In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
In seiner Funktionalität auf die Lehre in gestalterischen Studiengängen zugeschnitten... Schnittstelle für die moderne Lehre
Poesie ist Kompression. Dabei ging es darum mit klar gewählten Mitteln einen ausdrucksstarken Kurzfilm zu drehen, welcher eine große Bedeutung und Wirkung erzeugt. Das Projekt verbindet praktische Filmarbeit mit Reflexion über poetische und technische Formen der Kompression. Weniger Bilder, mehr Bedeutung. In kurzer Zeit werden Handlungen gezeigt, die in der Realität länger andauern. Ein kurzer, konzentrierter Sprint zur filmischen Verdichtung. In sehr reduzierten Formaten werden Miniaturen entwickelt, die mit knappen Mitteln, klaren Entscheidungen und starker Form arbeiten. Im Zentrum stehen Kürze, Präzision, Auswahl und Auslassung. Ziel ist ein kurzer Film, der nicht alles zeigt, sondern gerade durch Reduktion Wirkung erzeugt.
Eine Tänzerin sucht sich ihr eigenes Team zusammen und verliert sichdabei zunehmend in sich selbst.
Der große Auftritt auf einem Festival rückt immer näher, doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Weil Liz überzeugt ist, die Herausforderung allein nicht bewältigen zu können, holt sie sich Unterstützung. Ihr Team besteht aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, die jeweils ihre eigenen Stärken und Eigenheiten mitbringen.
Nach Wochen intensiven Trainings wachsen jedoch ihre Selbstzweifel. Je näher der Auftritt rückt, desto unsicherer wird sie. Sie fragt sich, ob sie gut genug ist und ob sie die Erwartungen erfüllen kann. Doch als der entscheidende Moment kommt, wird klar: Am Ende kann niemand außer ihr selbst auf die Bühne treten.
Die Entwicklung des Storyboards bildete die Grundlage für die visuelle Planung unseres Films. Nachdem die Handlung und der grobe Ablauf festgelegt waren, wurden zunächst handgezeichnete Skizzen erstellt, um die Reihenfolge der Szenen sowie die Bildkomposition festzulegen. Gleichzeitig konnten bereits Kamerafahrten, Perspektiven und Bewegungsabläufe geplant werden, wodurch sich die Dynamik des Films schon während der Konzeptionsphase erkennen ließ.
Darauf aufbauend entstanden für jeden Drehtag detaillierte Drehpläne. Diese enthielten Informationen über die beteiligten Darstellerinnen und Darsteller, Kameraeinstellungen sowie den zeitlichen Ablauf und erleichterten dadurch die Organisation der Produktion.
Nach den Dreharbeiten wurde das Storyboard anhand von Standbildern aus dem aufgenommenen Material erneut erstellt. Dieses diente als Grundlage für den späteren Schnitt und half dabei, den Ablauf der Szenen sowie deren Rhythmus und Übergänge gezielt zu planen.
Während der Storyboardphase stellte insbesondere die Ausarbeitung des Filmeinstiegs und des Plot-Twists eine gestalterische Herausforderung dar. Durch mehrere Überarbeitungen konnten beide Elemente jedoch so entwickelt werden, dass sie die Geschichte verständlich vermitteln und gleichzeitig den Spannungsbogen des Films unterstützen.
Die Rollen unseres Films bestehen aus einer Hauptcharakterin und vier Nebencharakteren.
Da unser Film ohne Dialog funktioniert und die Figuren ihre Persönlichkeit kaum über Sprache ausdrücken können, mussten ihre Charaktere vor allem durch ihre Outfits, ihre Körpersprache und ihre Einführungsszenen erkennbar werden. Die Nebencharaktere stellen verschiedene Seiten der Persönlichkeit unserer Hauptfigur dar. Deshalb war es wichtig, sie optisch und charakterlich möglichst unterschiedlich zu gestalten, um starke Kontraste zu schaffen. Dafür haben wir zunächst überlegt, welche Charaktereigenschaften besonders prägnant sind und sich gut ergänzen. Daraus entstanden die folgenden Figuren.
