Incom ist die Kommunikations-Plattform der Hochschule Anhalt Fachbereich Design

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WILDE NACHBARN

Wilde Nachbarn ist eine interaktive Stadtrallye, die häufig übersehene Tiere im urbanen Raum sichtbar macht. Eine Plakatkampagne, eine modulare Entdeckerkarte und eine AR-App führen Nutzer*innen zu realen Fundorten und vermitteln Wissen über Tiere, ihre Lebensräume und ihre Bedeutung für das Ökosystem. Durch Humor, spielerische Aufgaben und persönliche Tiergeschichten fördert das Projekt Empathie und einen bewussteren Umgang mit der gemeinsamen Umwelt.

Problemstellung

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Städte werden vor allem für Menschen geplant, sind aber zugleich Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Zwischen Häusern, Grünflächen, Gewässern, Hinterhöfen und Bahnanlagen leben Tiere, die wichtige Aufgaben für Bestäubung, Bodenqualität und natürliche Kreisläufe übernehmen.

Allein in Deutschland gibt es rund 33.000 Insektenarten. Davon gelten etwa 13.860 als gefährdet, selten oder bereits ausgestorben. Diese Zahlen zeigen, wie stark viele Arten und ihre Lebensräume bereits unter Druck stehen.

Trotzdem bleiben viele von ihnen unsichtbar oder werden als Störung wahrgenommen. Gleichzeitig verschwinden durch Bebauung, versiegelte Böden und stark gepflegte Grünflächen immer mehr Rückzugsorte. Der Rückgang einzelner Arten bleibt zunächst oft unbemerkt, kann langfristig jedoch ganze ökologische Zusammenhänge beeinträchtigen.

Das Problem liegt deshalb nicht nur im Artenverlust, sondern auch in der fehlenden Wahrnehmung dieser Zusammenhänge. Klassische Umweltkommunikation wirkt dabei häufig abstrakt oder überfordernd.

Wilde Nachbarn setzt direkt im Alltag an. Das Projekt macht sichtbar, dass Artenvielfalt nicht nur im Wald oder Naturschutzgebiet stattfindet, sondern direkt vor der eigenen Haustür.

Gestalterische Herausforderung

Aus der Recherche zur urbanen Artenvielfalt ergibt sich die zentrale gestalterische Frage:

Wie können wir die gesellschaftliche Bedeutung von Tierwohl und Biodiversität stärken und Menschen ein klares Bewusstsein für die Auswirkungen des eigenen Handelns auf Tiere und Ökosysteme vermitteln?

Dabei geht es nicht nur um mangelndes Wissen. Eine zentrale Herausforderung liegt in der fehlenden gesellschaftlichen Relevanz des Themas und im fehlenden alltagsnahen Zugang zu konkreten Informationen und Handlungsansätzen. Häufig besteht weiterhin die Vorstellung, dass sich die Natur an menschliches Verhalten anpasst und Tiere trotz versiegelter Flächen, verlorener Lebensräume oder zunehmender Eingriffe eigenständig neue Lösungen finden.

Dadurch bleibt die eigene Verantwortung gegenüber den Auswirkungen auf Tiere und Ökosysteme im direkten Umfeld oft abstrakt.

Unser Projekt soll deshalb nicht nur häufig übersehene Stadttiere sichtbar machen, sondern auch ökologische Zusammenhänge verständlich vermitteln und zeigen, wie eng menschliches Handeln mit den Lebensbedingungen anderer Arten verbunden ist.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie ein komplexes und teilweise belastendes Thema zugänglich kommuniziert werden kann, ohne es zu verharmlosen oder Menschen zu überfordern. Das Projekt soll leicht verständliche Informationen mit alltagsnahen und direkt umsetzbaren Handlungsempfehlungen verbinden. Nutzer*innen sollen dadurch befähigt werden, Tiere und Ökosysteme aktiv zu schützen, anstatt davon auszugehen, dass sich die Natur von selbst an veränderte Bedingungen anpasst.

