In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
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Synaptic Surfaces ist ein interdisziplinäres Großprojekt im Wintersemester 2025/26, das sich mit der Verbindung von Sensorik und adaptiven Materialien beschäftigt. Ziel des Kurses war es, Prototypen zu entwickeln, bei denen erfasste Signale in sicht- oder spürbare Materialreaktionen übersetzt werden.
In einem iterativen Prozess – von der Konzeptentwicklung über technische Tests bis zur finalen Umsetzung – entstanden ausstellungsfähige Arbeiten, die das Zusammenspiel von Mensch, Technologie und Material untersuchen.
+ umfrage
+ design prinzipien
Nachdem wir unsere Ziele in der Gruppe definiert und ein klares Szenario entwickelt hatten, begannen wir mit einer intensiven visuellen Recherche.
Uns war bewusst, dass sich MONA durch die eingesetzten Aktuatoren verändern würde – und damit auch ihr Erscheinungsbild. Schnell wurde klar, dass wir nicht nur zwei Zustände gestalten, sondern auch die gesamte Transformation dazwischen berücksichtigen müssen.
Wir haben starke Inspiration aus der Natur gezogen, insbesondere aus biomechanischen Prozessen, die dazu führen, dass sich das visuelle Erscheinungsbild eines Körpers verändert.
Dabei entschieden wir uns bewusst für ein weiches, sanftes und organisches Erscheinungsbild, das in besonderer Weise mit Licht synergiert.
In unserer ersten Recherchephase betrachteten wir vor allem die Pflanzenwelt und ließen uns insbesondere von Pilzen und Korallen inspirieren.
In der zweiten Phase unserer Recherche stießen wir auf Tiefseetiere wie Tintenfische, Quallen und Schnecken.
Das Zusammenspiel aus Licht, Bewegung und der Fähigkeit zur Formveränderung führte dazu, dass wir uns schließlich stark auf den Vampirtintenfisch fokussierten. Im gesamten Designprozess kehrten wir immer wieder zu diesem Referenzorganismus zurück und ließen uns von seinen Eigenschaften leiten.
Nach Abschluss der Recherche und der Festlegung unseres Projektziels begannen wir mit ersten Materialtests, um geeignete Herstellungsverfahren und Materialien für MONA zu identifizieren.
Dabei konzentrierten wir uns vor allem auf weiche, flexible und sanfte Materialien, die die gewünschte organische Wirkung unterstützen.
Unsere ersten Ansätze arbeiteten mit Papier, dünnen Stoffen und Polstermaterialien. Dabei orientierten wir uns an Origami-Techniken sowie an Laser-Cut-Strukturen, die dem Material eine formverändernde Elastizität verliehen.
Die Ästhetik und der gestalterische Ansatz überzeugten uns grundsätzlich. Dennoch stellten wir fest, dass sich Origami nur schwer in eine größere Skalierung übertragen lässt. Zudem hätte die Entwicklung einer eigenen Falttechnik sehr viel Zeit in Anspruch genommen.
Im nächsten Schritt beschäftigten wir uns mit dem Thema Soft Robotics. Dieser Ansatz passte sowohl konzeptionell als auch haptisch gut zu MONA, zudem verfügt das Materiability Lab über viel Erfahrung in der Herstellung solcher Luftkammern.
Mithilfe einer eigen erstellten Aluminiumform stellten wir eine wärmeleitende Schablone her, um zwei Stofflagen mit einer TPU-Innenschicht miteinander zu verschmelzen.
Im kleinen Maßstab funktionierte diese Methode sehr gut. Bei größerer Skalierung traten jedoch mehrere Probleme auf, sodass wir auch diesen Ansatz schließlich verwerfen mussten.
Wir blieben im Bereich der Soft Robotics, ließen uns diesmal jedoch vom medizinischen Kontext inspirieren. Unser Ansatz basierte auf silikonbasierten Gussformen mit integrierten Luftkammern, die sich durch unterschiedliche Härtegrade gezielt in bestimmte Richtungen bewegen lassen.