Girls Girl
Sie ist die Person, die jeden kennt, mit jedem reden kann und irgendwie selbst stressige Situationen leichter wirken lässt. Sie redet viel, und ist immer gut gelaunt. Sie ist feminin, süß und warm, aber nicht naiv. Wenn jemand denkt, sie wäre oberflächlich oder „nur nett“, unterschätzt man sie komplett. Sie ist selbstbewusst, weiß genau, wer sie ist und das strahlt sie auch aus. Durch ihre Empathie und ihrem Bedürfnis nach Harmonie ist sie der emotionale Support der Gruppe und hält alle zusammen.
Ihre Vorstellung findet daher auch mitten in der Bahn statt. Sie ist unterwegs, hört Musik und bewegt sich dazu ganz natürlich zwischen allen Passagieren. Die Blicke der andern sind ihr egal, sie genießt die Musik, die aus ihren Kopfhörern kommt.
Always Annoyed
Sie hat eine kurze Zündschnur. Wenn jemand zu spät kommt, rum-jammert oder halbe Arbeit macht, merkt man sofort ihre schlechte Laune. Sie rollt mit den Augen, kommentiert trocken oder schaut einfach nur enttäuscht, was oft schlimmer ist. Trotzdem ist sie die Person, auf die man sich am meisten verlassen kann. Sie taucht immer auf. Egal wie schlecht es ihr geht. Obwohl sie so cool ist, muss sie immer alles perfekt machen. Von anderen lässt sie sich allerdings nichts sagen.
Zu Beginn des Films läuft sie cool durch die Straße und stößt plötzlich mit einer hektischen Hauptcharakterin zusammen. Natürlich ist sie sofort genervt von der Situation und schaut sie böse an.
Pure Chaos
Zu laut. Zu spät. Zu viel. Aber ohne sie wäre die Gruppe halb so lebendig. Sie bringt alle zum lachen und tanzt immer, auch in den Pausen. Sie kommt fünf Minuten vor dem Auftritt angerannt, verliert ständig ihre Wasserflasche, redet mitten in ernsten Momenten rein und lie-fert dann trotzdem eine unfassbare Performance ab. Niemand versteht, wie sie funktioniert. Wahrscheinlich sie selbst auch nicht.
Ihre Vorstellung ist passend zum Charakter, eher chaotisch. Die Hauptcharakterin klopft an ihre Tür. Nach langem Warten geht langsam die Wohnungstür nachdem das Chaos vom Boden weggeschoben wurde. Dann schaut sie verlegen zum Hauptcharakter und ist sichtlich peinlich berührt.
Silent One
Sie fällt beim ersten Treffen kaum auf. Sie spricht leise, unterbricht niemanden und sitzt oft eher am Rand der Gruppe. Viele denken zuerst, sie wäre schüchtern oder unsicher, was teilweise stimmt. Aber sobald Musik läuft, verändert sie sich komplett. Auf der Bühne wirkt sie plötzlich wie ausgewechselt. Sie ist der Ruhepol der Gruppe und bringt dasGleichgewicht mit.
Während ihrer Einführung wirkt sie sofort tiefen entspannt, als sie angerufen wird. Sie trinkt ihren Tee und hört ganz ruhig zu, obwohl die Hauptcharakterin sichtlich gestresst ist.
Liz [Hauptcharakter]
Liz ist mit allen Charakteren stark verbunden. Ihre Persönlichkeit definiert sich aus den Eigenschaften der anderen. Sie ist extrem kreativ auf chaotische Art und Weise. Gleichzeitig ist sie stark Perfektionistisch und schnell unsicher. Beim Tanzen geht sie komplett auf. Ihre feminine Seite bringt sie dabei gerne mit ein verbindet sie mit coolen Schritten. Nach außen wirkt sie cool und selbstbewusst. Oft hat sie aber Selbstzweifel und ist unsicher und zurückhaltend.