Das entstehende System muss daher Aufmerksamkeit erzeugen, Orientierung geben, Wissen vermitteln und eine emotionale Verbindung zu den Tieren schaffen. Zugleich soll es Menschen dazu motivieren, die eigene Umgebung aktiv zu erkunden und das eigene Verhalten zu reflektieren.

Eine weitere Herausforderung liegt in der Übertragbarkeit. Das Projekt soll nicht nur an einem einzelnen Ort funktionieren, sondern auf unterschiedliche Städte, Lebensräume und Tierarten angepasst werden können.

Leitidee und Zielsetzung

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Aus dieser Herausforderung entstand Wilde Nachbarn als Verbindung aus Kampagne, Stadtrallye und interaktiver AR-Anwendung.

Die zentrale Leitidee besteht darin, Stadttiere nicht als abstrakte Arten oder reine Informationsträger zu zeigen, sondern als eigenständige Mitbewohner. Sie erhalten Persönlichkeit, eine Stimme und eine erkennbare Rolle innerhalb des städtischen Ökosystems.

Der Name Wilde Nachbarn beschreibt bewusst die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Der Begriff „Nachbarn“ vermittelt Nähe und gemeinsames Zusammenleben. Die Tiere erscheinen dadurch nicht als fremde Eindringlinge, sondern als Lebewesen, die denselben Raum nutzen wie wir.

Das Projekt verfolgt mehrere miteinander verbundene Ziele. Zunächst sollen Stadttiere und ihre Lebensräume im öffentlichen Raum sichtbarer werden. Darüber hinaus erfahren Nutzer*innen, welche Aufgaben die Tiere übernehmen, wovon sie sich ernähren, wodurch sie bedroht sind und wie sie geschützt werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Förderung von Empathie. Die Tiere erzählen aus ihrer eigenen Perspektive und schaffen so einen persönlicheren Zugang. Nutzer*innen sollen nicht nur verstehen, was eine Ameise oder ein Waschbär tut, sondern auch erkennen, wie menschliches Verhalten ihren Lebensraum beeinflusst.

Gleichzeitig regt die Stadtrallye dazu an, die eigene Stadt aktiv zu erkunden. Digitale Inhalte werden mit realen Orten verbunden und machen die Stadt als gemeinsamen Lebensraum erfahrbar.

Die Zielsetzung basiert auf vier Prinzipien:

Sichtbarkeit statt Übersehen, Empathie statt Distanz, Entdecken statt Belehren und gemeinsame Verantwortung statt Schuldzuweisung.

Die modulare Entdeckerkarte

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Ein zentraler Bestandteil von Wilde Nachbarn ist ein reduziertes Wimmelbild der jeweiligen Stadt. Ausschnitte dieser Karte werden als Plakate im öffentlichen Raum eingesetzt und bilden einen ersten visuellen Zugang zur Stadtrallye.

Die Stadt wird nicht realistisch oder kartografisch exakt dargestellt, sondern als abstrahierte isometrische Landschaft. Dadurch erinnert sie an eine Spielwelt oder Entdeckerkarte und vermittelt unmittelbar, dass innerhalb des Bildes gesucht und erkundet werden kann. Gebäude, Straßen, Grünflächen, Gewässer und Tiere werden gleichzeitig sichtbar und lassen die Stadt als zusammenhängendes System erscheinen.

Die Karte zeigt unterschiedliche Lebensräume wie Wohngebiete, Innenstadt, Parks, Blumenwiesen, Gewässer, Landwirtschaft, Wald, Industrie oder Bahnanlagen. Die Tiere werden dabei nicht isoliert dargestellt, sondern in ihre jeweiligen Lebensräume eingebettet. So wird nicht nur sichtbar, welche Tiere in der Stadt leben, sondern auch, wo sie vorkommen und welche Strukturen für sie wichtig sind.

