In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Der Mensch ist ständig von Zeichen umgeben – bewusst und unbewusst. Blicke, Worte, Bilder oder Symbole beeinflussen, wie wir Realität wahrnehmen und interpretieren. Besonders in Extremsituationen kann diese Wahrnehmung verzerrt werden. Was wir sehen, muss nicht das sein, was tatsächlich passiert ist.
In unserem Kurzfilm „Kahlschlag“ beschäftigen wir uns genau mit diesem Spannungsfeld:
Wie entsteht Wahrheit?
Wie wird Schuld wahrgenommen und wie kann sie konstruiert werden?
Der Fokus liegt dabei auf dem Menschen selbst: seinem Inneren, seiner Wahrnehmung und seiner Manipulierbarkeit.
Grundidee:
Zwei Freunde, Tom und Jess, befinden sich an einem abgelegenen Ort.
Kurz darauf wird Jess erstochen, doch der Täter bleibt unklar.
Tom befindet sich anschließend in einem Verhör.
Der Verhörer, Mr. Bigeye, setzt ihn zunehmend unter Druck.
Durch gezielte Fragen und psychologische Manipulation beginnt Tom:
seine eigene Erinnerung zu hinterfragen
und schließlich zu glauben, dass er selbst der Täter ist
Twist:
Am Ende stellt sich heraus:
Das Verhör war nicht real, sondern Teil einer Therapiesitzung.
Ein Therapeut hinterfragt Toms Aussagen und öffnet erneut Zweifel:
Hat Tom den Mord wirklich begangen?
Oder wurde ihm diese Wahrheit „eingepflanzt“?
Zentrale Themen:
Wahrnehmung vs. Realität
Schuld und Gerechtigkeit
Manipulation durch Sprache
Der Mensch als „Träger von Wahrheit“
Symbolik im Film:
Auge → Wahrnehmung / Wahrheit (aber unzuverlässig)
Blut → Schuld / psychische Belastung
Licht → erzwungene Wahrheit
Unsichtbare Balance → Gerechtigkeit ist nicht neutral
Visuelles Konzept:
-Viele Nahaufnahmen (besonders Augen, Hände)
-Wechsel zwischen ruhigen und chaotischen Sequenzen
-Fragmentierte Flashbacks
KAMERA: Sony Alpha 7S3
– SD Card 128 GB
– 5x Akkus
– Cage + Tophandle
– Portkey Monitor
– HDMI Kabel
LICHT:
– Softlight für Therapieszene
– gerichtetes Licht für Verhör
XEEN OBJEKTIVE
ZUBEHÖR:
– Stativ
– Tonangel
– ShotGun-Mic
WOCHE 1 (RESEARCH UND DEEP DIVE)
– Ideenfindung und Konzeptentwicklung
– Diskussion über Handlung und Schauspieler
– Sammlung von Inspirationsmaterial
– Erste Storyboards
Wir haben früh gemerkt, dass die Geschichte stark über Stimmung und Psychologie funktioniert und das Schauspiel sehr überzeugen sein muss.
WOCHE 2 (DREH)
Der Dreh wurde nach Locations und Verfügbarkeit organisiert:
– Verhörraum (intensive Dialogszenen)
– Therapieraum (ruhige, reflektierende Szenen)
– Außenaufnahmen im Wald
LICHT
– Verhör: hartes, gerichtetes Licht → Druck
– Therapie: weiches Licht → Offenheit
– Außen: natürlich, düster
SCHNITT
Der Schnitt orientiert sich an Toms Wahrnehmung:
– Verhör: zunächst ruhig → später chaotisch
– Flashbacks: fragmentiert, schnell
– Therapie: lange, ruhige Einstellungen
Ziel:
Der Zuschauer soll sich genauso unsicher fühlen wie Tom
COLOR GRADING
Farbkonzept:
Verhör → grünlich
→ unnatürlich, manipulativ
Tom → bläulich
→ isoliert, emotional distanziert
Therapie → warm
→ menschlich, ruhig, vertrauensvoll
Kontrast zeigt:
Unterschied zwischen erzwungener und echter Wahrnehmung
SOUND UND MUSIK
– Klassische Musik (Violinen)
– Steigerung von ruhig → chaotisch
– Layering von Stimmen & Geräuschen
Wirkung:
– Innerer Druck wird hörbar gemacht
– Schwierigkeit, eine klare Storystruktur zu finden
– Schauspieler-Verfügbarkeiten
– Zeitdruck beim Dreh
– Kommunikation im Team ist entscheidend
– Planung spart Zeit und Stress
– Licht beeinflusst die Wirkung extrem
– Wahrnehmung kann gezielt gesteuert werden
„Kahlschlag“ zeigt, wie fragil Wahrheit sein kann.
Wir haben gelernt, dass Film nicht nur aus Bildern besteht, sondern aus:
– Wahrnehmung
– Emotion
– Interpretation
Besonders spannend war die Frage:
Wann wird eine Aussage zur Wahrheit und wann ist sie nur konstruiert?
Das Projekt hat uns gezeigt, wie stark filmische Mittel (Schnitt, Licht, Farbe) diese Wahrnehmung beeinflussen können.
Ein großer Dank geht an:
– unseren Prof. R. Hartmann für Feedback und Unterstützung
– Basti und Henry Mertens für die Ausleihe des ganzen Equipments
– Herr Lohmann für das Videostudio und Tonangel
– unsere Kommiliton*innen für Austausch und Hilfe
– alle Beteiligten am Dreh, besonders an Florian Clasen (Verhörer) und Do Minh Hoang ( Therapeut), die sich extra für uns Zeit genommen haben und uns beim Dreh geholfen haben!!