Dieser Ansatz überzeugte uns besonders – sowohl aufgrund des ungewöhnlichen Materials als auch wegen seines organischen Verhaltens und Erscheinungsbildes.
Allerdings zeigte die Fertigung deutliche Schwachstellen für unser Produkt. Die Herstellung war sehr zeitaufwendig und dauerte selbst bei kleinen Formen bis zu zwei Tage. Zudem war das Risiko von Undichtigkeiten oder Materialschwächen hoch. Für die angestrebte Größe hätte außerdem ein sehr hoher Materialverbrauch in Kauf genommen werden müssen.
In unserer letzten Explorationsphase wandten wir uns aus zeitlichen und praktischen Gründen sogenannten Readymades zu. Die Vorteile von Silikon wollten wir dennoch beibehalten und führten daher zahlreiche Form- und Verhaltenstests mit Materialien wie Medizinhandschuhen, Kondomen und Luftballons durch.
Die Idee, MONA mit Stoff zu überziehen, war weiterhin Teil unserer Vision. Wir testeten erste Kombinationen mit dehnbaren Stoffen, die zu spezifischen Formen vernäht wurden.
Schnell zeigte sich jedoch, dass die Einbindung von Stoff die Beweglichkeit des Silikons stark einschränkte. Daraufhin strukturierten wir unser Konzept neu, stellten die textile Integration zunächst zurück und konzentrierten uns stärker auf die Arbeit mit Readymades.
Wenn wir hier vom Konzept MONA sprechen, bedeutet das nicht, dass die Idee des Lichtwesens und Begleiters erst in dieser Phase entstanden ist. Vielmehr hat sich das Bild von MONA über die Wochen hinweg schrittweise konkretisiert – in ihrer Wirkung, Funktion und Erscheinung.
Durch kontinuierliches, konstruktives Feedback sowie das Zusammenspiel von frühen Prototypen und KI-gestützten Visualisierungen entwickelte sich MONA zu dem, was sie heute ist.
Alle Recherchen, Umfragen und Experimente führten uns vom anfänglichen Problem schrittweise zu diesem finalen Konzept.
MONA ist ein organisches Wesen, das dynamisch und aktiv auf die Bedürfnisse seiner Nutzer*innen reagiert. Ob im Schlaf oder im Wachzustand, in Momenten von Freude oder Traurigkeit – MONA begleitet den Menschen durch ihre Präsenz, ihr Licht und ihre Bewegung und wirkt unterstützend sowie beruhigend.
Die Inspiration aus der Natur findet hier ihren Ausdruck und war maßgeblich für die visuelle Gestaltung und die Bewegungsqualität von MONA.
Um die Erwartungen an MONA zu erfüllen, entwickelten wir folgende Systemlogik:
Ein inneres Skelett stabilisiert den Silikonkörper und hält das Readymade selbst im inaktiven Zustand in Form. Auch im entlüfteten Zustand behält MONA so ihre Grundstruktur. Gleichzeitig dient das Skelett als Halterung und Schutzraum für den Lichtkörper, der stets einen definierten Abstand zur äußeren Hülle wahrt.
Die Aktuatoren laufen im oberen Bereich zusammen und sind über die Deckenhalterung mit Kompressor, Vakuumeinheit und PC verbunden. Der ebenfalls in der Deckenfassung integrierte Sensor steuert das System und ermöglicht die Reaktion von MONA.
Auf Empfehlung unseres Betreuers Kristian Gohlke nutzten wir als Steuereinheit einen Arduino ESP32, der mit einem mmWave-Sensor verbunden ist.
Dieser Sensor war für unser Projekt ideal, da er drei zentrale Funktionen vereint: Er kann Puls und Atmung erfassen, wodurch sich der Zustand des Kindes bestimmen und entsprechend darauf reagieren lässt. Zudem funktioniert er als Bewegungsmelder und erkennt die Anzahl anwesender Personen, was zusätzliche Interaktionsmöglichkeiten eröffnet.