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Damit Wilde Nachbarn langfristig auf andere Städte und Regionen übertragen werden kann, wurde die Karte als modulares System aus einzelnen isometrischen Kacheln entwickelt. Jede Kachel steht für einen bestimmten Lebensraum oder städtischen Bereich und kann je nach Stadt neu angeordnet, kombiniert oder erweitert werden. Viele Grundelemente lassen sich wiederverwenden, während besondere Gebäude und Orientierungspunkte individuell angepasst werden.

In Dessau wurde beispielsweise das Bauhaus als zentrales Erkennungsmerkmal integriert. Bei einer Übertragung auf Berlin könnte an dieser Stelle das Brandenburger Tor stehen. Auch die dargestellten Tierarten können abhängig von Region, Jahreszeit und Standort angepasst werden. So bleibt die visuelle Sprache einheitlich, während jede Stadt eine eigene Identität erhält.

Ein zentrales Gestaltungsmittel ist die orange-rote Akzentfarbe. Während die Stadtlandschaft überwiegend reduziert und zurückhaltend gestaltet ist, werden die Tiere deutlich hervorgehoben. Die Farbe lenkt den Blick gezielt auf sie und macht sie innerhalb der Karte schnell auffindbar. Gleichzeitig vermittelt sie Aufmerksamkeit und Dringlichkeit, da viele Tierarten und ihre Lebensräume zunehmend unter Druck stehen.

Die Tiere werden dennoch nicht ausschließlich als bedrohte Opfer dargestellt. Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Inszenierung verleihen ihnen Persönlichkeit und Selbstständigkeit. Sie erscheinen als aktive Bewohner*innen der Stadt und nicht als dekorative Elemente.

Auch die Typografie unterstützt den Charakter einer urbanen Entdeckungsreise. Eine markante, gut lesbare Schrift sorgt auf den Plakaten für Aufmerksamkeit und funktioniert auch aus größerer Entfernung im Stadtraum. Eine klare Hierarchie aus großen Überschriften und kurzen handgeschriebenen Botschaften erleichtert zugleich die Orientierung. Gemeinsam mit den isometrischen Illustrationen und der konzentrierten Farbwelt entsteht so eine einheitliche visuelle Identität für Karte, Kampagne, App und physische Stationen.

Der Name Wilde Nachbarn bildet dabei den sprachlichen Mittelpunkt. Er beschreibt die Tiere als eigenständige Mitbewohner*innen unseres direkten Umfelds und ist leicht verständlich sowie auf unterschiedliche Städte und Tierarten übertragbar.

Die Akzentfarbe, die Typografie und das modulare Gestaltungsprinzip schaffen einen hohen Wiedererkennungswert und ermöglichen zugleich eine flexible Weiterentwicklung des Projekts.

Die Kampagne

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Das Wimmelbild wird durch eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne ergänzt. Während die Karte Lebensräume und Zusammenhänge zeigt, konzentrieren sich die Kampagnenplakate jeweils auf einzelne Tiere.

Die Tiere erhalten humorvolle Rollen und Bezüge zur Popkultur oder zum Alltag. Der Waschbär wird zum DJ, Käfer werden als Band inszeniert und der Igel tritt als Gärtner auf.

Durch diese Inszenierung erhalten die Tiere Persönlichkeit und erzeugen Neugier. Sie werden nicht als anonyme Vertreter einer Art oder reine Informationsträger dargestellt.

Der humorvolle Ton wurde bewusst gewählt. Artensterben, Lebensraumverlust und Umweltzerstörung sind schwere Themen, die schnell Distanz oder Überforderung auslösen können. Rein negative Botschaften führen nicht automatisch zu mehr Engagement, sondern können dazu führen, dass sich Menschen vom Thema zurückziehen.

Laut Professorin und Forscherin Dr. Lucy Atkinson entsteht schnell Distanz oder Überforderung, wenn man Menschen direkt mit Schuld, Verzicht oder Katastrophen anspricht. Durch Humor wird die Hemmschwelle niedriger und man ist eher geneigt, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Wilde Nachbarn nutzt Humor daher als Einstieg, nicht als Verharmlosung. Die Motive senken die Hemmschwelle und führen anschließend zu weiterführenden Informationen und konkreten Handlungsmöglichkeiten.

