehnend, sondern differenziert zu betrachten.
Um die Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz im Design fundiert führen zu können, ist ein klares Begriffsverständnis notwendig. Das Kapitel erläutert zentrale Konzepte wie KI, generative Modelle, Prompts, Machine Learning und neuronale Netze und ordnet deren Bedeutung für die Gestaltungspraxis ein. Dabei wird deutlich, dass viele als „intelligent“ wahrgenommene Systeme auf statistischen Verfahren und Trainingsdaten basieren. Die Begriffsarbeit schafft eine gemeinsame Grundlage und verhindert eine übermäßige Mystifizierung der Technologie.
Künstliche Intelligenz erscheint oft als radikale Neuerung, steht jedoch in einer langen Reihe technologischer Entwicklungen, die Gestaltung nachhaltig geprägt haben. Der historische Kontext zeigt, dass computergenerierte Grafik und algorithmisches Denken bereits seit Jahrzehnten Teil künstlerischer und gestalterischer Praxis sind. Frühere Experimente mit Plottern, generativer Kunst und Programmiersprachen wie Processing verdeutlichen, dass die heutige KI-gestützte Gestaltung auf bestehenden Ideen aufbaut. Dadurch wird der aktuelle Umbruch als Teil einer fortlaufenden Entwicklung verständlich.
Mit der zunehmenden Nutzung von KI im Design treten gesellschaftliche und ethische Fragen in den Vordergrund. Dieses Kapitel beleuchtet zentrale Debatten wie Urheberrecht, Autorschaft und die Frage nach Kreativität von KI. Darüber hinaus werden Probleme wie Halluzinationen, Bias und deren sichtbare Auswirkungen in KI generierten Bildern analysiert. Auch ökologische Folgen und Demokratisierungseffekte werden thematisiert. Der Diskurs macht deutlich, dass KI nicht neutral ist, sondern bestehende Machtstrukturen und Vorannahmen reproduzieren oder verstärken kann und dass Designerinnen und Designer eine besondere Verantwortung tragen.
Während theoretische Debatten wichtig sind, zeigt sich der tatsächliche Einfluss von KI vor allem im Arbeitsalltag. Dieses Kapitel untersucht konkrete Tools wie Adobe Firefly, Midjourney, Freepik AI und ChatGPT und analysiert deren Einsatz im Designprozess. Anhand von Fallbeispielen wird gezeigt, wie KI zur Ideenfindung, Visualisierung und Textproduktion genutzt wird, zugleich aber neue Abhängigkeiten und Einschränkungen entstehen. KI erscheint hier als Werkzeug, dessen Qualität stark von der menschlichen Steuerung und Bewertung abhängt.
Während meines Werkstudiums bei der Schokoladenfirma nucao durfte ich eigene Experimente mit Midjourney machen und einen Kalender mittels dieser Bilder gestalten.
Um den Einfluss von KI auf das Grafikdesign aus unterschiedlichen Perspektiven zu erfassen, kombiniert die Arbeit qualitative und quantitative Methoden. Interviews mit Designerinnen und Designern geben Einblicke in persönliche Erfahrungen, Haltungen und Strategien im Umgang mit KI. Eine ergänzende Umfrage macht übergeordnete Tendenzen sichtbar. Zusätzlich werden zukünftige Kompetenzen, die Akzeptanz durch Kundinnen und Kunden sowie der Einsatz von KI in Lehre und Ausbildung betrachtet. Ein Auslandsaufenthalt in San Francisco ergänzt die Forschung um eine kulturelle Perspektive.
Im Rahmen meines Stipendiums der Hans Böckler Stiftung hatte ich im November 2025 die Gelegenheit, an einer zehntätigen Auslandsakademie in San Francisco teilzunehmen. Die Reise stand unter dem Titel „Utopias und Dystopias in Silicon Valley“ und verfolgte das Ziel, die technologischen, sozialen und kulturellen Dynamiken der Region aus nächster Nähe kennenzulernen.
Der praktische Teil der Arbeit umfasst die Entwicklung eines Konzepts und eines Prototypens für eine KI-gestützte Anwendung „Creative Cortex“ auf Basis der Designthinking Methode. Auf diese Weise werden theoretische Überlegungen mit gestalterischer Praxis verbunden und in einem konkreten Anwendungszusammenhang überprüft.
Die Arbeit zeigt, dass Künstliche Intelligenz das Grafikdesign nicht ersetzt, sondern grundlegend verändert. Designerinnen und Designer verlieren nicht ihre Relevanz, vielmehr verschiebt sich ihre Rolle hin zu kuratierenden, strategischen und reflektierenden Aufgaben. KI wird als Werkzeug verstanden, das Gestaltung effizienter machen kann, gleichzeitig jedoch neue ethische, ökologische und gesellschaftliche Fragen aufwirft. Gestaltung bleibt eine menschliche Praxis, die sich im Dialog mit intelligenten Systemen neu definiert.
Auf persönlicher Ebene war diese Arbeit für mich ein intensiver Lernprozess. Zu Beginn stand eine deutliche Unsicherheit im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Die Werkzeuge wirkten komplex, technisch und schwer greifbar, was zunächst eher Distanz als Neugier erzeugte. Erst durch die bewusste Auseinandersetzung und das aktive Arbeiten mit KI wandelte sich diese Zurückhaltung allmählich in Interesse und ein reflektiertes Verständnis. Dabei wurde mir klar, dass KI für mich kein Ersatz menschlicher Gestaltung ist, sondern eine Erweiterung bestehender Fähigkeiten. Konzeptionelles Denken, ästhetisches Urteilsvermögen, Kontextverständnis und Verantwortung bleiben zentrale Bestandteile gestalterischer Arbeit und gewinnen durch den Einsatz von KI sogar an Bedeutung.
Besonders das praktische Arbeiten hat mir gezeigt, dass der Umgang mit KI vor allem durch Ausprobieren, Fehler und iterative Annäherung erlernt wird. Es gibt kaum feste Regeln oder standardisierte Workflows, stattdessen ist der Prozess von Brüchen, Tool Wechseln und stetigem Nachjustieren geprägt. Effizienzgewinne führen dabei nicht automatisch zu Entlastung, sondern können auch neuen Druck erzeugen. Auffällig war für mich die zentrale Rolle der Sprache als Schnittstelle zur KI. Sie ermöglicht einen direkten Zugang zu komplexen Systemen und könnte künftig eine noch wichtigere Rolle in integrierten Arbeitsprozessen spielen.
Insgesamt hat diese Arbeit mein Verständnis von Künstlicher Intelligenz als gestaltbarem und gesellschaftlich eingebettetem Werkzeug nachhaltig verändert. Mir wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, KI lediglich zu nutzen oder sich von ihr treiben zu lassen. Entscheidend ist eine bewusste, kritische und verantwortungsvolle Auseinandersetzung mit ihren Möglichkeiten, Grenzen und Folgen. Der Umgang mit KI erscheint mir heute als fortlaufender Lernprozess, der Offenheit, Reflexion und eine klare gestalterische Haltung erfordert.