Sie ist direkt als erste zu sehen. Ihre Szene zeigt sie beschäftigt im Café. Plötzlich bekommt sie eine Nachricht und ihr fällt ein, dass sie noch einen wichtigen Auftritt planen muss.
Girls Girl
Um ihre feminine und selbstbewusste Ausstrahlung zu unterstreichen, trägt sie einen Minirock in Kombination mit Stiefeln. Offene Haare, pinkes Make-up sowie passende Haarspangen greifen die Farben ihres Oberteils auf und verleihen ihr einen verspielten, süßen Look. Großer Schmuck rundet das Outfit ab.
Always Annoyed
Um einen deutlichen Kontrast zu den anderen Figuren zu schaffen, haben wir uns für einen Streetstyle-Look in dunklen Farben entschieden. Sie trägt ein schwarzes One-Shoulder-Top, eine weite Baggy-Jogginghose mit auffälligem Muster und schwarze Stiefel, die ihren selbstbewussten Baddie-Look unterstreichen. Ein markanter schwarzer Eyeliner, ein langer Zopf mit mehreren Knoten, große Ohrringe und ein silberner Gürtel vervollständigen das Outfit.
Pure Chaos
Bunte Farben, Layering und unterschiedliche Materialien waren mir bei ihrem Outfit besonders wichtig. Sie trägt einen Minirock über einer Jeans, ein Spitzenoberteil unter ihrem Top sowie einen großen Gürtel und auffälligen bunten Schmuck. Rosa Strähnen mit Spangen in den Haaren, ein Messy Bun und bunte, bereits leicht abgeblätterte Nägel vervollständigen den Look. Das gesamte Outfit soll auf den ersten Blick nach Chaos aussehen.
Silent One
Ihr Outfit ist schlicht und clean gehalten. Sie trägt eine blaue Jeans sowie ein schwarzes und ein weißes Top im Layering-Look. Ihre Haare sind halb offen und mit einer Haarklammer hochgesteckt, außerdem trägt sie eine Brille. Dadurch wirkt sie unauffällig, gleichzeitig aber stilvoll und ordentlich.
Liz
Auch ihr Outfit ist eine Kombination aus den Stilen der anderen. Layering aber in schlichten Farben, cool und süß gleichzeitig mit Accessiores wie einer Tasche, Tuch und viel Schmuck.
Während der Trainings trägt sie jeden Tag ein Outfit im Stil eines Charakters. Für die Performance ist ihr Outfit erneut abgestimmt auf die anderen Charaktere. Anders als die anderen ist sie ist auch die einzige, die immer neue Outfits trägt. Was daran liegt, dass die Nebencharaktere ihre Eigenschaften widerspiegeln und eigentlich nicht real sind.
Für unseren Film benötigten wir verschiedene Drehorte:
Café
Straßen und Straßenecken
Wohnraum
Straßenbahn
Trainingslocation
Performance-Location
Unsere Dreharbeiten fanden in zwei Städten statt. Die Anfangsszenen wurden in Jena gedreht, da alle unsere Schauspielerinnen dort wohnen. Die Trainings- und Performanceszenen entstanden anschließend in Dessau.
Für die Cafészene entschieden wir uns für das „Café Stilbruch“ in Jena. Als Wohnlocation stellte uns eine Freundin freundlicherweise ihre Wohnung zur Verfügung. Die Einrichtung wirkt modern, aufgeräumt und clean und unterstreicht dadurch den Charakter der ruhigen Figur.
Für die Straßenszenen wählten wir bewusst Ecken mit bunten Fassaden und Graffiti. Diese Kulissen unterstützen den urbanen und modernen Look des Films und passen besonders gut zu den selbstbewussten Charakteren.