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Auf beiden Plakatformaten befindet sich ein QR-Code, der vom analogen Stadtraum in die digitale Anwendung führt.

Wer durch ein Motiv oder einen Slogan neugierig geworden ist, kann das Plakat direkt mit dem Smartphone scannen. Das Plakat wird damit zum Startpunkt einer aktiven Handlung.

Die App

Nach dem Scannen des QR-Codes gelangen die Nutzer*innen in die App von Wilde Nachbarn. Sie begleitet die gesamte Rallye, stellt Informationen bereit und verbindet die verschiedenen Stationen miteinander.

Standortbasierte Rallyes

Auf dem Startscreen kann direkt eine Rallye begonnen werden. Mithilfe des aktuellen Standorts erkennt die App, in welchem Stadtbereich sich die Nutzer*innen befinden, und schlägt passende Routen vor.

Im Prototyp befindet sich die Person am Bauhaus Dessau. Entsprechend werden Tierarten angezeigt, die in diesem Gebiet vorkommen oder dort entdeckt werden können. Neben jeder Route wird dargestellt, wie weit das jeweilige Tier entfernt ist.

Die Nutzer*innen können selbst entscheiden, welchem Tier sie begegnen möchten. Im dargestellten Beispiel wird die Route zur Schwarzen Wegameise gewählt.

Sidequests und bewusstes Beobachten

Nach dem Öffnen der Route erscheint ein erster Hinweis: Die Ameise befindet sich am Bauhaus-Spielplatz.

Bevor die eigentliche Suche beginnt, erhalten die Nutzer*innen eine zusätzliche Sidequest. Auf dem Weg zur Ameise sollen beispielsweise heimische Pflanzen wie Klee, Löwenzahn oder Rittersporn entdeckt werden.

Der Blick wird dadurch nicht ausschließlich auf ein einzelnes Tier gelenkt. Stattdessen werden auch seine Umgebung, mögliche Nahrungsquellen und weitere Bestandteile des Lebensraums einbezogen.

Die Sidequests fördern ein aufmerksames Beobachten des Stadtraums und vermitteln, dass Tiere, Pflanzen und Lebensräume miteinander verbunden sind.

Die Lupe als Rallye-Marker

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Am Zielort befindet sich eine große Lupe. Sie markiert die Haltepunkte der Stadtrallye und signalisiert bereits aus der Entfernung, dass hier etwas entdeckt werden kann.

Die Lupe wurde bewusst auffällig gestaltet, damit sie im öffentlichen Raum als Orientierungspunkt funktioniert. Gleichzeitig soll sie den jeweiligen Ort und den dort vorhandenen Lebensraum nicht verdecken oder visuell dominieren.

Als Material ist deshalb eine transparente Ausführung aus Acryl- oder Plexiglas denkbar. Die Umgebung bleibt dadurch weiterhin sichtbar. Das Material ist zudem wetterbeständig und langlebig und kann langfristig im Außenraum eingesetzt werden.

An der Station erkennen die Nutzer*innen, dass sie den Fundort mit dem Smartphone scannen können. Dadurch wird die digitale AR-Erfahrung gestartet.

Die AR-Begegnung

Nach dem Scan erscheint das jeweilige Tier digital in der realen Umgebung. Es spricht die Nutzer*innen direkt an und erzählt aus seiner eigenen Perspektive.

Die Schwarze Wegameise erklärt beispielsweise, wie sie lebt, welche Aufgaben sie im Ökosystem übernimmt, wodurch ihr Lebensraum gefährdet wird und was Menschen zu ihrem Schutz beitragen können.

Dabei geht es nicht ausschließlich um die Vermittlung von Fakten. Die persönliche Ansprache soll eine emotionale Verbindung herstellen und einen Perspektivwechsel anregen. Die Nutzer*innen begegnen der Ameise nicht nur als kleinem Insekt, sondern als Lebewesen mit Bedürfnissen, Aufgaben und einem eigenen Lebensraum.