Als Lichtquelle verwendeten wir einen NeoPixel-LED-Streifen mit insgesamt 144 einzeln ansteuerbaren RGB-LEDs. Dadurch konnten wir differenzierte Lichtanimationen programmieren und MONAs Reaktionen visuell unterstützen.
In dieser Phase entwickelte sich unser Konzept MONA am stärksten weiter. Viele neue Eindrücke und Ideen entstanden erst durch die praktischen Erfahrungen mit den frühen Prototypen – Aspekte, die uns zuvor nicht bewusst gewesen wären.
Wir begannen mit einem Stecksystem, das wir als Vektordatei entwarfen und anschließend mit dem GS-Laser ausschnitten. Daraus entstand ein dreidimensionales Skelett, über das wir einen 36-Zoll-Luftballon spannten. Parallel experimentierten wir mit unterschiedlichen Stoffen und Materialkombinationen.
Unsere ersten Prototypen legten den Fokus stark auf die textile Außenhülle von MONA. Diese bestand aus übergestülpten Kompressionsstrümpfen, die dem Körper Struktur geben sollten.
Im Prozess entdeckten wir eine spannende Eigenschaft: Durch gezielt gesetzte Öffnungen im Stoff konnte sich der Ballon nach außen wölben und eine neue, eigenständige Formsprache entstehen lassen.
Dennoch waren wir mit der Gesamtform nicht vollständig zufrieden. Zudem zeigte sich erneut, dass der Stoff die Beweglichkeit eher einschränkte als unterstützte.
Ein weiterer Ansatz, den wir nur kurz verfolgten, bestand darin, das Skelett mit dem überzogenen Luftballon in einen zweiten, leicht transparenten Körper zu integrieren. So wollten wir dem Ballon mehr Raum zur Ausdehnung geben und gleichzeitig eine ruhige, ansprechende Ästhetik bewahren.
Schnell wurde jedoch deutlich, dass dieser Aufbau zu viele Komponenten vereinte und das Gesamtsystem unnötig komplex gemacht hätte. Zudem erkannten wir, dass vergleichbare Leuchten bereits vielfach existieren und dieser Ansatz nur wenig Innovationspotenzial bot.
Es ist erstaunlich, wie weit uns der gesamte Prozess geführt hat und wo wir am Ende angekommen sind. Auch wenn es klischeehaft klingt, wurde für uns das Zitat „Less is more“ tatsächlich zur Realität.
Durch das Feedback der Lehrenden wurde uns bewusst, dass das Skelett selbst – und die daraus entstehende Form – MONA besonders und einzigartig macht.
Eine Herausforderung blieb jedoch die Form des Ballons, da es immer wieder zu unerwünschten Überhängen kam. Statt uns davon einschränken zu lassen, entschieden wir uns, diese Gegebenheiten als gestalterisches Potenzial zu begreifen und aktiv einzubinden.
Diese Erkenntnis führte zu einer intensiven Prototypenphase mit rund zehn Iterationen, aus der schließlich die finale Form des Skeletts entstand – eine Struktur, die den Ballon vollständig und kontrolliert ausfüllt.
Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Kurs und unserem Ergebnis. Auch wenn der Weg bis zum finalen Prototypen weit und oft anstrengend war, konnten wir aus den zahlreichen Materialtests und Prototyp-Iterationen viel lernen und praktisch anwenden.
Obwohl MONA bereits sehr ausgereift wirkt, sehen wir weiterhin Potenzial zur Weiterentwicklung. Insbesondere im Zusammenspiel von Sensorik und Aktuatoren möchten wir tiefer in UX/UI einsteigen und den Code optimieren, um MONA noch lebendiger wirken zu lassen.
Auch in der Bewegung sehen wir Entwicklungsmöglichkeiten: Ein flexibleres Skelett, beispielsweise 3D-gedruckt aus TPU, könnte den Körper noch organischer erscheinen lassen.
Als nächste Schritte planen wir die umfassende Aufarbeitung des Projekts für Wettbewerbe sowie für unser Portfolio.