Als Trainingslocation nutzten wir das Gelände von „NewKid“ in Dessau. Das ehemalige Brauereigebäude mit seinen Backsteinwänden vermittelt einen industriellen und gleichzeitig minimalistischen Look. Diese Atmosphäre passte perfekt zur Stimmung der Trainingsszenen.
Die Performance wurde auf dem Außengelände der ehemaligen Brauerei gedreht. Graffiti, alte Mauern und verfallene Gebäudereste verliehen der Location einen besonderen Charme und sorgten für einen authentischen, urbanen Hintergrund, der die Wirkung der Tanzperformance zusätzlich verstärkte.
Musik und Sound sollten besonders durch HipHop Einflüsse geprägt werden, allerdings ohne mit Vocals zu arbeiten. Wir haben uns dafür entschieden energetische und dynamische Elemente zu nutzen, also im ersten Part des Films sehr positiv im zweiten eher nachdenklich und fokussiert, gegen Ende eher traurig und enttäuscht. Der Choreographie Part sollte wieder stimmungsvoll und abwechslungsreich im Gegensatz zur Story sein. Es wurde in Ableton Live 12 gearbeitet. Häufig genutzte Plugins waren Serum 2, Kontakt 8 und Stock-plugins. Im Sounddesign wurde viel mit Splice-Samples gearbeitet, um diese zu überlagern, zu bearbeiten um ein möglichst lebendiges und realistisches Erlebnis zu erschaffen.
Die Choreografie lässt sich in drei Parts unterteilen.
Im ersten Part tanzt die gesamte Gruppe gemeinsam. Dabei steht jeder der vier Nebencharaktere einmal im Mittelpunkt. Die Bewegungen wurden bewusst so gewählt, dass sie die jeweiligen Charaktereigenschaften unterstreichen und sichtbar machen. Jeder Charakter tanzt in seinem individuellen Stil und bringt seine Persönlichkeit durch Bewegung und Ausdruck zum Vorschein.
Im zweiten Part tanzt die Hauptcharakterin allein, da sie alle Eigenschaften der anderen Figuren in sich vereint. Die Choreografie besteht aus kraftvollen und selbstbewussten Bewegungen. Durch den Wechsel von verschiedenen Ebenen, klaren Akzenten und schnellen Bewegungsabläufen wirkt sie ausdrucksstark und charakterstark.
Der dritte und letzte Part setzt den Fokus auf Freestyle und Emotion. Die Bewegungen sollten intuitiv, ungeplant und authentisch wirken, um die Gefühle der Hauptcharakterin möglichst echt zum Ausdruck zu bringen. Deshalb haben wir einen Teil der Bewegungen erst direkt am Drehort choreografiert. Unsere Schauspielerin bekam bewusst viel Freiraum, selbst zu entscheiden, wie sie sich bewegen möchte. Dadurch entstand ein natürlicher und persönlicher Abschluss der Choreografie.
Sony Alpha 7s ||
Sony Alpha 7s |||
Ronan SC
2 Stative
Ipad als Bildschirm
Milvus 21mm
Batis 25mm
Sony 35-128mm
Laova 12mm
Sony 16-35mm
MusikBox
Die Dreharbeiten fanden an insgesamt vier Tagen statt und erforderten eine sorgfältige Planung sowie eine gute Abstimmung innerhalb des Teams. Da an mehreren Locations gedreht wurde, mussten die einzelnen Drehtage genau organisiert werden, um Transport, Aufbau und Zeitplanung effizient zu gestalten. Insgesamt wirkten fünf Schauspielerinnen an den Dreharbeiten mit.