So wird verständlich, dass auch alltägliche Handlungen Auswirkungen haben können. Wer Wege, offene Böden oder kleine Grünflächen anders wahrnimmt, entwickelt möglicherweise auch einen bewussteren Umgang mit ihnen.

Tierinformationen und Schutzmaßnahmen

Nach der AR-Sequenz können die Inhalte jederzeit erneut innerhalb der App aufgerufen werden. Auf einer eigenen Tierseite werden die wichtigsten Informationen übersichtlich zusammengeführt.

Dazu gehören: allgemeine Merkmale der Tierart, bevorzugte Nahrung, Lebensraum und Verbreitung, Gefährdungs- oder Schutzstatus, ein kurzer Fun Fact und konkrete Möglichkeiten zum Schutz des Tieres.

Bei der Ameise können Nutzer*innen beispielsweise erfahren, weshalb auf Insektengifte verzichtet werden sollte, warum offene Bodenflächen wichtig sind oder weshalb Ameisenwege und Nester nicht mutwillig zerstört werden sollten.

Abzeichen und Motivation

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Für jede entdeckte Tierart erhalten die Nutzer*innen ein digitales Abzeichen. Weitere Erfolge können durch mehrere abgeschlossene Rallyes, besondere Tageszeiten oder das Entdecken bestimmter Tiergruppen freigeschaltet werden.

Das Belohnungssystem schafft einen spielerischen Anreiz, die Anwendung wiederholt zu nutzen und weitere Tiere kennenzulernen. Gleichzeitig dokumentiert es den persönlichen Fortschritt innerhalb der Stadtrallye.

Weitere App-Inhalte

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Neben der eigentlichen Rallye bietet die App zusätzliche Bereiche, die auch unabhängig von einem Spaziergang genutzt werden können.

Tier des Tages

Im Homebereich wird regelmäßig ein Tier des Tages vorgestellt. Nutzer*innen können dadurch auch dann etwas über Stadttiere erfahren, wenn sie gerade keine Rallye spielen.

Der Bereich ermöglicht eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der lokalen Tierwelt und kann auf saisonale Besonderheiten oder aktuell häufig sichtbare Tiere reagieren.

Veranstaltungen und Gruppenrallyes

Über den Eventbereich können organisierte Gruppenrallyes, Workshops oder gemeinsame Entdeckungstouren angekündigt werden. Nutzer*innen sehen, wann und wo Veranstaltungen stattfinden und können die Stadt gemeinsam mit anderen erkunden.

Dadurch wird die individuelle Anwendung um eine soziale Ebene erweitert. Die Rallye kann beispielsweise von Familien, Schulklassen, Vereinen oder Umweltbildungsinitiativen genutzt werden.

News und weiterführende Informationen

Ein zusätzlicher Newsbereich kann aktuelle Informationen von Tierschutzvereinen, Umweltorganisationen oder öffentlichen Institutionen bündeln.

Neben Beiträgen zu einzelnen Tierarten können dort auch übergeordnete Themen behandelt werden, beispielsweise Müllvermeidung, naturnahe Gartengestaltung, Lichtverschmutzung, versiegelte Flächen oder ein bewusster Umgang mit digitalen und KI-gestützten Technologien.

Wilde Nachbarn arbeitet dabei nicht mit Schuld oder Verzicht als zentralem Kommunikationsmittel. Stattdessen soll die App sichtbar machen, welche Folgen das eigene Verhalten haben kann und welche konkreten Handlungsmöglichkeiten bestehen.

Artenschutz wird somit nicht als abstraktes globales Problem erzählt, sondern als Thema, das direkt vor der eigenen Haustür beginnt.

Zielgruppe und Wirkung

Wilde Nachbarn richtet sich grundsätzlich an alle Menschen, die sich im Stadtraum bewegen. Der spielerische und visuelle Zugang wurde jedoch besonders für Kinder und Familien entwickelt.