Die Tanzszenen wurden mehrfach aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen, um ausreichend Material für den späteren Schnitt zu erhalten. Während der Dreharbeiten übernahm Nele die Kameraführung, während Max sie als Kameraassistent unterstützte. Charlize war für die Organisation des Teams und der Schauspielerinnen sowie für die Verpflegung während der Drehtage verantwortlich. Durch die klare Aufgabenverteilung und die enge Zusammenarbeit im Team konnten die Dreharbeiten trotz der organisatorischen Herausforderungen erfolgreich umgesetzt werden.
Um dem Film und der Hauptcharakterin mehr Nähe und Sympathie zu verleihen, haben wir uns dazu entschieden, die Geschichte durch eine Erzählerstimme zu begleiten. Da der Film ohne Dialog auskommt, unterstützt die Stimme das Verständnis der Handlung und gibt den Zuschauenden Orientierung.
Bereits beim Schreiben des Skripts haben wir darauf geachtet, gezielt Hinweise auf die Storyline einzubauen. Außerdem werden die einzelnen Charaktere durch die Erzählerstimme kurz vorgestellt, sodass ihre Persönlichkeiten für das Publikum leichter nachvollziehbar werden.
Die Sprachaufnahmen entstanden in Max Wohnung und wurden von einer unserer Darstellerinnen eingesprochen.
Der Schnitt ist teilweise sehr schnell und vor allem auf den Takt der Musik abgestimmt, um den Tanzfilmcharakter zu unterstreichen. Zusätzlich wurde häufig auf Bewegungen geschnitten. Wenn beispielsweise eine tanzende Person den Kopf oder einen Arm nach oben bewegte, erfolgte der Schnitt während dieser Bewegung und der nächste Clip setzte diese nahtlos fort. Dadurch entstehen fließende Übergänge, die den Rhythmus des Tanzes unterstützen und den Film trotz der vielen Schnitte harmonisch wirken lassen. Die Kombination aus Schnitten auf den Beat und Schnitten auf Bewegungen verstärkt die Dynamik und Energie des Films. Der gesamte Schnitt wurde in DaVinci Resolve umgesetzt.
Das Color Grading wurde vollständig in DaVinci Resolve umgesetzt und nahm einen großen Teil der Postproduktion ein. Ziel war es, allen Szenen einen einheitlichen Look zu verleihen, unterschiedliche Lichtsituationen aneinander anzugleichen und dem Film einen cineastischeren Charakter zu geben. Unser Anspruch war es, uns von dem anfänglich eher musikvideoartigen Look zu lösen und eine filmischere Bildsprache zu entwickeln.
Da wir zuvor kaum Erfahrung mit professionellem Color Grading hatten, floss zunächst viel Zeit in das Verständnis der verschiedenen Werkzeuge und Workflows. Dadurch begann das eigentliche Grading später als ursprünglich geplant. Mit zunehmender Erfahrung konnten wir jedoch deutlich effizienter arbeiten und unser Material Schritt für Schritt verbessern. Besonders Masken und Tracking wurden häufig eingesetzt, um einzelne Bildbereiche gezielt bearbeiten und Unterschiede im Material ausgleichen zu können.
Rückblickend konnten wir unser ursprüngliches Ziel aufgrund des engen Zeitplans und unserer noch geringen Erfahrung nicht vollständig umsetzen. Das Endergebnis bewegt sich gestalterisch zwischen einem filmischen Look und einer stärkeren Musikvideo-Ästhetik. Trotzdem sind wir mit dem Ergebnis zufrieden, da es die Stimmung des Films unterstützt und unsere Entwicklung während des Projekts deutlich widerspiegelt.
Lessons Learned / Tipps
- Früh mit dem Color Grading beginnen. Bereits nach dem Rohschnitt erste Szenen zu graden spart später viel Zeit.
- In einem Log-Farbprofil filmen. Dadurch bietet das Material deutlich mehr Spielraum bei der Farbkorrektur.
- Nicht an mehreren Szenen gleichzeitig üben. Es ist sinnvoller, zunächst den Look einer Person oder einer Szene zu entwickeln und diesen anschließend auf den gesamten Film zu übertragen.