Gerade bei jungen Nutzer*innen kann früh ein Bewusstsein dafür entstehen, dass Natur nicht nur im Wald, auf dem Land oder im Zoo stattfindet. Auch Straßenränder, Hinterhöfe, Spielplätze, Gebäude, Parks und kleine unbebaute Flächen sind Lebensräume.

Durch die Kombination aus Bewegung, Beobachtung, digitalen Interaktionen und kurzen Wissenseinheiten entsteht ein niedrigschwelliges Bildungsangebot. Informationen werden nicht ausschließlich gelesen, sondern räumlich erlebt und mit einem konkreten Ort verbunden.

Die Nutzer*innen lernen dadurch nicht nur einzelne Tierarten kennen. Sie erkennen auch Zusammenhänge zwischen Tieren, Pflanzen, Stadtgestaltung und menschlichem Verhalten.

Grenzen des Projekts

Wilde Nachbarn ist nur ein kleiner Teil einer wesentlich größeren gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderung. Eine App kann Artenschutz nicht allein lösen. Sie kann weder verlorene Lebensräume ersetzen noch die gesamte Komplexität von Artenvielfalt und ökologischen Kreisläufen abbilden.

Das Projekt versteht sich deshalb nicht als vollständige Lösung, sondern als Werkzeug zur Sensibilisierung. Es kann Zusammenhänge sichtbar machen, Empathie fördern und Menschen dazu anregen, ihre direkte Umgebung bewusster wahrzunehmen.

Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass auch kleine und häufig übersehene Lebewesen wichtige Aufgaben übernehmen. Wer diese Tiere kennt und ihre Bedürfnisse versteht, begegnet ihnen möglicherweise mit mehr Aufmerksamkeit und Respekt.

Potenzial für Dessau-Roßlau

Auch im Austausch mit der Stadt wurde Potenzial in dem Projekt gesehen. Wilde Nachbarn greift verschiedene Ziele auf, die für die zukünftige Entwicklung von Dessau-Roßlau relevant sind.

Das Konzept kann dazu beitragen, den öffentlichen Raum zu beleben, Menschen nach draußen zu bringen und die Stadt als gemeinsamen Lebensraum erfahrbar zu machen. Bestehende Orte werden nicht nur als Durchgangsräume genutzt, sondern bewusst betrachtet und neu entdeckt.

Wilde Nachbarn verbindet dabei mehrere Themenbereiche: Stadtentwicklung, Umweltbildung, Arten- und Naturschutz, digitale Vermittlung und Bewegung und gemeinschaftliche Aktivität.

Durch diese Verbindung entsteht ein niedrigschwelliger und spielerischer Zugang, der sowohl für Bildungseinrichtungen als auch für Familien, Vereine, Tourismusangebote oder öffentliche Veranstaltungen interessant sein kann.

Da das Projekt unterschiedliche gesellschaftliche und städtische Ziele miteinander verbindet, ergeben sich perspektivisch auch mögliche Finanzierungs- und Förderansätze. Denkbar wären Kooperationen mit Städten, Umweltorganisationen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen oder lokalen Unternehmen.

Fazit

Mit Wilde Nachbarn entsteht ein System, das Respekt für unsere direkte Umwelt stärken kann – durch Sichtbarkeit, Empathie und gemeinsame Verantwortung für die Lebewesen, mit denen wir unsere Städte teilen.

Das Projekt verbindet analoge Gestaltung, digitale Technologie und räumliches Erleben. Es fordert die Nutzer*innen dazu auf, genauer hinzusehen und vermeintlich alltägliche Orte aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Mit dem entstandenen Konzept und dem bisherigen Prototyp sind wir sehr zufrieden. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass das Projekt für eine tatsächliche Umsetzung noch weiter ausgearbeitet, getestet und technisch entwickelt werden muss. Gerade darin sehen wir jedoch großes Potenzial: Wir möchten gerne an Wilde Nachbarn anknüpfen, das System weiterentwickeln und perspektivisch auf weitere Orte, Tierarten und Städte übertragen.

Denn Stadttiere sind keine unsichtbaren Gäste. Sie sind unsere wilden Nachbarn.