- Masking und Tracking beherrschen. Diese Werkzeuge sind entscheidend, um einzelne Bereiche gezielt zu korrigieren und einen professionellen Look zu erzielen.
- Genügend Zeit für das Lernen einplanen. Besonders zu Beginn fließt viel Zeit in das Verständnis der Software, die Lernkurve ist jedoch enorm.
- Geduld zahlt sich aus. Viele kleine Anpassungen führen oft zu einem besseren Ergebnis als wenige große Änderungen.
- Nachtschichten gut vorbereiten. Ausreichend Verpflegung, regelmäßige Pausen und eine Zahnbürste für lange Timelab-Nächte können überraschend hilfreich sein.
Da Hip-Hop einen zentralen Bestandteil unseres Films bildet, wollten wir diese Ästhetik auch in unserer Typografie aufgreifen. Schnell wurde jedoch klar, dass vorhandene Graffiti-Schriften nicht zu unserem Konzept passten. Viele wirkten zu generisch oder waren für den alltäglichen Gebrauch gestaltet und vermittelten nicht den individuellen Charakter, den wir für unseren Film erreichen wollten.
Aus diesem Grund entschieden wir uns, eine eigene Typografie in Procreate zu entwickeln. Zu Beginn orientierten wir uns zwar stark am klassischen Graffiti-Stil, mit der Zeit entstand jedoch eine eigene Formsprache. Dabei wurden die Buchstaben immer wieder angepasst, damit sie nicht nur einzeln funktionieren, sondern auch als Wörter harmonisch wirken. Dadurch entwickelte sich die Typografie speziell für die verwendeten Begriffe im Film und wäre in dieser Form als vollständige Schriftart kaum einsetzbar.
Die größte Herausforderung bestand darin, dass mit jedem neuen Wort weitere Buchstaben ergänzt oder bereits bestehende verändert werden mussten. Dadurch entwickelte sich die Typografie während des gesamten Projekts kontinuierlich weiter. Für den Arbeitsprozess wurden verschiedene Ebenen und Pinsel in Procreate genutzt, wodurch einzelne Buchstaben flexibel überarbeitet werden konnten.
Zum Abschluss erhielten wir zusätzlich Feedback von zwei Graffiti-Künstlern aus dem Umfeld unserer Theoriedozentin Stella. Ihre Hinweise halfen uns dabei, die Buchstabenformen, Proportionen und den Stil weiter zu verfeinern. Durch diese Rückmeldungen konnten wir die Typografie noch einmal überarbeiten und deutlich näher an einen authentischen Graffiti-Look bringen.
Die Freeze Frames bildeten ein zentrales Gestaltungselement unseres Films und waren gleichzeitig der Hauptgrund für die Entwicklung unserer eigenen Typografie. Ziel war es, die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Charaktere nicht nur durch ihr Verhalten, sondern auch durch Farbe, Typografie und grafische Elemente sichtbar zu machen. Jeder Charakter erhielt daher eine eigene Farbwelt, individuelle Texturen sowie eine passende Kombination aus Graffiti-Typografie und Designelementen.
Besonders wichtig war dabei der Freeze Frame der Hauptfigur. Da sich im Laufe des Films herausstellt, dass alle Charaktere verschiedene Persönlichkeiten derselben Person darstellen, wurden die Farben, Texturen und Gestaltungselemente der anderen Charaktere auch in ihrem Freeze Frame aufgegriffen. Dadurch sollte der Plot-Twist bereits unbewusst angedeutet werden, ohne ihn direkt zu verraten. Aus diesem Grund erhielten die Figuren außerdem keine klassischen Namen, sondern Bezeichnungen, die ihre jeweilige Persönlichkeit beschreiben.
Die Gestaltung der einzelnen Frames erfolgte zunächst in Photoshop Beta. Anschließend wurden die Dateien in After Effects animiert. Mithilfe des Wiggle-Effekts sowie leichter Bewegungen der einzelnen Ebenen entstanden lebendige Freeze Frames, die sich optisch an den dynamischen Hip-Hop-Stil des Films anpassen. Gleichzeitig entwickelten wir ein einheitliches Gestaltungskonzept, bei dem Typografie, Texturen und grafische Elemente in ihrer Stärke und Anordnung einer gemeinsamen Designsprache folgen. Dadurch wirken alle Freeze Frames trotz ihrer individuellen Gestaltung als zusammengehörige Serie.
Für den Filmtitel wollten wir einen Look entwickeln, der die Bildsprache des Films aufgreift und dessen Stil unterstützt. Da Graffiti an mehreren unserer Drehorte eine gestalterische Rolle spielt, haben wir dieses Element auch in der Titelgestaltung aufgegriffen.
Um den Graffiti-Look zu unterstreichen, haben wir die Typografie so animiert, als würde der Titel direkt auf den Bildschirm gesprüht beziehungsweise geschrieben werden. Dadurch fügt sich die Titelanimation harmonisch in den visuellen Stil des Films ein und schafft bereits zu Beginn eine Verbindung zur Atmosphäre und Ästhetik der Handlung.
Mehr ist mehr. Das war von Anfang an unser Motto und hat sich durch den gesamten Film gezogen. Egal ob Typografie, Farben, Texturen oder Animationen, wir wollten keine Angst davor haben, Dinge auszuprobieren und lieber einen Schritt zu viel als einen zu wenig gehen. Genau das macht den Film aus.
Von Anfang an war unser Konzept außerdem, einen Spaßfilm zu drehen. Natürlich sollte die Story funktionieren, aber noch wichtiger war, dass wir selbst und unsere Schauspieler Spaß an der Produktion haben. Irgendwann wurde aus dieser eigentlich lockeren Idee dann doch eine Geschichte mit deutlich mehr Tiefe, als wir ursprünglich geplant hatten. Trotzdem haben wir versucht, diesen Spaß während des gesamten Projekts nie zu verlieren.
Die letzten Wochen waren ehrlich gesagt einfach nur verrückt. Wir haben unglaublich viele Stunden investiert, Nachtschichten eingelegt, geflucht, uns gegenseitig genervt, diskutiert, angeschrien, Krisengespräche geführt und fünf Minuten später wieder zusammen gelacht. Genau das gehört für uns aber zu so einem Projekt dazu. Ohne diese Momente hätten wir den Film wahrscheinlich nie fertiggestellt.
Jeder von uns konnte seine eigenen Stärken einbringen und gleichzeitig Dinge lernen, mit denen wir vorher kaum Berührung hatten. Gerade weil wir immer ehrlich miteinander waren und auch Kritik offen ausgesprochen haben, konnten wir uns sowohl als Team als auch persönlich weiterentwickeln. Rückblickend war genau das wahrscheinlich das Wertvollste an diesem Projekt.
Wir würden dieses Projekt jederzeit wieder machen. Nicht, weil alles perfekt gelaufen ist, ganz im Gegenteil. Sondern weil wir in dieser Zeit unglaublich viel über Filmproduktion, Teamarbeit und auch über uns selbst gelernt haben. Heute wissen wir viel besser, wo unsere Stärken liegen, woran wir noch arbeiten müssen und wie wichtig Vertrauen, Ehrlichkeit und Kommunikation in einer Gruppe sind.
Zum Schluss möchten wir einfach Danke sagen. Danke an unsere Schauspielerinnen, die jede noch so spontane Idee mitgemacht haben. Danke an alle, die uns unterstützt, Feedback gegeben oder einfach an uns geglaubt haben. Und auch ein Danke an uns selbst, dafür, dass wir drangeblieben sind, obwohl es manchmal sehr nerven zerreißend war!
Und nun… From the Top.